Kann alles passieren, die zweite..

Juni 10, 2008

Da sitze ich bei meinen neuen Onkologen, wie ein Häufchen Unglück, begreife absolut nicht wirklich, was da alles abläuft, und höre, wie der Arzt sagt: Falsche Chemo- – unzureichende Therapie… können wir erstmal nicht umstellen, da macht die Krankenkasse nicht mit….

Er schickt mich wieder zum Radiologen – der soll entscheiden, ob noch mal bestrahlt werden kann.

Nö – geht nicht mehr…nichts geht mehr. Die Metastasen sind dort wiedergekommen, wo sie schon waren, wo sie schon bestrahlt wurden. Da kann nicht mehr bestrahlt werden. Und nu??

Tja.. irgendwann wird Ihr Oberschenkel zerbrechen – der Gammanagel kann nicht alles stützen, und dann brauchen Sie eine Krebsprothese. Die anderen, neuen Metastasen sind nicht soweit, dass sie diesen Schmerz verursachen könnten. Toll – hört sich nach Amputation an…

Meine Therapie wird umgestellt, nicht mehr alle 3 Wochen, sondern jede Woche, damit das Herceptin möglichst gleichmäßig wirkt. Irgendwie bin ich eigentlich gar nicht mehr bei mir.

Dem Onkologe aus dem Krankenhaus – dem kann ich nicht böse sein – immerhin hatte er die Größe, seine Unzulänglichkeit zuzugeben – und er hat mir damit das Leben gerettet.

Meine Nerven spielen verrückt. Und die Schmerzen werden immer stärker.. Mein Oberschenkel fängt an, zu schlackern, fast wie zu der Zeit, da ich noch nicht behandelt wurde. Das Bein schwillt an, ich würde sagen synchron zu meiner Panik, die ich absolut nicht mehr unter Kontrolle kriege. Der Onkologe sieht sich alles an… Plötzlicher Gewichtsverlust – 12 kg in 2 Wochen – ein Perikarderguss taucht bei der üblichen Herzuntersuchung auf, nur eine Thrombose hab ich nicht (schön… sehr schön)….Er redet von Chemo- – Leber überprüfen…Eine starke Krebsaktivität an meinem Schädel ist zu erkennen… so richtig kriege ich das alles nicht mehr mit, es ist nur noch ein böser Traum…

Eine zweite Herzuntersuchung zeigt: kein Perikarderguss mehr, aber eine Herzinsuffizienz.

Zu Hause ist die Angst auch nicht mehr zu kontrollieren. Alles läuft an mir vorbei…

Lange, lange dauert es, bis die Ergebnisse da sind. – Aber es ist die Erlösung – sie sterben, diese Monster – und vor dem verknöchern bäumen sie sich noch mal auf, weiten sich auf, drücken mir auf die Nerven in der Wirbelsäule, breiten sich in der Hüfte und im Oberschenkel aus, verformen meine Rippen etwas, strahlen  symmetrisch über meinen Schädel – und das bereitet natürlich Schmerzen. – Klar.

Aber das nehme ich so hin – sehr gerne sogar.

Ich müsste lügen, wenn ich sage, dass es mir so gut geht, als wäre ich gesund.

Natürlich habe ich Blessuren abbekommen, natürlich muss ich mich einschränken. Es ist mir fast unmöglich, längere Zeit zu gehen – aber eigentlich müsste ich jetzt schon im Rollstuhl sitzen- Ich nehme Morphium, um die Schmerzen zu kontrollieren – muss sein – ich bin kein Märtyrer – nicht freiwillig…

Mein linker Arm wird auch immer tauber – ist aber kein neuer Schlaganfall – Mensch, was will ich mehr? – Die Metastasen drücken halt auf die Nerven…

Abend, so ab 20 Uhr haut es mich um, dann geht nix mehr, in der Regel. Was will ich denn erwarten? Ich lebe, und ich lebe nicht schlecht! Ich kann ja kaum erwarten, dass alles wieder in Ordnung ist – wo gehobelt wird, da fallen Späne, gelle?

Tatsache ist, dass ich bisher aus jeder Norm herausfalle, dass nach Erfahrungswerten Patienten, bei denen die Metastasierung so weit fortgeschritten war, nicht länger als ein halbes Jahr gelebt haben.

Was will ich denn mehr?

Vielleicht ein bisschen mehr Verständnis für meine Situation – nicht immer diesen idiotischen Unglauben.. kann doch nich sein…Einfach mal hinnehmen, dass alles tatsächlich so ist, wie es ist, und nicht immer versuchen, mich in irgendwelche Schubladen zu pressen… Dieses hübsche dämliche Spielchen, das anscheinend so gerne betrieben wird. Kenn ich nicht, gibt es nicht…

Doch… gibt es…

Eine Antwort zu “Kann alles passieren, die zweite..”

  1. hispace said

    Hi,
    deine Story erinnert mich sehr an Sonja, auch bei Ihr haben immer wieder Unterlagen gefehlt und es gab X-Fehlinfos. Am Schluss hat Sie Ihre Unterlagen selber verwaltet. Das Schlimme ist doch, dass Du als Patient nicht nur mit der Krankheit umgehen, sondern dass zu allem auch noch Haare auf den Zähnen bekommen musst, um nicht umgebracht zu werden.
    Alles Liebe Hispace

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