Es wäre nicht meine Geschichte, wenn ich es verleugnen würde, wenn ich vergessen würde, wie mir als erstes den Krebs in den Körper gepflanzt wurde. Nur eine kleine Episode ist es, ein kleiner Teil in meinem Leben – traurige neun Monate Leben.

Einmal im Jahr – nein, jedes Jahr, da kommt sie hoch, die Erinnerung an ein kleines Wesen, mit dem ich zusammen war, mit dem ich gespielt habe … gespielt, ja ich habe damals gespielt – und ich habe damals verloren, ein hoher Verlust, der mich zerrissen hat, bis tief ins innerste. Von da an hat nichts mehr wirklich weh getan.

Warum habe ich es getan? Warum habe ich diese Kind ausgetragen? Weil ich dickköpfig war? Weil ich das Leben in mir spüren wollte? Weil mir die Ärzte damals sagten, ich könne nicht schwanger werden? Weil der Vater dagegen war? Es war wohl alles zusammen, das mich gezwungen hat, durch diese Hölle zu gehen , ja durch diese Hölle, denn wenn es eine Hölle gibt, dann habe ich sie durchlebt – damals – und jedes Jahr wieder und wieder.
Im 6. Monat, da bin ich zu einem Frauenarzt gegangen – nicht zu meinem, nein, es sollte jemand sein, den ich nie wieder sehen würde, weil ich ahnte, dass es grausam werden würde. Ein Mädchen wird es wohl , sagte er – oder ein ziemlich schlauer Junge, weil man das Geschlecht nicht erkennen kann, aber eher ein Mädchen…

Es war eine herbe haltlose Zeit – ich war aus Norwegen wieder gekommen – hatte dort gearbeitet, weil mir mein Internist, als er die Colitis Ulcerosa diagnostizierte, sagte, sie wäre so extrem weit fort geschritten, mehr als ein Jahr gäbe er mir nicht mehr.. soweit zu den Prognosen… Ich warf mein Studium fort und lief weg.
Und jetzt war ich wieder in Deutschland – schwanger – mit der Darmentzündung – aber, es war länger als ein Jahr seit der Diagnose – und ich lebte.
Da saß ich nun, kaum Geld zum Leben – es gab Tage, da hatte ich nichts zu essen – aber ich hatte mein Kind, mein Mädchen, und ich spielte mit ihm, ich sang ihm Lieder vor, erzählte ihm von der schönen Welt, die es sehen würde….Und mein Kind lachte und drehte sich in meinem Bauch, lies sich die Füsschen kitzeln, strampelte munter herum und kuschelte sich im Schlaf glücklich an mich. Ich möchte schreien, wenn ich daran denke, noch immer tut es so weh, weil es war so unglaublich schön war…

Viel zu spät setzten die Wehen ein , tagelang muss ich jeden Tag ins Krankenhaus zur Kontrolle….heftig und ungleichmäßig. Ich fuhr mit einem Taxi zum Krankenhaus – alleine – nur mit meinem Kind im Bauch fuhr ich los – und die Wehen kamen, und mein Darm fing an, dumpf zu drohen…

Das Fruchtwasser spritzt heraus, ich werde in den Kreißsaal gefahren, ich alleine… die Wehen setzten ein … setzten aus…. ein.. aus.. ein.. aus. Nach 12 Stunden ging nichts mehr, gar nichts mehr. Sie drehten ein Laken und preßten über meinen Leib, sie preßten das Kind nach unten, zum Ausgang – mein Kreislauf brach zusammen, mein Darm riß, Ärzte kamen herbeigelaufen. Ich kann vor Erschöpfung nicht mehr schreien …nichts ging mehr.. plötzlich war alles dunkel….und ich war so entsetzlich alleine.

Sie haben mich dann auf eine gynäkologische Abteilung verlegt, damit ich keine Mütter mit anderen Kindern sehen mußte. Dort lag ich eine Woche. Eine Woche, in der ich mich vor Krämpfen krümmte, weil mein Darm entsetzlich schmerzte , eine Woche, in der ich jegliche Nahrung verweigerte. Ich verweigerte auch jede Behandlung, ich wollte nicht mehr leben. Ich wollte wirklich nicht mehr leben…es gab keinen Grund zu leben – ich war so alleine….warum, warum nur war ich so stark?

Zu Hause mühe ich mich die Treppen hoch, öffne die Tür und schleiche in die Wohnung… sie ist so leer…so grausam leer und still. Ich kann die Tränen nicht stoppen, es geht nicht, sie laufen und laufen , der Schmerz schießt mir in den Leib. Endlose Tage sitze ich weinend auf einem Stuhl, endlos früh am morgen reißt es mich aus dem Bett vor Schmerzen, und ich ziehe mich an und laufe durch die kalte, dunkle Gegend und hoffe nur auf Linderung, auf Erlösung von dem leiden.. Nichts kann mich schrecken, jedermann ist willkommen, wenn er mich nur vom Leiden erlöst.
Aber es kommt niemand – ich bin vollkommen alleine…

Ich weiß nicht mehr, wann ich wieder ins Krankenhaus ging, das die Schmerzen nicht mehr kontrollierbar waren – ich habe keine Ahnung mehr von der Operation, von den Menschen dort. Ich weiß nicht, wie sie sich mir gegenüber verhalten haben. Einfühlsam, denke ich mal – mit Sicherheit freundlich – ich weiss, das der Arzt davon sprach, dass erste bösartige Veränderungen in meinem Darm gefunden wurden – noch rechtzeitig, wie er sagt – ich brauche keine Chemo. Das berührt mich alles gar nicht , das nehme ich so hin – rechtzeitig – schade eigentlich…

Eine Krankenschwester gibt mir zum Abschied noch einen Rest des starken Schmerzmittels mit – ich nehme an, dass es Morphium war, denn als das Fläschchen leer ist bekomme ich entsetzliche Entzugserscheinungen. Tagelang sitze ich da und zittere, der kalte Schweiss läuft mir übers Gesicht. Aber es berührt mich nicht wirklich .Ich habe mein Kind verloren.
Am 05. März 1991 habe ich mein Kind verloren.

Einen kleinen Jungen habe ich verloren… Vielleicht bin ich ja deshalb noch nicht durchgedreht, weil es ein Junge war… weil ich mich ja um ein Mädchen gekümmert hatte…
Mein Kind… mein kleines, wunderbares Kind

Schöne weite Welt

Juni 22, 2008

Leicht… es ist wirklich nicht leicht, das alles so auf zu schreiben, was ich fühle, wie ich denke, was ich meine. Nicht, dass ich unfähig wäre, so zu artikulieren, dass der Leser es kaum versteht, nein – ich frage mich, was mich dazu bewegt, dies alles zu veröffentlichen.
Teilweise wohl auch wegen der Suchbegriffe, unter denen meine Homepage gefunden wird – sie hauen mich manchmal wirklich aus den Latschen:

Sohn befummelt Mutter…
Mutter verführt Sohn …
ich mit Schwester in einem Bett und habe…
Onkel befummelt mich…
Geile Göre verführt Onkel…
Sex mit einer Krebskranken..

geile mutter verführt sohn geschichten….

Wirklich, auf das alles wäre ich nu im Leben nicht gekommen, aber, wer weiss zu was es gut ist…. Vielleicht hat es ja so einigen die Augen geöffnet, denn unter den gleichen Begriffen wurden meine Beiträge über Monate hinweg verfolgt. Witzig…. irgendwie….
Nur, irgendwann wurde es ihnen wohl zu langweilig – nix Sex – nix crime – naja, für solche Menschen möchte ich auch nicht wirklich unter den top ten sein 😉

Ich lerne einen Fotografen kennen. Perser ist er – nicht Iraner sondern Perser – darauf besteht er. Im laufe der Zeit habe ich viele Frauen und Männer aus diesem Land kennen gelernt, und jedenfalls für mich, eine Regelmäßigkeit aufgestellt: Je höher die Bildung, desto deutlicher beharren sie darauf, aus Persien zu kommen. Haut auch irgendwie ihn – schließlich wurde ja während der Islamischen Revolution die Intelligenz aus dem Lande gejagt, und wer nicht verjagd oder getötet wurde, der floh vor diesem Terror.
Der Fotograf war geflohen – geflohen in einer Nacht – und Nebelaktion, ziemlich spontan, nämlich genau dann, als ihm der alte Mann über den Weg lief, und ihm die Richtung wies, in die er laufen sollte. S O F O R T laufen sollte. Der alte Mann, der immer dann auftauchte, wenn Gefahr im Verzug war, der ihm mehr als nur einmal das Leben gerettet hatte.

(… jetzt will ich nicht wissen, wie viele Iraner sich bald hier empört melden werden… Lügnerin!!! Stimmt nicht, alles Lüge!!!!! Nieder mit der Ungläubigen!!! …Irgendwie kann ich mir jetzt das Lachen kaum verkneifen…)

Er zeigt mir Fotos, die er gemacht hat , solche Fotos habe ich noch nie zuvor gesehen – sie sind einmalig in ihrer Art – unglaublich schön sind sie.
„Du holst ja die Seele aus ihnen heraus“ völlig verblüfft sehe ich ihn an. Er lächelt – nein, sagt er, nein, ich fotografiere sie nur so, wie sie sich selbst sehen wollen.

Aaaaaaaaaaha…. klar….logisch….hätt jetzt von mir sein können…

„Wenn ich auf die Straße gehe,“ sagt Sch. zu mir, „dann sehe ich die Menschen anders als ihr. Ich sehe, wie sie Säcke hinter sich herziehen – große, und kleine – und darin ist die Mühsal in ihrem Leben, die sie so grau und nichtssagend erscheinen läßt.
Wenn sie dann in mein Studio kommen, oder wenn ich sie in Ihrer Wohnung fotografieren soll, dann lasse ich sie diese Mühsal vergessen und lasse sie sich so bewegen, dass sie durch dieses Bewegen für einen kurzen Augenblick ihre Säcke unwillkürlich ablegen, dass sie für einen kurzen Moment wirklich so schön sind, wie sie sein könnten – ohne ihre Last.

Muss wohl – solche Bilder – in meinem ganzen Leben habe ich keine so schönen Fotos gesehen…

Wieso hast du mir das jetzt gesagt? – Ich bin etwas verblüfft. Das ist ziemlich unglaublich, was du da beschreibst. – ja, sagt Sch. – aber ich weiss, dass du es verstehst.

Ich denke, es ist wohl jedem Leser – zumindest denen, die das hier nachvollziehen können und wollen – verständlich, dass mein Bekanntenkreis nicht unbedingt nur aus den netten Typen von nebenan besteht. Viele, sehr viele von ihnen haben Fähigkeiten, die über das normale – nö, falsch – über das durchschnittliche hinaus gehen. Und keinem von ihnen würde es einfallen, mit Menschen darüber zu reden, von denen sie fühlen und wissen, dass diese sie als spinnert bezeichnen würden. Hat’s genug von diese Typen… und mit Ignoranten zu streiten, ist ein Kampf gegen Windmühlen.

Merkwürdige Spezies, diese Menschen. Sie glauben an einen Gott, in welcher Weise auch immer, an etwas, was sie niemals gesehen haben und niemals sehen werden, ein Phänomen, das rein logisch nicht zu erklären ist, aber sie machen sich lustig über diejenigen, die eine andere Sicht der Dinge haben, die mehr oder anders sehen – ihnen verweigern sie glatt das, was sie für sich in Anspruch nehmen. Ihnen verweigern sie den Glauben und das Wissen.
Warum?
Ich denke, die einfachste Erklärung hierfür ist ein kleines Wort : man
In dieser Welt, in der ich lebe, in der viele Freunde von mir leben, in dieser Welt gebt es das Wort „man“ nicht. In dieser Welt, da steht jeder selbst für die Meinung ein, die er vertritt. Da versteckt sich niemand hinter Plattitüden  http://de.wikipedia.org/wiki/Plattit%C3%BCde  , die deutlich zeigen, wie wenig Selbstbewußtsein sie haben, die meisten Mitmenschen hier auf unsrer Erde.

Tut mir mal einen Gefallen – versucht es einen Tag lang , ganz bewußt auf dieses Wörtchen man zu verzichten und ersetzt es durch die Worte, die genau das sagen, was ihr meint.
Nicht : man tut das nicht, sondern : Ich will das nicht
Nicht: das sollte man schon erwarten können, sondern : ich will es so haben

Und so weiter und so weiter. Wenn ihr das schafft, denn dann werdet ihr erfahren, dass euer Gegenüber Dinge, die getan werden , euch zuliebe macht – weil ihr es wollt.

Na? Ist das nicht ein tolles Gefühl?

Irgendwann werdet ihr begreifen, dass die Welt, so, wie ihr sie seht, nicht die Welt ist, in der wir leben. Vieles gibt es – wirklich, viel zu viel, was wir mit unserem kleinlichen Verstand gar nicht aufnehmen wollen oder können. Aber vieles gibt es auch, was wir erkennen können, wenn wir es nur wollten.
Habt doch einfach die Grösse, gebt uns die Freiheit unserer Gedanken und unseres Wissens – und wenn ihr sie nicht verstehen könnt, dann respektiert sie wenigsten.

Da sitze ich bei meinen neuen Onkologen, wie ein Häufchen Unglück, begreife absolut nicht wirklich, was da alles abläuft, und höre, wie der Arzt sagt: Falsche Chemo- – unzureichende Therapie… können wir erstmal nicht umstellen, da macht die Krankenkasse nicht mit….

Er schickt mich wieder zum Radiologen – der soll entscheiden, ob noch mal bestrahlt werden kann.

Nö – geht nicht mehr…nichts geht mehr. Die Metastasen sind dort wiedergekommen, wo sie schon waren, wo sie schon bestrahlt wurden. Da kann nicht mehr bestrahlt werden. Und nu??

Tja.. irgendwann wird Ihr Oberschenkel zerbrechen – der Gammanagel kann nicht alles stützen, und dann brauchen Sie eine Krebsprothese. Die anderen, neuen Metastasen sind nicht soweit, dass sie diesen Schmerz verursachen könnten. Toll – hört sich nach Amputation an…

Meine Therapie wird umgestellt, nicht mehr alle 3 Wochen, sondern jede Woche, damit das Herceptin möglichst gleichmäßig wirkt. Irgendwie bin ich eigentlich gar nicht mehr bei mir.

Dem Onkologe aus dem Krankenhaus – dem kann ich nicht böse sein – immerhin hatte er die Größe, seine Unzulänglichkeit zuzugeben – und er hat mir damit das Leben gerettet.

Meine Nerven spielen verrückt. Und die Schmerzen werden immer stärker.. Mein Oberschenkel fängt an, zu schlackern, fast wie zu der Zeit, da ich noch nicht behandelt wurde. Das Bein schwillt an, ich würde sagen synchron zu meiner Panik, die ich absolut nicht mehr unter Kontrolle kriege. Der Onkologe sieht sich alles an… Plötzlicher Gewichtsverlust – 12 kg in 2 Wochen – ein Perikarderguss taucht bei der üblichen Herzuntersuchung auf, nur eine Thrombose hab ich nicht (schön… sehr schön)….Er redet von Chemo- – Leber überprüfen…Eine starke Krebsaktivität an meinem Schädel ist zu erkennen… so richtig kriege ich das alles nicht mehr mit, es ist nur noch ein böser Traum…

Eine zweite Herzuntersuchung zeigt: kein Perikarderguss mehr, aber eine Herzinsuffizienz.

Zu Hause ist die Angst auch nicht mehr zu kontrollieren. Alles läuft an mir vorbei…

Lange, lange dauert es, bis die Ergebnisse da sind. – Aber es ist die Erlösung – sie sterben, diese Monster – und vor dem verknöchern bäumen sie sich noch mal auf, weiten sich auf, drücken mir auf die Nerven in der Wirbelsäule, breiten sich in der Hüfte und im Oberschenkel aus, verformen meine Rippen etwas, strahlen  symmetrisch über meinen Schädel – und das bereitet natürlich Schmerzen. – Klar.

Aber das nehme ich so hin – sehr gerne sogar.

Ich müsste lügen, wenn ich sage, dass es mir so gut geht, als wäre ich gesund.

Natürlich habe ich Blessuren abbekommen, natürlich muss ich mich einschränken. Es ist mir fast unmöglich, längere Zeit zu gehen – aber eigentlich müsste ich jetzt schon im Rollstuhl sitzen- Ich nehme Morphium, um die Schmerzen zu kontrollieren – muss sein – ich bin kein Märtyrer – nicht freiwillig…

Mein linker Arm wird auch immer tauber – ist aber kein neuer Schlaganfall – Mensch, was will ich mehr? – Die Metastasen drücken halt auf die Nerven…

Abend, so ab 20 Uhr haut es mich um, dann geht nix mehr, in der Regel. Was will ich denn erwarten? Ich lebe, und ich lebe nicht schlecht! Ich kann ja kaum erwarten, dass alles wieder in Ordnung ist – wo gehobelt wird, da fallen Späne, gelle?

Tatsache ist, dass ich bisher aus jeder Norm herausfalle, dass nach Erfahrungswerten Patienten, bei denen die Metastasierung so weit fortgeschritten war, nicht länger als ein halbes Jahr gelebt haben.

Was will ich denn mehr?

Vielleicht ein bisschen mehr Verständnis für meine Situation – nicht immer diesen idiotischen Unglauben.. kann doch nich sein…Einfach mal hinnehmen, dass alles tatsächlich so ist, wie es ist, und nicht immer versuchen, mich in irgendwelche Schubladen zu pressen… Dieses hübsche dämliche Spielchen, das anscheinend so gerne betrieben wird. Kenn ich nicht, gibt es nicht…

Doch… gibt es…

Lange, lange war es her, dass ich etwas geschrieben habe – eine ereignisreiche lange Zeit, in der ich weder die Zeit, noch die Kraft hatte, die Ereignisse zu formulieren, die auf mich einbrachen, in einer Geschwindigkeit, dass es mir den Atmen nahm, dass ich meinte, an frischer Luft ersticken zu müssen.

Es begann ungefähr einen Monat nach meiner ersten Hauptuntersuchung. Die Ergebnisse wurden anscheinend nur mir mitgeteilt – so fühlte es sich zumindest an – denn in meiner Onkologie zeigten sich keinerlei Anzeichen dafür, das Gesprächsbedarf war.

Bei der ct teilt man mir mit, dass ich Lungenmetastasen habe, dass meine Wirbelsäule mehrere neue Metastasen zeigte – Aber , eine direkte Frage an den Onkologen gestellt, wird mir mitgeteilt, dass das nichts dramatisches sei – dass dies auch nichts an der Therapie ändern würde

…….Nix……….

Ich bölke mir in dieser Zeit die Lunge aus dem Leib

……macht nix………

Ich habe einen Termin beim Radiologen – Nachkontrolle – Er sucht in meinen Unterlagen, nachdem er sich meine Version der Ereignisse und meinen Husten angehört hat. – Im Laufe der nächsten 5 Minuten (gefühlt, nicht tatsächlich ;)) müssen wir beide erkennen, dass nicht ein einziger, der mich behandelnden Ärzte – nicht einer!!! – vollständige Unterlagen über meinen Krankheitsverlauf hat. Wir sind beide wie vom Donner gerührt, und ich denke, meine sprachlose Fassungslosigkeit, mein Unvermögen, in dieser Situation noch die richtigen Worte zu finden, wo ich ja noch nicht einmal begriffen hatte, was für Auswirkungen bei mir bedeuten könnte, da muss er wohl emphatisch meinen tiefen Schmerz gefühlt haben, da bat er mich dringlichst, meine Onkologen zu verlassen und in ein entsprechendes Brustkrebszentrum zu gehen

??????????? W A S ????????????

Aber ich bin doch in einem Brustkrebszentrum!!!!

Nein, Sie sind in einer Allgemeinonkologie, die wohl auch eher in der Blutkrebsforschung führend ist. – Der Leiter hat einen ungehörigen Drang, auch in der Brustkrebsforschung zu arbeiten – obwohl er sowieso der Meinung ist, dass jeder Brustkrebs gleich ist – entsprechend wird auch jeden Brustkrebs gleich therapiert.

Bei der nächsten Therapiesitzung möchte ich meinen Onkologen sprechen – völlig unmöglich – waren es an normalen Tagen 4 Ärzte auf ca. 200 Patienten – so war an diesem Tag nur mein Onkologe für alle Patienten da. Ein Gespräch war da völlig ausgeschlossen. Am nächsten Tag rufe ich ihn an und sage ihm in sehr höflichen, aber bestimmten Ton, dass ich mich bei ihm nicht mehr sicher aufgehoben fühle – er ist gekränkt, kurz angebunden – wir legen auf.

Beim nächsten Termin bietet er mir von sich aus einen Termin an, und bittet mich, diesen doch wahr zu nehmen …. Ja, klar – ziehen wir einen Strich, so oder so… –

Als wir uns zu diesem Termin sehen spüre ich deutlich die von ihm ausgehende Unsicherheit. Das ändert die Lage ganz gewaltig – jetzt ist er nicht mehr der Entscheidende, Bestimmende – das bin ich jetzt…. Und das schöne ist – er weiß es nicht….

Ruhig und sachlich teile ich ihm mit, dass jetzt noch eine chronische Blasenentzündung Dauergast werden würde… das reicht, seine Fassung ist hin, und mit freundlicher, subtiler Unterstützung von mir – gibt er zu, dass diese Abteilung für mich überhaupt nicht richtig ist, dass ich ständige Überwachung und eine Stelle brauche, die mir dies auch garantieren kann, schreibt mir eine Adresse auf …. Und zum Schluss….. zum Schluss nähert er sich mir noch einmal vertraulich und flüstert mir zu:

Ich schreibe jetzt einen Abschlussbericht – ich habe mir ihre Unterlagen einmal angesehen –

SIE HABEN WIRKLICH MEHR METASTASEN BEKOMMEN; DASS KONNTE MAN DEUTLICH ERKENNEN

Gönnen wir uns eine Pause, die ich damals nicht erhalten habe – es geht bald weiter…..