Die Ewigkeit

Oktober 3, 2007

Ewigkeit, wer bist du?

Ewigkeit, was bist du?

Ewigkeit, wo bist du?

Ewigkeit, wie bist du?

Gibt es wirklich Antworten auf diese Fragen? Ich stehe davor, wissend, dass ich irgendwann  eintauchen werde in diese Ewigkeit, dass ich ein Teil von ihr werde. Werde ich  es wirklich?

Gekommen sind wir aus dem Nichts, entstanden durch Zufall und gehen werden wir auch.. dorthin, woher wir gekommen sind.. ist dies ein Nichts? Kann das wirklich sein? Woher sollen wir es wissen? Niemand kommt zurück, den Weg, den er gegangen ist, um uns zu berichten.

Und wir sind so weit weg vom natürlichen Leben. Wir haben uns eine Kunstwelt aufgebaut, mit Dingen, die es natürlicherweise gar nicht geben würde. Wir haben die Fähigkeit unseres Gehirns genutzt, Dinge zu entwickeln, die teilweise so abstrakt sind, dass viele von uns sie zwar nutzen, aber nicht wirklich verstehen können. Wir betrügen die Zeit, weil wir Fortbewegungsmittel nutzen, die den Raum kleiner machen, wir betrügen unsere Sinne und lassen uns Dinge vorgaukeln, die so gar nicht existieren, während die Dinge, die wir sehen sollten für uns überhaupt nicht mehr existieren; am Ende betrügen wir uns doch selber und  begreifen überhaupt nicht mehr, wie das Leben wirklich ist. Wir haben die Fähigkeit verloren, zu begreifen, was wir sehen, ja wir haben überhaupt die Fähigkeit verloren, richtig zu sehen. Das, was so notwendig ist, um dieses Leben zu leben, zu begreifen, zu fühlen.

Wie sollen wir da die Ewigkeit begreifen?

Jeder von uns strahlt Energien aus… das ist keine Behauptung, da ist sogar wissenschaftlich belegt…Energien, die von manchen Menschen gesehen werden können, von den meisten nicht, aber von einigen werden sie gesehen, und diese Menschen haben sogar die Fähigkeit, sie richtig auszuwerten und dem Gegenüber richtig zu begegnen. Sie ist da, diese Energie, aber wo bleibt sie, wenn wir sterben, wenn wir diese Art, zu leben, verlieren?

Ist sie um uns? Oder geht sie den Weg in die Ewigkeit? Aber wo ist sie, die Ewigkeit? Was ist sie? Sind wir schon ein Teil dieser Ewigkeit, gefangen in dem Hier und Jetzt, ohne es zu wissen? Könnten wir es wissen, wenn wir unseren Gefühlen, unseren Ahnungen mehr zutrauen würden? Warum haben wir davor so viel Angst? Tagtäglich nutzen wir unsere Gefühle…das kennen wir doch alle, wenn wir einen Menschen auf Anhieb mögen oder nicht mögen… so völlig ohne Grund, aber da hören wir auf sie, auf unsere Gefühle… und Recht haben wir, wenn wir so reagieren, da spüren wir sie, diese so genannte Chemie, diese Energie, die vom anderen ausgeht.

Um mich herum gibt es viel Energie, sehr viel. Ich spüre sie, ich rieche sie, ich atme sie, ich lebe durch sie.

Es fällt mir jetzt nicht leicht, das zu schreiben. Aber nicht zuletzt die Gespräche, die ich in de Radiologie mit meinem Arzt führte, ermutigen mich, diesen Schritt zu gehen.

„Machen Sie sich keinen Kopf darum, was die anderen glauben. Sie wissen es, ich weiß es, und das ist wichtig. Nichts anderes. Unwichtig, was die anderen glauben. Sie leben dadurch.“

Ich glaube.

Die Energie, die mich schützt, die bei mir ist, das, was hier Landläufig wohl als Schutzengel bezeichnet wird, diese Energie sehe ich, nur im Traum, in der Gestalt eines Indianers. Wenn es mir schlecht geht, wenn ich mich allein fühle, kommt er im Traum zu mir, sitzt bei mir… er sieht mich nicht an, er ist nur da. Still und schön und beruhigend.

In einem Bericht weiter unten, da, wo ich mich vorgestellt habe, schreibe ich von dieser dunklen gewaltigen Macht, die zu mir kam, da erste Mal abends, als ich  wach war, da kam er zu mir, dieser Indianer, nahm mich in seine Arme, und trug mich hoch, weg von dem Schmerz, weg von der Angst, dorthin, wo ich mich geborgen fühlte.

Als ich zur bereits zweiten Chemo- wieder ins Krankenhaus musste, als ich wieder gehen konnte, mühselig zwar, aber ich war stolz darauf, ging ich abends hinunter zum Raucherzimmer, um meinem Laster zu frönen. Das Zimmer war leer, ich setzte mich ans Fenster und schaute hinaus ins Dunkel. Und da kam ein Duft, ein unbeschreiblich schöner Duft, der mich warm umhüllte, ich reckte mich, um ihn möglich tief zu atmen, ich sah nach draußen, und sah ihn, den dunkeln Schatten, um mein Spiegelbild herum, gewaltig, stark, sanft; und dann sah ich, wirklich, ich sah, wie der Schatten in mich hinein glitt, ich sah es, ich fühlte es, diese Kraft, diese Wärme, diese Geborgenheit, irritiert stand ich auf. Was war passiert? Was bedeutete es? Ich ging auf die  Station, völlig benommen von dem erlebten, sah einen Krankenpfleger auf mich zukommen, lächelte ihn an… Er blieb stehen. „Mein Gott, wenn ich daran denke, wie Sie hier auf die Station gekommen sind… Sie sind ja das blühende Leben!“

Das blühende Leben…Er hatte mir mein Leben wiedergegeben. Auf Zeit, ich weiß es, aber ausgestattet mit soviel Stärke, mit der unglaublichen Möglichkeit, zu verstehen!!!!! Von da ab konnte ich sehen. Klarer und eindrucksvoller, als ich es bis dahin konnte. Es ist faszinierend, mit diesen Augen zu sehen, diese Augen, die auch die Augen meiner Seele sind. Ich sehe tiefer und klarer, ich verstehe die Menschen, mit denen ich umgehe, wie weit sie auch weg sein mögen so klar, als hätte ich sie bereits jahrelang gekannt. Ich spüre, was sie brauchen, was sie wollen, und ich schaffe es, ihnen gegenüber so aufzutreten, wie sie es sich in diesem Augenblick wünschen, oder wie sie es brauchen. Ich liebe sie, diese Art von Kommunikation, die das Zwischenmenschliche so unendlich viel schöner macht.

Es gab eine Zeit, sie ist noch nicht so lange her, da, wo mein Onkologe mir sagte, ich hätte wahrscheinlich Kopfmetastasen, eine Zeit, in der ich kennen gelernt habe, was wirkliche Todesangst ist. Eine Zeit, in der ich vor Entsetzen noch nicht einmal aus dem Haus gehen wollte, aus Angst, ich würde sterben, ohne meine Lieben zu sehen, eine Angst, in der ich mich von meinem Indianer verraten und verkauft fühlte.

Ich klagte ihn an, meine Kraft war geschwunden, nichts war mehr da.

Er kam, im Schlaf, da kam er wieder zu mir, nahm mich an die Hand –  zum ersten Mal berührte er mich – und führte mich zu einem Berg, der an seiner Spitze im rechten Winkel gebogen war, nach links gebogen war; und da wo, die Spitze aufhörte streckte sich ihm die Spitze eines anderen Berges entgegen…an der Stelle, wo sie sich trafen, genau in der Mitte, da sah ich das Zelt dieses Mannes, der mich dort hineinführen würde. Direkt auf der Mitteder Spitzen, in luftiger Höhe, weit und weich. Ich ging allein hinein, warf mich in warme Kissen, die das Zelt ausfüllten, sah mich um, und wirklich, ich dachte in diesem Moment, dass, wenn es das Ende sei, dass die Ewigkeit wunderschön sein muss.

Er rief mich hinaus… Komm…Ich gehe… fragend sehe ich ihn an…“Du bist willkommen, “ sagt er, „aber du musst nicht bleiben, du kannst kommen und gehen, wie du willst.“

Danke dir – ich danke dir.

„Was ist die Ewigkeit?“, frage ich ihn. „Zeige es mir, bitte.“

Diese Nacht habe ich geträumt. Wir gingen, irgendwo, da wo Berge und Felsen waren, wo viele Farben miteinander harmonisierten, fremd, völlig fremd, aber freundlich, einladend, wir gingen zu einem Felsen, er lehnte mich mit dem Rücken daran, ich entweiche meinem Körper, Sehe mich von außen, sehe, wie er sein Gewand über mich wirft.  Ich erschrecke, ich weiß, wenn er es wiederhaben will, habe ich nichts darunter anzuziehen, dann stehe ich nackt und bloß vor ihm, ich bekomme Angst, ich laufe los und renne in seine Arme, und er nimmt mich, er umarmt mich   und ich wache auf!

Die Ewigkeit, so zeigt sie mir doch!

Ich schlafe wieder ein… ich bin wieder an dem gleichen Ort, sein Gewand wärmt mich, nichts ist mehr schlimm. Er führt mich zu einer Wiege. Ein kleines Baby, ein süßes kleines Baby liegt da, lächelnd im Schlaf. Ich trete näher, will ihm den Schnuller geben, der neben dem Köpfchen liegt, da macht es die Augen auf, lacht mich an, und eine Stimme sagt zu mir: „ Nein, dass musst du nicht, die kleine Karin braucht das nicht.

Ich habe die Wahrheit geschrieben, nichts hinzugefügt und nichts ausgelassen. Ich beginne, zu ahnen, was sie ist, die Ewigkeit, und wo sie ist. Und wenn die Zeit für mich gekommen ist –  das weiß ich – werde ich bereit sein, weil ich alles getan haben werde, was ich tun musste, weil ich dann meine Aufgabe hier erfüllt haben werde.

Und ich werde gerne gehen, weil ich weiß, dass der Kreislauf des Lebens endlos ist, weil wir bereits in der Ewigkeit sind, ein Teil von ihr, und weil wir das Schöne sehen werden, weil wir immer da sein werden.

3 Antworten zu “Die Ewigkeit”

  1. hispace said

    Ich habe Sonja eine Cd besprochen, mit der sie sich in eine Art Hypnose brachte. Da ging es darum, ihre Metastasen im Kopf zu entsorgen;-) Sie ist zum Glück super empfänglich für so was. Sie sagte, dass sie ganz genau merken würde, dass es an einer Stelle nicht klappen würde und darum haben wir eine andere Methode gesucht und gefunden. Sie spürt sich ziemlich gut und hat auch ihren Engel. Mach nur weiter so, ist doch schön, wenn du deinen Indianer hast. Wer es nicht versteht, der soll dir doch den Buckel herunter rutschen.p.s. Ich habe auch ein tolles Verhältnis zu meinen Söhnen.
    Ich nehme mal an, dass du die Kommentare gelöscht hast, die blöden…eigentlich solltest du die lassen….als Abschreckung

  2. Astrid said

    Liebe Karin,
    verleiht nicht gerade dein Wissen um diese Energie, die nicht verloren geht, dir diese Stärke, Zuversicht, Ausgeglichenheit und innere Ruhe? Ich bin überzeugt davon.
    Es lässt sich nicht alles wissenschaftlich belegen, damit haben vielleicht einige Menschen ein Problem. Lass dich von deinem Weg nicht abbringen. Ich bin überzeugt, dass es hier viele stille Leser gibt, die deine Meinung/Erfahrung teilen. Nur die wenigsten trauen sich, sie öffentlich auszusprechen, weil man meistens nur ein spöttisches Lächeln erntet.
    Deshalb mache ich hier gerne einen Anfang. Auch ich habe diese Energie kennengelernt, nicht in Form eines Indianers oder Engels, sondern einfach gefühlt.
    Lass dich von deinem Indianer an die Hand nehmen, egal ob du glücklich oder traurig bist.
    Alles Liebe

  3. 1leben said

    Du hast recht, Astrid, es ist das Wissen um diese Energie, die mich befähigt, so ruhig und ausgeglichen über dieses Thema zu schreiben. Ich habe lange gezögert, ob ich es wirklich schreiben sollte, aber mittlerweile habe ich einige Menschen kennen gelernt, für die dieses Wissen längst zur Normalität ihres Alltags gehört. Ich will es veröffentlichen, damit all diejenigen, die ähnliches erfahren und erleben, wissen, dass es normal ist, und dass sie sich auf ihre Gefühle verlassen können und sollten.

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