Mein Sohn, mein Leben

November 15, 2007

Ich bin müde. Unglaublich müde und erschöpft. Diese Nacht habe ich 13 Stunden geschlafen, und es reicht einfach nicht. Ich möchte mich im Bett vergraben und darauf warten, dass die Kraft wiederkehrt. Ich möchte einschlafen und zu dem Zelt gehen,  dass der Indianer mir bebreitet hat und mich dort einkuscheln in die warmen weichen Kissen, und wissen, dass  ich dort geborgen bin. Endlich geborgen.

 

Es geht nicht, es ist noch nicht soweit. Es gibt noch soviel zu tun. Mein Kind, ich muss dich vorbereiten auf das Leben, ich muss dafür sorgen,  dass du glücklich wirst, dass du selbständig deinen Weg gehen kannst, dass dein Selbstbewusstsein stark genug ist, um dem Unbill dieser Welt stand zu halten. Wie viel Resignation, wie viel Hilflosigkeit lese ich, erfahre ich im Leben. Keine Stärke, kein Selbstbewusstsein, sie klammern sich an Worte, an Vorbilder, weil sie sich nicht vorstellen können, dass sie sich Vorbild genug sein könnten wenn das Selbstbewusstsein stimmt. Wenn es stimmt, dann wird es klar, dass der eigene Wert mit dem der anderen immer gleichgestellt ist – nicht besser, nicht schlechter – dann kann die Kritik besser vertragen werden, weil  es klar ist, dass sie dazu dient, das eigene Verhalten zu überdenken und gegebenenfalls zu korrigieren, das eigene Leben zu überdenken.

Mein Sohn, ich will dir zeigen, wie schön das Leben sein kann, wenn man nicht zu denen gehört, die sich nur darstellen um anderen zu gefallen, deren Selbstbewusstsein sich an dem sozialen Status orientiert. Wo immer du auch stehst, was immer du auch bist… es ist nicht wichtig, was du bist, sondern wie du deine Stellung ausfüllst. Respekt, richtiger ehrlicher Respekt kommt nicht von alleine, du musst ihn dir verdienen; durch ehrliches aufrichtiges Leben.

Ich wünsche mir so sehr, dass ich es noch erleben werde, wenn du dein Abitur machst, wenn die ersten Schritte ins eigene Leben beginnen. Ich wäre gerne eine Ewigkeit zusammen mit dir, um zu sehen, was aus dir wird, möchte so gerne meine schützenden Hände über dich halten, um alles Schlechte ab zu wehren. Ich weiß, es wird nicht gehen. Nicht so, wie wir wollen… Vielleicht werde ich ja doch bei dir sein. In einer anderen Form, in anderer Art und Weise. Was ist das nur für ein Geheimnis, das wir nicht ergründen können? Warum können wir den Tod nicht begreifen? Wie gewaltig ist das, was uns erwartet, dass wir es in diesem Leben nicht erfahren oder erahnen dürfen?

 

Nur eine Teil unsere Gehirns nutzen wir. Nur einen kleinen Teil. Ist das Absicht? Was wäre, wenn wir mehr nutzen dürften? Warum geht es nicht? Geht es nur hier nicht? Werden wir mit anderem Wissen nach dem Tod existieren?

 

Morgen werde ich mal wieder den Gang antreten. Zum HNO Arzt. Die Vermutung liegt nahe, dass ich einen Hörsturz hatte.

 

Die Einschläge kommen immer näher.

5 Antworten zu “Mein Sohn, mein Leben”

  1. hispace said

    Liebe Karin,
    ich wollte Dir nur mitteilen, dass Sonja immer wieder massive Probleme mit ihren Ohren hat. Sie hat herausgefunden, dass es einen Zusammenhang mit einem Medi oder bin mir nicht mehr ganz sicher mir einer Ihrer div. Chemos hat…wäre es nicht möglich, dass das bei Dir etwas ähnliches ist?
    lg Hispace

  2. 1leben said

    ich werde es morgen erfahren, keine angst.. mich hat so schnell nix mehr um…

  3. Jetzt sitze ich hier und wollte eigentlich schreiben, kann aber nicht so richtig den Weg finden.

    Ein geliebtes Kind aufwachsen zu sehen, es mit Zuwendung und viel Liebe zu versorgen, um es dann irgendwann in die Welt zu schicken, ist für die meisten das normalste der Welt, und doch ist es so wichtig, wie nichts anders. Das habe ich am eigenen Leib erfahren müssen.

    Ich wünsche Dir von Herzen, dass sich Dein Wunsch erfüllt, Dein Kind solange wie möglich mit Deiner Fürsorge zu umgeben.

    Vielleicht schreibst Du Deine Emotionen für ihn auf – oder noch besser – sprich es auf ein Band, damit er später, wenn er es verstehen kann, weiß, was er Dir bedeutete.

    Ich hoffe, Dir geht es nicht allzu schlecht !
    Liebe Grüße

  4. Inge-Marie Hagge / ayla42 said

    … Hallo …

    … nehme dich in den Arm … halte dich … einfach so …

    … weiss was du fühlst … welche Gedanken da sind … und doch möchte ich dich bitten … denke nicht an den Krebs … lass sich die Ärzte um deine Krankheit kümmern … denke nicht an sie … lebe!! … das Leben ist herrlich … geniesse … den Tag … deinen Sohn … die Arbeit … jede Kleinigkeit des Tages … das Leben ist herrlich …

    … meine Tochter ist 18 … sie fängt im August an zu lernen, zieht in die Stadt, wo sie lernt … mein Sohn ist 7 … hat gerade die 1. Klasse hinter sich …

    … ich habe Brust- und Knochenkrebs … sagen die Ärzte … ich – für mich bin gesund! … ich denke so … ich lebe so … ich habe ein Fernstudium begonnen … habe so viel an mir festgestellt, was ich kann … wo ich aber noch lernen muss … ich würde dir gerne helfen …

    … möchte dir etwas empfehlen, wenn ich darf … *lach … mach ich einfach … „The Secret“ von Rhonda Byrne …

    … und hast du mal vom Freundeskreis Bruno Grönings gehört … ich weiss, dass es in Kiel einen gibt … es ist keine Sekte, kostet nichts, scha es dir mal an, spüre es mal … habe ich auch einfach gemacht … es tut gut … auch und weil ich weiss, dass diese Heilkraft existiert … ich habe es erfahren und gegeben … schon bevor ich den Freundeskreis kennenlernte …

    … in Freenet habe ich ein öffentliches Tagebuch … einfach ayla42 goggeln … denke klappt so auch …

    … wenn du magst … meld dich einfach …

    … hey … dein Chef ist ein toller Mensch, grüss ihn lieb …

    glg I.M.

  5. 1leben said

    naja.. diesen Freundeskreis.. ich weiß nicht. Ich habe es schon öfter erfahren, dass krebskranke Menschen, die an eine Heilkraft glauben, bei lebendigem Leibe verfault sind. Es ist ein elendiger Tod, glaub mir. Meine Selbstheilungskraft habe ich, und nutze sie, aber wirklich nur zusammen mit dem Können der Ärzte.

    Und einen Chef habe ich nicht. Ich bin selbständig – wie immer du auch auf einen Chef gekommen bist;)
    Aber luschern werd ich mal bei dir, versprochen.
    Karin

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