Ach Henry – so lange ist es noch nicht her, seit ich dich kenne, und doch kommt es mir vor, als würden wir uns ewig kennen….weißt du noch? Wie ich deinen Kommentar gecancelt habe? Wie ich dich in einer e – Mail angeschnauzt habe: wenn Sie heilen können, warum gehen Sie nicht an die Öffentlichkeit und verdienen viel Geld damit?
Und dann kam deine Antwort – eine Antwort, die ich wegen meiner groben Unhöflichkeit eigentlich gar nicht verdient hatte:
Karin - Maedchen, es gibt Menschen die bestimmte Begabungen haben, sie werden in Krankenhaeusern und auch von Aerzten eingesetzt. Diese Menschen, arbeiten in der Stille da sie genau das nicht wollen, was du mit ihnen anstellen wuerdest.

Du könntest mich auch heilen, hast du geschrieben. Ich müsste es dir nur mitteilen – und meinen vollständigen Namen und mein Geburtsdatum angeben. Da werde ich doch neugierig. Ich habe dir die Daten gegeben – und in der nächsten e – Mail steht: wenn du diese Mail geöffnet hast, dann beginnt die Heilung….

Bin ich verrückt? Frage ich meinen Sohn heute. „Ich hasse das Wort verrückt!“ antwortet er „verrückt, dieser Ausdruck wird von Menschen benutzt, die nicht verstehen!“

Und was sagte Rainer?: Du weißt es – ich weiss es – was kümmern uns die anderen? – So in etwas hatte mir mein Radiologe auch geantwortet.

Nein- ich bin nicht verrückt!

Ich habe einen Weg zu gehen, und dieser Weg hat mich zu einer Frau geführt, die noch nicht sterben will und soll – es kann nicht sein… Barbara…es tut nicht weh, nein – niemand will etwas böses von dir – und es ist einfach – so einfach – fühle es doch – richte dich auf – es ist nur ein Satz, ein einfacher Satz:

Ja – ich will geheilt werden

Ach Henry, kennst du sie? Die Geschichte von dem tiefgläubigen Mann der auf einer einsamen Wanderung in einem Moorloch einbricht und zu versinken droht? Aus tiefstem Herzen betet er zu Gott, und bittet ihn um Hilfe. Und wie er da so steht und betet, da kommt ein Postbote vorbei, sieht den frommen Mann in seiner Not und will ihm helfen. „Das ist nett von dir,“ sagt der Eingesunkene, „aber ich brauche keine Hilfe von dir – Gott wird mir helfen.“ Erstaunt und etwas ratlos verlässt der Postbote den Ort…. da kommt ein Bauer vorbei und biete seine Hilfe an, doch auch ihn – Henry – auch ihn schickt der Fromme fort mit den Worten: „Gott wird mir helfen.“ Ein Priester eilt herbei – auch er wird abgewiesen – und dann versinkt er, der Fromme, im Morast…
Im Himmel sucht er Gott auf und fragt ihn: „Herr, warum hast du mir nicht geholfen – war ich nicht rechtschaffen genug?“ Und Gott antwortet: „ Mein Sohn – ich wollte dir helfen – drei Männer habe ich geschickt, dich zu retten, aber du hast es abgelehnt. So sage mir, was konnte ich mehr tun?“

Du hast mir geschrieben, dass ich jetzt auf dem Wege der Heilung bin… dass ich mir Aufgaben aufgeladen habe, die mich noch über 30 Jahre hier auf der Erde halten werden…. und du bittest mich, zu dokumentieren, wie es mir geht, was ich empfinde, was ich empfunden habe, als die Energien kamen.
Es war kein komisches Gefühl, Henry – überhaupt nicht – vielmehr war ich eher euphorisch – natürlich, ich freute mich, überhaupt einmal das Gefühl der Hoffnung wieder haben zu können – das Gefühl, dass es doch weiter gehen könnte, das Leben – mein Leben….

Seit ich dich kenne, Henry, durchlaufe ich ein Wechselbad der Gefühle. Ich weiss nicht mehr, was wahr und was Schein ist, auf einmal so klar und deutlich, und dann wieder die Abwehr gegen etwas, was nicht sein kann, weil es nicht sein darf.

Weggelaufen bin ich oft, Henry – sehr oft… zu oft…. ich werde nie wieder weglaufen – nie wieder.

Wie es mir jetzt geht? Gut, sehr gut sogar. Gestern war sozusagen Premiere; zum ersten Mal seit über 2 Jahren konnte ich die Treppenstufen ganz normal hinunter gehen - Stufe für Stufe für Stufe… gut, unten angekommen war ich schon etwas erschöpft, aber ich war ja auch etwas voreilig… wozu habe ich mir jetzt den Rollstuhl verschreiben lassen??? Und die Schmerzen, Henry, sie lassen tatsächlich nach – sie werden immer weniger… Was ist das? Eine Autosuggestion? http://de.wikipedia.org/wiki/Autosuggestion So stark? Morgen ist Donnerstag, morgen werde ich den Onkologen bitten, mein Blut auf noch vorhandene Krebszellen hin zu untersuchen – wenn denn so etwas möglich ist. Morgen werde ich mehr wissen.

Und ich glaube, Henry – aus tiefstem Herzen glaube ich, dass ein Heilung erfolgen wird, ich spüre es in mir, weil ich es spüren will. Mein Wille, weißt du, mein Wille ist ausschlaggebend dafür, dass es so sein wird. Der so unendlich vieles vermag, der uns das Adrenalin http://de.wikipedia.org/wiki/Adrenalin in den Körper jagen und unsere Kräfte um ein vielfaches anwachsen zu lassen….

Barbara muss nur wollen… mehr nicht…

Wir wollen nichts von dir, Barbara – nur helfen.. mehr nicht – keine Öffentlichkeit – nichts… nur die Hoffnung, dass wir eine Mitteilung von dir erhalten werden – dass du geheilt werden willst. Glaube an Henry, Barbara – ich tue es auch. Warum auch nicht? Es tut nicht weh, es kostet nichts, es tut gut, es beruhigt, es gibt ein warmes weiches Gefühl. Wir haben nicht mehr zu verlieren, Barbara – wir können nur noch gewinnen. Komm mit

Ja, es stimmt wohl – auch sie hat Brustkrebs – auch bei ihr ist er unheilbar. Nach 2 Jahren (!!) nach dieser Zeit schafft sie es, sich zu „outen“. Und wird bewundert… starke Frau – sicherlich – hat weiter gearbeitet – klar, müssen viele. Ihre Fans sind schockiert…entsetzt…fassungslos…leiden mit ihr.
Warum, so stelle ich mir die Frage, warum hat diese intelligente, schöne Frau ihre Krankheit so lange verheimlicht? Ist ihr nicht klar, dass sie alle Krebskranken dadurch stigmatisiert? Indirekt – so wenigstens fühle ich es in mir – indirekt wird dann von allen Erkrankten erwartet, dass sie sich ebenfalls zurück nehmen, dass sie ihre Krankheit verschweigen oder ignorieren.. bagatellisieren…

Gestern, während der Therapie, da habe ich aus lauter Langweile und aus lauter Frust – jede Woche Therapie – lebenslänglich, hoffentlich lebenslänglich, denn wenn die Metastasen gegen das Herceptin immun werden – und das werden sie irgendwann, dann geht es los, das neue Suchen nach dem neuen Wirkstoff , der hoffentlich auch hilft – der die Überlebenszeit verlängert… jedenfalls habe ich mir da aus dem Haufen dieser Schmierenheftchen die Bunte raus geholt. Barabara Rudnik hat Krebs – lese ich da – unglaubliche Lebenslust hat sie – steht da – sie will sich nicht länger verstecken – schreiben sie. Na gut – vielleicht baut es mich ja auf.

Auhauehaueha….ich hab’s dann meiner Mitleiderin ( die eigentlich auch nicht mehr leben dürfte ) vorgelesen – als Lehrmaterial, sozusagen. Bei der ersten Diagnose, lese ich da, bereits Metastasen in der Leber , in den Knochen und im Gehirn. Boey… in der Leber, aber die Frau wird nicht gelb, so wie die normal erkrankten…Metastasen im Kopf! Und eine Chemo macht sie platt!!! Für jeden anderen bedeutet dies das endgültige AUS…Denn es gibt hier in Deutschland keine Chemo, die diese Schranke zum Gehirn überwinden kann, um da die Metastasen platt zu machen!!! Das grenzt ja schier an Zauberei!!!

Jetzt, seit ein paar Wochen ist hier ein Wirkstoff mit Nahmen Lapatinib freigegeben, der angeblich diese Schranke durchbrechen kann. Ok… lassen wir es.. erwähnte ich bereits, dass ich von Schmierenzeitschriften redete?

Nur, damit es klar wird: Ich weiss, dass Frau Rudnik schwerst krank ist - was den Zorn in mir hochkommen lässt, das ist die Art, wie die Medien diese Tragödie verarbeiten!! Ich habe gesehen, wie schwerst Erkrankte auf diesen Bericht reagieren - wie bei ihnen die Verzweiflung hochschoss, wie sie anfingen, zu weinen - all das hat mich dazu gebracht, diesen Brief zu schreiben. Es soll kein Angriff auf Frau Rudnik sein - mit Sicherheit nicht!

Eigentlich wollte ich voller Wut an Sie schreiben, Frau Rudnik – Sie fragen, wie Sie das alles behaupten können – aber es hat sich relativiert…. im Internet steht es ja – irgendwo kleingedruckt, dass sich die Bildzeitung ( die ich schon gar nicht anrühre ) und die Bunte in ihren Schmierenkrieg über Fotos von Ihnen und über Ihre Aussagen in die Haare gekriegt haben.
Widerliche Aasfresser….brauchen Sie das noch?

Ich hoffe von Herzen Frau Rudnik dass Sie Ihren 50. Ehrentag noch erleben – in vollem Bewusstsein. Ich wünsche es Ihnen von ganzem Herzen, so wie ich es allen schwerst Erkrankten wünsche. Ich wünsche mir so sehr, dass Sie bereit sind wenn es soweit ist, dass Sie leichten Herzens gehen können…
…Vielleicht habe ich noch ein bißchen mehr erwartet, Frau Rudnik, wo Sie doch für so viele Menschen eine Vorbildfunktion haben. Nicht : Ich will leben – eher: wir wollen alle leben, alle, die so schwer erkrankt sind.

Wenn Sie es können, Frau Rudnik, lesen Sie doch in den Krebsforen, wie verzweifelt sie sind, die Menschen, denen die Diagnose den Boden unter den Füssen weggezogen hat, wie sehr sie nach Hilfe suchen.

Sie sind stark – kommen Sie, Frau Rudnik, nehmen Sie dieser Krankheit dieses Stigma. Wir sind keine Aussätzigen, wir sind nicht ansteckend, niemand hat es gewollt. Nutzen Sie Ihre Prominenz, stehen Sie wirklich zu dem, was da kommt, zeigen Sie den Menschen, was es wirklich bedeutet, daran erkrankt zu sein – immer vorausgesetzt, dass Sie es noch können, Frau Rudnik…ich wünsche es Ihnen von ganzem Herzen.

Stehen Sie bitte auf.

Es wäre nicht meine Geschichte, wenn ich es verleugnen würde, wenn ich vergessen würde, wie mir als erstes den Krebs in den Körper gepflanzt wurde. Nur eine kleine Episode ist es, ein kleiner Teil in meinem Leben – traurige  neun Monate Leben.

Einmal im Jahr -  nein, jedes Jahr, da kommt sie hoch, die Erinnerung an ein kleines Wesen, mit dem ich zusammen war, mit dem ich gespielt habe … gespielt, ja ich habe damals gespielt – und ich habe damals verloren, ein hoher Verlust, der mich zerrissen hat, bis tief ins innerste. Von da an hat nichts mehr wirklich weh getan.

Warum habe ich es getan? Warum habe ich diese Kind ausgetragen? Weil ich dickköpfig war? Weil ich das Leben in mir spüren wollte? Weil mir die Ärzte damals sagten, ich könne nicht schwanger werden? Weil der Vater dagegen war? Es war wohl alles zusammen, das mich gezwungen hat, durch diese Hölle zu gehen , ja durch diese Hölle, denn wenn es eine Hölle gibt, dann habe ich sie durchlebt – damals – und jedes Jahr wieder und wieder.
Im 6. Monat, da bin ich zu einem Frauenarzt gegangen – nicht zu meinem, nein, es sollte jemand sein, den ich nie wieder sehen würde, weil ich ahnte, dass es grausam werden würde. Ein Mädchen wird es wohl , sagte er – oder ein ziemlich schlauer Junge, weil man das Geschlecht nicht erkennen kann, aber eher ein Mädchen…

Es war eine herbe haltlose Zeit – ich war aus Norwegen wieder gekommen – hatte dort gearbeitet, weil mir mein Internist, als er die Colitis Ulcerosa diagnostizierte, sagte, sie wäre so extrem weit fort geschritten, mehr als ein Jahr gäbe er mir nicht mehr.. soweit zu den Prognosen… Ich warf mein Studium fort und lief weg.
Und jetzt war ich wieder in Deutschland – schwanger – mit der Darmentzündung  - aber, es war länger als ein Jahr seit der Diagnose – und ich lebte.
Da saß ich nun, kaum Geld zum Leben – es gab Tage, da hatte ich nichts zu essen – aber ich hatte mein Kind, mein Mädchen, und ich spielte mit ihm, ich sang ihm Lieder vor, erzählte ihm von der schönen Welt, die es sehen würde….Und mein Kind lachte und drehte sich in meinem Bauch, lies sich die Füsschen kitzeln, strampelte munter herum und kuschelte sich im Schlaf glücklich an mich. Ich möchte schreien, wenn ich daran denke, noch immer tut es so weh, weil  es war so unglaublich schön war…

Viel zu spät setzten die Wehen ein ,  tagelang muss ich jeden Tag ins Krankenhaus zur Kontrolle….heftig und ungleichmäßig. Ich fuhr mit einem Taxi zum Krankenhaus – alleine – nur mit meinem Kind im Bauch fuhr ich los – und die Wehen kamen, und mein Darm fing an, dumpf zu drohen…

Das Fruchtwasser spritzt heraus, ich werde in den Kreißsaal gefahren, ich alleine… die Wehen setzten ein … setzten aus…. ein.. aus.. ein.. aus. Nach 12 Stunden ging nichts mehr, gar nichts mehr. Sie drehten ein Laken und preßten über meinen Leib, sie preßten das Kind nach unten, zum Ausgang – mein Kreislauf brach zusammen, mein Darm riß, Ärzte kamen herbeigelaufen. Ich kann vor Erschöpfung nicht mehr schreien …nichts ging mehr.. plötzlich war alles dunkel….und ich war so entsetzlich alleine.

Sie haben mich dann auf eine gynäkologische Abteilung verlegt, damit ich keine Mütter mit anderen Kindern sehen mußte.  Dort lag ich eine Woche. Eine Woche, in der ich mich vor Krämpfen krümmte, weil mein Darm entsetzlich schmerzte , eine Woche, in der ich jegliche Nahrung verweigerte. Ich verweigerte auch jede Behandlung, ich wollte nicht mehr leben.  Ich wollte wirklich nicht mehr leben…es gab keinen Grund zu leben – ich war so alleine….warum, warum nur war ich so stark?

Zu Hause mühe ich mich die Treppen hoch, öffne die Tür und schleiche in die Wohnung… sie ist so leer…so grausam leer und still. Ich kann die Tränen nicht stoppen, es geht nicht, sie laufen und laufen , der Schmerz schießt mir in den Leib. Endlose Tage sitze ich weinend auf einem Stuhl, endlos früh am morgen reißt es mich aus dem Bett vor Schmerzen, und ich ziehe mich an und laufe durch die kalte, dunkle Gegend und hoffe nur auf Linderung, auf Erlösung von dem leiden.. Nichts kann mich schrecken, jedermann ist willkommen, wenn er mich nur vom Leiden erlöst.
Aber es kommt niemand – ich bin vollkommen alleine…

Ich weiß nicht mehr, wann ich wieder ins Krankenhaus  ging, das die Schmerzen nicht mehr kontrollierbar waren – ich habe keine Ahnung mehr von der Operation, von den Menschen dort. Ich weiß nicht, wie sie sich mir gegenüber verhalten haben. Einfühlsam, denke ich mal – mit Sicherheit freundlich – ich weiss, das der Arzt davon sprach, dass erste bösartige Veränderungen in meinem Darm gefunden wurden – noch rechtzeitig, wie er sagt – ich brauche keine Chemo. Das berührt mich alles gar nicht , das nehme ich so hin – rechtzeitig – schade eigentlich…

Eine Krankenschwester gibt mir zum Abschied noch einen Rest des starken Schmerzmittels mit – ich nehme an, dass es Morphium war, denn als das Fläschchen leer ist bekomme ich entsetzliche Entzugserscheinungen. Tagelang sitze ich da und zittere, der kalte Schweiss läuft mir übers Gesicht. Aber es berührt mich nicht wirklich .Ich habe mein Kind verloren.
Am 05. März 1991 habe ich mein Kind verloren.

Einen kleinen Jungen habe ich verloren… Vielleicht bin ich ja deshalb noch nicht durchgedreht, weil es ein Junge war… weil ich mich ja um ein Mädchen gekümmert hatte…
Mein Kind… mein kleines, wunderbares  Kind

Schöne weite Welt

Juni 22, 2008

Leicht… es ist wirklich nicht leicht, das alles so auf zu schreiben, was ich fühle, wie ich denke, was ich meine. Nicht, dass ich unfähig wäre, so zu artikulieren, dass der Leser es kaum versteht, nein – ich frage mich, was mich dazu bewegt, dies alles zu veröffentlichen.
Teilweise wohl auch wegen der Suchbegriffe, unter denen meine Homepage gefunden wird - sie hauen mich manchmal wirklich aus den Latschen:

Sohn befummelt Mutter…
Mutter verführt Sohn …
ich mit Schwester in einem Bett und habe…
Onkel befummelt mich…
Geile Göre verführt Onkel…
Sex mit einer Krebskranken..

geile mutter verführt sohn geschichten….

Wirklich, auf das alles wäre ich nu im Leben nicht gekommen, aber, wer weiss zu was es gut ist…. Vielleicht hat es ja so einigen die Augen geöffnet, denn unter den gleichen Begriffen wurden meine Beiträge über Monate hinweg verfolgt. Witzig…. irgendwie….
Nur, irgendwann wurde es ihnen wohl zu langweilig – nix Sex – nix crime – naja, für solche Menschen möchte ich auch nicht wirklich unter den top ten sein ;)

Ich lerne einen Fotografen kennen. Perser ist er – nicht Iraner sondern Perser – darauf besteht er. Im laufe der Zeit habe ich viele Frauen und Männer aus diesem Land kennen gelernt, und jedenfalls für mich, eine Regelmäßigkeit aufgestellt: Je höher die Bildung, desto deutlicher beharren sie darauf, aus Persien zu kommen. Haut auch irgendwie ihn – schließlich wurde ja während der Islamischen Revolution die Intelligenz aus dem Lande gejagt, und wer nicht verjagd oder getötet wurde, der floh vor diesem Terror.
Der Fotograf war geflohen – geflohen in einer Nacht – und Nebelaktion, ziemlich spontan, nämlich genau dann, als ihm der alte Mann über den Weg lief, und ihm die Richtung wies, in die er laufen sollte. S O F O R T laufen sollte. Der alte Mann, der immer dann auftauchte, wenn Gefahr im Verzug war, der ihm mehr als nur einmal das Leben gerettet hatte.

(… jetzt will ich nicht wissen, wie viele Iraner sich bald hier empört melden werden… Lügnerin!!! Stimmt nicht, alles Lüge!!!!! Nieder mit der Ungläubigen!!! …Irgendwie kann ich mir jetzt das Lachen kaum verkneifen…)

Er zeigt mir Fotos, die er gemacht hat , solche Fotos habe ich noch nie zuvor gesehen – sie sind einmalig in ihrer Art – unglaublich schön sind sie.
„Du holst ja die Seele aus ihnen heraus“ völlig verblüfft sehe ich ihn an. Er lächelt – nein, sagt er, nein, ich fotografiere sie nur so, wie sie sich selbst sehen wollen.

Aaaaaaaaaaha…. klar….logisch….hätt jetzt von mir sein können…

„Wenn ich auf die Straße gehe,“ sagt Sch. zu mir, „dann sehe ich die Menschen anders als ihr. Ich sehe, wie sie Säcke hinter sich herziehen – große, und kleine – und darin ist die Mühsal in ihrem Leben, die sie so grau und nichtssagend erscheinen läßt.
Wenn sie dann in mein Studio kommen, oder wenn ich sie in Ihrer Wohnung fotografieren soll, dann lasse ich sie diese Mühsal vergessen und lasse sie sich so bewegen, dass sie durch dieses Bewegen für einen kurzen Augenblick ihre Säcke unwillkürlich ablegen, dass sie für einen kurzen Moment wirklich so schön sind, wie sie sein könnten – ohne ihre Last.

Muss wohl – solche Bilder – in meinem ganzen Leben habe ich keine so schönen Fotos gesehen…

Wieso hast du mir das jetzt gesagt? – Ich bin etwas verblüfft. Das ist ziemlich unglaublich, was du da beschreibst. – ja, sagt Sch. – aber ich weiss, dass du es verstehst.

Ich denke, es ist wohl jedem Leser – zumindest denen, die das hier nachvollziehen können und wollen – verständlich, dass mein Bekanntenkreis nicht unbedingt nur aus den netten Typen von nebenan besteht. Viele, sehr viele von ihnen haben Fähigkeiten, die über das normale – nö, falsch - über das durchschnittliche hinaus gehen. Und keinem von ihnen würde es einfallen, mit Menschen darüber zu reden, von denen sie fühlen und wissen, dass diese sie als spinnert bezeichnen würden. Hat’s genug von diese Typen… und mit Ignoranten zu streiten, ist ein Kampf gegen Windmühlen.

Merkwürdige Spezies, diese Menschen. Sie glauben an einen Gott, in welcher Weise auch immer, an etwas, was sie niemals gesehen haben und niemals sehen werden, ein Phänomen, das rein logisch nicht zu erklären ist, aber sie machen sich lustig über diejenigen, die eine andere Sicht der Dinge haben, die mehr oder anders sehen – ihnen verweigern sie glatt das, was sie für sich in Anspruch nehmen. Ihnen verweigern sie den Glauben und das Wissen.
Warum?
Ich denke, die einfachste Erklärung hierfür ist ein kleines Wort : man
In dieser Welt, in der ich lebe, in der viele Freunde von mir leben, in dieser Welt gebt es das Wort „man“ nicht. In dieser Welt, da steht jeder selbst für die Meinung ein, die er vertritt. Da versteckt sich niemand hinter Plattitüden  http://de.wikipedia.org/wiki/Plattit%C3%BCde  , die deutlich zeigen, wie wenig Selbstbewußtsein sie haben, die meisten Mitmenschen hier auf unsrer Erde.

Tut mir mal einen Gefallen – versucht es einen Tag lang , ganz bewußt auf dieses Wörtchen man zu verzichten und ersetzt es durch die Worte, die genau das sagen, was ihr meint.
Nicht : man tut das nicht, sondern : Ich will das nicht
Nicht: das sollte man schon erwarten können, sondern : ich will es so haben

Und so weiter und so weiter. Wenn ihr das schafft, denn dann werdet ihr erfahren, dass euer Gegenüber Dinge, die getan werden , euch zuliebe macht – weil ihr es wollt.

Na? Ist das nicht ein tolles Gefühl?

Irgendwann werdet ihr begreifen, dass die Welt, so, wie ihr sie seht, nicht die Welt ist, in der wir leben. Vieles gibt es – wirklich, viel zu viel, was wir mit unserem kleinlichen Verstand gar nicht aufnehmen wollen oder können. Aber vieles gibt es auch, was wir erkennen können, wenn wir es nur wollten.
Habt doch einfach die Grösse, gebt uns die Freiheit unserer Gedanken und unseres Wissens – und wenn ihr sie nicht verstehen könnt, dann respektiert sie wenigsten.

Da sitze ich bei meinen neuen Onkologen, wie ein Häufchen Unglück, begreife absolut nicht wirklich, was da alles abläuft, und höre, wie der Arzt sagt: Falsche Chemo- – unzureichende Therapie… können wir erstmal nicht umstellen, da macht die Krankenkasse nicht mit….

Er schickt mich wieder zum Radiologen – der soll entscheiden, ob noch mal bestrahlt werden kann.

Nö – geht nicht mehr…nichts geht mehr. Die Metastasen sind dort wiedergekommen, wo sie schon waren, wo sie schon bestrahlt wurden. Da kann nicht mehr bestrahlt werden. Und nu??

Tja.. irgendwann wird Ihr Oberschenkel zerbrechen – der Gammanagel kann nicht alles stützen, und dann brauchen Sie eine Krebsprothese. Die anderen, neuen Metastasen sind nicht soweit, dass sie diesen Schmerz verursachen könnten. Toll – hört sich nach Amputation an…

Meine Therapie wird umgestellt, nicht mehr alle 3 Wochen, sondern jede Woche, damit das Herceptin möglichst gleichmäßig wirkt. Irgendwie bin ich eigentlich gar nicht mehr bei mir.

Dem Onkologe aus dem Krankenhaus – dem kann ich nicht böse sein – immerhin hatte er die Größe, seine Unzulänglichkeit zuzugeben – und er hat mir damit das Leben gerettet.

Meine Nerven spielen verrückt. Und die Schmerzen werden immer stärker.. Mein Oberschenkel fängt an, zu schlackern, fast wie zu der Zeit, da ich noch nicht behandelt wurde. Das Bein schwillt an, ich würde sagen synchron zu meiner Panik, die ich absolut nicht mehr unter Kontrolle kriege. Der Onkologe sieht sich alles an… Plötzlicher Gewichtsverlust – 12 kg in 2 Wochen - ein Perikarderguss taucht bei der üblichen Herzuntersuchung auf, nur eine Thrombose hab ich nicht (schön… sehr schön)….Er redet von Chemo- – Leber überprüfen…Eine starke Krebsaktivität an meinem Schädel ist zu erkennen… so richtig kriege ich das alles nicht mehr mit, es ist nur noch ein böser Traum…

Eine zweite Herzuntersuchung zeigt: kein Perikarderguss mehr, aber eine Herzinsuffizienz.

Zu Hause ist die Angst auch nicht mehr zu kontrollieren. Alles läuft an mir vorbei…

Lange, lange dauert es, bis die Ergebnisse da sind. – Aber es ist die Erlösung – sie sterben, diese Monster – und vor dem verknöchern bäumen sie sich noch mal auf, weiten sich auf, drücken mir auf die Nerven in der Wirbelsäule, breiten sich in der Hüfte und im Oberschenkel aus, verformen meine Rippen etwas, strahlen  symmetrisch über meinen Schädel - und das bereitet natürlich Schmerzen. – Klar.

Aber das nehme ich so hin – sehr gerne sogar.

Ich müsste lügen, wenn ich sage, dass es mir so gut geht, als wäre ich gesund.

Natürlich habe ich Blessuren abbekommen, natürlich muss ich mich einschränken. Es ist mir fast unmöglich, längere Zeit zu gehen – aber eigentlich müsste ich jetzt schon im Rollstuhl sitzen- Ich nehme Morphium, um die Schmerzen zu kontrollieren – muss sein – ich bin kein Märtyrer – nicht freiwillig…

Mein linker Arm wird auch immer tauber – ist aber kein neuer Schlaganfall – Mensch, was will ich mehr? – Die Metastasen drücken halt auf die Nerven…

Abend, so ab 20 Uhr haut es mich um, dann geht nix mehr, in der Regel. Was will ich denn erwarten? Ich lebe, und ich lebe nicht schlecht! Ich kann ja kaum erwarten, dass alles wieder in Ordnung ist – wo gehobelt wird, da fallen Späne, gelle?

Tatsache ist, dass ich bisher aus jeder Norm herausfalle, dass nach Erfahrungswerten Patienten, bei denen die Metastasierung so weit fortgeschritten war, nicht länger als ein halbes Jahr gelebt haben.

Was will ich denn mehr?

Vielleicht ein bisschen mehr Verständnis für meine Situation – nicht immer diesen idiotischen Unglauben.. kann doch nich sein…Einfach mal hinnehmen, dass alles tatsächlich so ist, wie es ist, und nicht immer versuchen, mich in irgendwelche Schubladen zu pressen… Dieses hübsche dämliche Spielchen, das anscheinend so gerne betrieben wird. Kenn ich nicht, gibt es nicht…

Doch… gibt es…

Lange, lange war es her, dass ich etwas geschrieben habe – eine ereignisreiche lange Zeit, in der ich weder die Zeit, noch die Kraft hatte, die Ereignisse zu formulieren, die auf mich einbrachen, in einer Geschwindigkeit, dass es mir den Atmen nahm, dass ich meinte, an frischer Luft ersticken zu müssen.

Es begann ungefähr einen Monat nach meiner ersten Hauptuntersuchung. Die Ergebnisse wurden anscheinend nur mir mitgeteilt – so fühlte es sich zumindest an – denn in meiner Onkologie zeigten sich keinerlei Anzeichen dafür, das Gesprächsbedarf war.

Bei der ct teilt man mir mit, dass ich Lungenmetastasen habe, dass meine Wirbelsäule mehrere neue Metastasen zeigte – Aber , eine direkte Frage an den Onkologen gestellt, wird mir mitgeteilt, dass das nichts dramatisches sei – dass dies auch nichts an der Therapie ändern würde

…….Nix……….

Ich bölke mir in dieser Zeit die Lunge aus dem Leib

……macht nix………

Ich habe einen Termin beim Radiologen – Nachkontrolle - Er sucht in meinen Unterlagen, nachdem er sich meine Version der Ereignisse und meinen Husten angehört hat. – Im Laufe der nächsten 5 Minuten (gefühlt, nicht tatsächlich ;)) müssen wir beide erkennen, dass nicht ein einziger, der mich behandelnden Ärzte – nicht einer!!! – vollständige Unterlagen über meinen Krankheitsverlauf hat. Wir sind beide wie vom Donner gerührt, und ich denke, meine sprachlose Fassungslosigkeit, mein Unvermögen, in dieser Situation noch die richtigen Worte zu finden, wo ich ja noch nicht einmal begriffen hatte, was für Auswirkungen bei mir bedeuten könnte, da muss er wohl emphatisch meinen tiefen Schmerz gefühlt haben, da bat er mich dringlichst, meine Onkologen zu verlassen und in ein entsprechendes Brustkrebszentrum zu gehen

??????????? W A S ????????????

Aber ich bin doch in einem Brustkrebszentrum!!!!

Nein, Sie sind in einer Allgemeinonkologie, die wohl auch eher in der Blutkrebsforschung führend ist. – Der Leiter hat einen ungehörigen Drang, auch in der Brustkrebsforschung zu arbeiten – obwohl er sowieso der Meinung ist, dass jeder Brustkrebs gleich ist – entsprechend wird auch jeden Brustkrebs gleich therapiert.

Bei der nächsten Therapiesitzung möchte ich meinen Onkologen sprechen – völlig unmöglich – waren es an normalen Tagen 4 Ärzte auf ca. 200 Patienten – so war an diesem Tag nur mein Onkologe für alle Patienten da. Ein Gespräch war da völlig ausgeschlossen. Am nächsten Tag rufe ich ihn an und sage ihm in sehr höflichen, aber bestimmten Ton, dass ich mich bei ihm nicht mehr sicher aufgehoben fühle – er ist gekränkt, kurz angebunden – wir legen auf.

Beim nächsten Termin bietet er mir von sich aus einen Termin an, und bittet mich, diesen doch wahr zu nehmen …. Ja, klar – ziehen wir einen Strich, so oder so… -

Als wir uns zu diesem Termin sehen spüre ich deutlich die von ihm ausgehende Unsicherheit. Das ändert die Lage ganz gewaltig – jetzt ist er nicht mehr der Entscheidende, Bestimmende – das bin ich jetzt…. Und das schöne ist – er weiß es nicht….

Ruhig und sachlich teile ich ihm mit, dass jetzt noch eine chronische Blasenentzündung Dauergast werden würde… das reicht, seine Fassung ist hin, und mit freundlicher, subtiler Unterstützung von mir – gibt er zu, dass diese Abteilung für mich überhaupt nicht richtig ist, dass ich ständige Überwachung und eine Stelle brauche, die mir dies auch garantieren kann, schreibt mir eine Adresse auf …. Und zum Schluss….. zum Schluss nähert er sich mir noch einmal vertraulich und flüstert mir zu:

Ich schreibe jetzt einen Abschlussbericht – ich habe mir ihre Unterlagen einmal angesehen –

SIE HABEN WIRKLICH MEHR METASTASEN BEKOMMEN; DASS KONNTE MAN DEUTLICH ERKENNEN

Gönnen wir uns eine Pause, die ich damals nicht erhalten habe – es geht bald weiter…..

Und ich lebe doch!!!

Mai 29, 2008

Ich habe es doch geschaft!!!

Ich habe geschafft - wie sagte es der Onkologe so schön, was keine seiner Patientinnen, die er vorher erlebt hat, geschafft hat. So unglaublich metastasiert, wie ich bin, sagte er, da hätten sie alle nach spätestens einem halben Jahr aufgegeben, da wären sie gegangen…

Was  habe ich für Schmerzen.. tierische, fürchterliche Schmerzen, wo mir vor lauter Schmerzen, die Luft wegbleibt, wo sich die Angst einschleicht in den Kopf… aber nein, jetzt weiss ich es, ich muss keine Angst haben!! Ich spüre nur den Schmerz der sterbenden Metatasen, die, wenn sie angegriffen und zerstört werden, aufquellen und damit natürlich meinen Knochen ebenfalls mit dehnen, mit ausweiten.

Daher kommen sie, die Schmerzen - vom Sterben der Mörders ins mir….

Ich werde eine Schmerztherapie machen , eine Radionukleidtherapie, die das Aufweichen und Ausweiten schon im Vorwege bremsen soll, damit meine Schmerzen gelindert werden. Ich werde es machen, und ich werde triumphieren. Viele Jahre habe ich noch vor mir, sagte er.. so taff, wie ich bin… unkaputtbar, wie meine Freundin sagte…

Niemandem wünsche ich diese Angst, die ich in letzter Zeit gefühlt habe- niemandem. Und diese Schmerzen, es sind gute Schmerzen…

Von jetzt an werde ich über das Leben schreiben.

noch nicht

April 27, 2008

Es ist ein wunderbarer, herrlicher sonnendurchfluteter Tag - ein Tag, an dem eine die Ewigkeit näher kommt mit ihrer Wärme und ihrem Verständnis für unser kleines Dasein. Ein Tag, an dem man mit Sicherheit niemals die bekannten Worte : Heute ist ein guter Tag zum sterben…. sagen würde- kein Mensch, der so gerne leben möchte…

Ich gehe hinaus in den Garten, setze mich in einen Liegestuhl, mache Musik an , schließe die Augen und wandere in die andere Welt.. Diese fremde, und doch langsam vertraute Welt, in der alles so anders aussieht - tanzende Farbe - keine wirklichen Formen… So langsam lerne ich sie kennen, so langsam wird sie meine nächste, vertraute Heimat - ich wandere zum nächsten Ort.
Doch heute, heute will ich diesen Weg noch nicht weitergehen, diesen Weg, der meiner ist - nur meiner –heute suche ich ihn, meinen Engel, um ihn um Aufschub zu bitten , etwas von seiner Stärke zu erhalten, um mich in diesem freien Fall an einem Vorsprung, an einem Zweig festhalten zu können, damit ich nicht ins bodenlose falle… obwohl…. es ist kein fallen… eher ein steigen… ein hochgesaugt werden- hoch gesaugt in diese andere Welt, in der nicht mehr so sein wird, wie es vorher war.
Er hat meinen Körper wieder verlassen.. Ich habe es längst gespürt.. Warum?.. bin ich stark genug?..und sein Art.. Sie hat sich verändert…sah er mich früher niemals an, so blickt er mir mit fordernden Blicken direkt in die Augen… noch sind sie sanft, aber ich ahne, dass sich noch vieles bei ihm ändern wird.
Und so bitte ich ihn.. Stumm - nur in Gedanken.. Ich bitte ihn um Stärke, um Aufschub.. Ganz nah kommt er.. Ganz nah..ich spüre ihn am ganzen Körper..und dann dreht sich in einer gewaltigen wasserumfluteten Spirale nach oben und verschwindet.

Gib mir Kraft, mein Freund.. Die Kraft, diesen Irrsinn durch zu stehen, die Kraft, dem Leben noch ein bisschen mehr ab zu ringen, als mir zusteht. Ich sehe jetzt so viel, mein Freund, ich erkenne jetzt so vieles mehr und ich danke dir dafür, für dieses großartige Wissen, dass du mir geschenkt hast.. Aber, weisst du… nein, ich bin noch nicht bereit.

Es ist so, wie es ist

Februar 13, 2008

Eigentlich tut alles nur noch weh.. ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll, aber je mehr ich darüber nachdenke, desto leerer und trauriger wird es in mir.. Da baue ich mich auf, da kämpfe ich um mein Leben – versuche, meine Psyche zu stabilisieren – mir nichts anmerken zu lassen.. warum denn eigentlich…

Was für einen Sinn hat es..

Das selbst Betroffene ihr Ego voll austoben…. Ich, ich und noch mal ich.. lernt denn niemand dazu? Wie unglaublich oberflächlich können Menschen denn sein, dass sie negieren, was sie selbst – wenn auch in anderer Form – erlebt haben.. Die Geschichte wiederholt sich ständig…wen wundert es? Die Menschen lernen nicht dazu… oder es sind so verschwindend wenige, dass ich sie an einer Hand abzählen kann…

Dummheit, Ignoranz und Egoismus scheinen der Lebensinhalt der meisten zu sein…Was mir nicht passt, das will ich nicht…ohja, schöne Welt…

Ein kleines Spiel im Internet – ich spiele mit anderen zusammen und werde virtuell angesprochen.. eine freundliches Gegenüber – das tut gut… Irgendwann macht sich das schlechte Gewissen in mir breit.. was tust du diesem Mann an? Seine Vorstellung von dir sind falsch – leider – und ich gebe ihm diesen Link…. Einen Tag herrscht Ruhe.. Nichts wird gesagt – keine Nachricht kommt.

Am nächsten morgen habe ich eine Botschaft: Guten morgen, Sonnenschein, hast du gut geschlafen?

Da wird meine Seele gestreichelt von der Wärme, die da kommt – und für einen Augenblick bin ich wieder ein ganz normaler Mensch, der so gemocht wird, wie er ist. Wie sehr brauche ich diese Freundlichkeit, dass dieser Satz sich in mich eingelebt hat und mir die Kraft gibt, weiter zu machen, weiter zu kämpfen? Wie wenig Zuwendung erfahre ich, dass dieser Satz mich so süchtig macht nach Liebe und Geborgenheit?  Guten morgen, Sonnenschein..

Ich wünsche dir auch einen guten morgen, mein Guter, ich wünsche, das für dich jeder morgen ein guter morgen wird. Ich wünsche mir, dass alle Menschen so miteinander umgehen  - aumann, wie schön wäre das – so unbezahlbar wertvoll… ein Mensch, den ich nie kennen lernen werde, den ich nie sehen werde, der es überhaupt nicht nötig hätte, so freundlich zu sein – und der es aus freien Stücken macht – Ich danke dir –

 

Ein Dankeschön auch an die, die ich im Laufe meiner Erkrankung kennen gelernt habe, die für mich da sind – ich will sie nicht Kleinreden, denn sie sind großartig in alledem, was sie tun, wie sie versuchen, mich aufzubauen. Ich werde weitermachen, natürlich, ich werde kämpfen, ich werde jeden Tag genießen, so gut es geht. Und ich werde immer wieder lernen müssen, dass doch nicht alle so sind, wie ich glaube, dass sie sein müssten, dass ich sie so respektieren muss, wie sie sind, und keiner ist besser oder schlechter…Es ist nicht leicht…

Ich wusste nicht, dass Wölfe weinen können.

Bis zur bitteren Neige?

Februar 4, 2008

Ich bin so müde, so unendlich müde…
Warum kämpfe ich überhaupt, wenn mir nicht alles gegeben wird, was ich brauche? Warum ist es so? Soll ich keine wirkliche Chance bekommen? Oder soll es so sein?
“Warum trinkst du den Kelch immer bis zur bitteren Neige?”
Warum…
Mein kleines Kind sieht mir zu. “Was tust du da?”
Ich schreibe, mein Mädchen.. Ich schreibe uns die Vergangenheit von der Seele….
“Kannst du das? Erinnerst du dich?”
Nein, mein kleines Leben, erinnern tu ich mich nicht… ich spüre nur dem Schmerz in mir… ich schreibe uns den Schmerz von der Seele.. Von unseren Seelen…
“Warum?”
Weil ich dich jetzt mitnehmen will, aus dieser Höhle, in der das Blut von den Wänden tropft…tropf…tropf…tropf… Hinaus will ich dich bringen, dorthin, wo die Sonne scheint, mein kleines Kind.
“Warum?”
Damit du auch wieder lernen kannst, zu lachen, und dich am leben zu erfreuen - damit du deinen Frieden findest.
“Du schreibst jetzt aber nicht über die Vergangenheit.”

Nein, ich schreibe über das hier und jetzt, entstanden aus der Vergangenheit, ich schreibe mir hier und jetzt das Entsetzen von der Seele, damit ich wieder stark werden kann - und das Entsetzen, mein Kind, dort bist du gebunden, du musst dort hinaus. Wie soll ich weiterleben, wenn ich es nicht schaffe, dich dort raus zu holen?
“Es wird mich nicht gehen lassen, hörst du? Wenn ich gehe, dann ist seine Existenzberechtigung nicht mehr gegeben, dann ist es sinnlos für diese Höhle, noch weiter zu sein.”
“Ich will auch nicht hinaus - ich weiß nicht, wie es da draußen ist… sind dort andere Höhlen? Kann ich mich dann wieder verkriechen? In einer schöneren Höhle?”
Willst du nicht bei mit sein? Mit mir zusammen lachen und leben?
Das Kind lacht
“Aber, ich bin doch bei dir, ich bin du, und du bist ich. Wir sind eins, weist du das nicht?”
Dann komm mit mir, mein Kind.
Es sieht mich an. “Ich werde mit dir gehen - wenn die Zeit gekommen ist, werde ich mit dir gehen. Schreibe, schreibe… ich werde lesen und verstehen - und wenn die Zeit gekommen ist, wirst du verstehen:”
Wünsch mir Glück, mein Kind.