Die Wechseljahre

November 17, 2008

Was für ein Leben… da haben wir gelernt – haben einen Beruf – naja… hoffentlich (oder wenigsten einen Job)…haben die so genannten wilden Jahre hinter uns gelassen…. sollten mit beiden Beinen mitten im Leben stehen – und da erwischt es uns – die Wechseljahre – diese Zeit, in der uns plötzlich klar wird, dass wir unser Leben nicht wirklich gelebt haben – dass da noch etwas fehlt. Wir wissen nicht, was es ist, aber wir fangen an, zu suchen – nach dem Sinn.

Und statt in der Gegenwart zu suchen blättern wir in unserer Vergangenheit. War das nicht schön, damals? Da waren wir jung, da haben wir gelebt – und es war früher viel besser – viel besser…

Aber was ist denn dann falsch gelaufen in diesem Leben – wenn die Jungend so schön war? Haben wir die Schönheit nicht erhalten? Und wenn sie schrecklich war – warum haben wir dann nicht dafür gesorgt, dass es besser wurde? Denn das haben wir nicht – sonst wären sie nicht da… die Wechseljahre mit all ihren Zweifeln – mit ihren Irrungen. Irgendwie sieht es fast so aus, als ob wir nichts in unserem Leben gemacht haben, was wir eigentlich hätten tun können… aber was?

Meine allererste Kundin – eine gestandene Frau Ende 50 – sie war faszinierend…Sie hatte keinerlei soziale Absicherung, verdiente sich als Scheinselbständige ihr Geld. Genauer gesagt, sie war Verkäuferin in einem großen Kaufhof. Der Umsatz wurde vorgegeben – natürlich so hoch, dass er nie erreicht werden konnte – das gab Ende des Jahres Abzüge von der Pauschale, die monatlich ausgezahlt wurde – die Krankenversicherung musste von ihr selbst getragen werden… es gab keinen bezahlten Urlaub… Alle 2 Jahre zog sie um, weil die Wohnung zu teuer wurde… und trotzdem – sie war zufrieden mit ihrem Leben. Wechseljahre – klar, sagte sie, musste sie wohl schon gehabt haben. Aber Schweißausbrüche, Depressionen, Stimmungsschwankungen… das Gefühl, etwas verpasst zu haben – nein, das hatte sie nie gehabt. Stundenlang konnte ich ihr zuhören, wenn sie erzählte – von ihrer Vergangenheit, in der sie umhergewandert war… ruhelos – dachte ich damals – aber nein, sie war nicht ruhelos. Sie hörte auf ihre innere Stimme – auf ihren Bauch – und ging ihren Bedürfnissen nach – so, wie sie kamen. Sie trägt den gleichen Vornamen wie ich – wer weiß…

Als mein Onkel von diesen Wechseljahren erwischt wurde kam ihm der geniale Gedanke, dass Vogelfutter, sprich Körner die einzig wahre Nahrungsquelle seien. Mit Sicherheit hatte er irgendeinen wissenschaftlichen Beitrag gefunden, der ihn in seiner Meinung bestärkte… Die gesamte Familie legte immer sehr viel wert auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Das merkte ich immer daran, dass sich irgendetwas im Haus grundlegend änderte. Naja…. Jedenfalls war mein Onkel konsequent. Er mümmelte die Körner solange, bis seine Gesichtszüge wirklich fatalerweise an einen Geier erinnerten. Da mein Onkel aber ein entschiedener Frauenheld war und die Damen dieses Äußere nicht wirklich attraktiv fanden, entschied er sich, diesen wissenschaftlichen Beitrag aus seinem Leben zu streichen – kramte nach einer neuen Erkenntnis und fing an, seinen Bedarf mit Müsli (und einem Hund – der wahrer Mann hat einen wahren großen Hund)zu decken. Ok , wenn es ihn glücklich gemacht hat…

Damals, als ich von der Intensivstation auf die normale Krankenstation kam, das sagte ein Arzt zu mir: „Wir haben Sie in die Wechseljahre geschickt“. Aha… ich war gespannt, was kommen würde – es kam nichts… einfach nichts… keine Hitzerwallungen, keine Stimmungsschwankungen – und schon gar nicht der Wunsch, noch einmal jung zu sein – es noch einmal versuchen zu dürfen. Nein – warum? Diese Zeit ist nicht meine Zeit, nicht die Zeit, in der ich aufgewachsen bin – die ich niemals so verstehen könnte, wie ich sie früher verstanden habe. Ich habe sie gehabt – ich habe sie voll ausgekostet – in guten Zeiten wie in schlechten, und das tut gut. Diese Erfahrungen möchte ich im Leben nicht missen – in diesem Leben – das mich zu dem gemacht hat, was ich bin. Ich bin zufrieden damit, ich habe daraus lernen dürfen – und es war nicht wenig…

Mein Leben – dieses eine Leben, es ist so unendlich kostbar – so kostbar wie jedes andere Leben auch – ich liebe mein Leben und ich werde die 30 Jahre, die ich noch vor mir habe mit allen Sinnen genießen – jeden Tag werde ich etwas neues sehen, etwas neues lernen, etwas neues fühlen, etwas neues erkennen, und darauf freue ich mich. Es ist mein Leben – nur für mich – nicht um anderen zu zeigen, wie großartig ich bin – dass könnten wir alle sein… nicht, um Gleicher unter Gleichen zu werden… ich weiß nicht mehr, wer es gesagt hat:

Der Mensch ist bei der Geburt ein Unikum und am Ende seines Lebens eine Kopie

Nein, Nein… ich bin ein Mensch, aber niemals werde ich eine Kopie werden! Niemals wird es jemanden geben, der auch nur annähernd so ist wie ich! So, wie ich bin, das ist einmalig – so, wie jeder Mensch sein könnte, wenn er wollte… einmalig – unverwechselbar… liebenswert. Wir alle haben unsere Chance, unser Leben nach unseren Wünschen zu leben – nehmt sie wahr!

horcht mal:

http://de.youtube.com/watch?v=sEbgB6X6S5c

http://www.oekosophie.de/index.html

Mit freundlicher Erlaubnis – nochmals herzlichen Dank

Wenn ein Mensch etwas vollbringt, das alle in Erstaunen versetzt, dann sagt man, es ist wunderbar; aber wenn wir den Wechsel von Tag und Nacht beobachten, die Sonne, den Mond und die Sterne am Himmel und die Abfolge der Jahreszeiten auf der Erde verfolgen, die die Früchte reifen lässt, dann muss jedem klar werden, dass dies das Werk eines Wesens ist, das größer ist als der Mensch.

Mourning Dove, Salish

An die Schöpfung

November 1, 2008

Hier sitze ich nun. Es ist Samstagabend. Ein wunderschöner, friedlicher, harmonischer Abend – herrlicher Abschluss eines wunderschönen Wochenendes. Nichts Störendes kam auf – wir haben unser Leben in vollen Zügen genossen. Wunderbare Gespräche hatte ich mit zwei wunderbaren Frauen. Reiner Hochgenuss…Eine warme Email, deren Schreiber mir bei ihrem Lesen den Arm um die Schulter legte und mit mir zusammen die Bilder ansah, die er mir geschickt hatte. Und ich spürte die Wärme, die von ihm ausging und mich umgab…

Wunderbare Schöpfung – wie viel habe ich dir zu verdanken…. Deine so unglaublich reiche Liebe, mit der du mich beschenkt hast – mit der du mich fortlaufend beschenkst…. Diese unglaublich unendliche Geduld die du mit mir hast… ich liege dir zu Füssen.

Du hast mich kräftig getreten – damit ich endlich anfange, mein Leben zu leben, die Aufgabe, die ich habe, zu erfüllen. Ziemlich hart war es, das muss ich zugeben – ich bin lange nicht mehr so dickhäutig… meine Nerven vibrieren, wenn ich mit Schicksalsschlägen Krebserkrankter konfrontiert werde – da merke ich, es war doch nicht alles so leicht, wie ich es mir über 20 Monate jede Sekunde eingehämmert und eingeredet habe. So hingebungsvoll und liebevoll, du wunderbare Schöpfung, dass du diese ganze Zeit einen gnädigen Schleier über mein Bewusstsein gelegt hast… dass mir die ganze Zeit nicht klar wurde, w i e schlimm und grausam es war!

Sicherlich, mir ist nie in den Sinn gekommen, dass ich daran sterben könnte…. Durchgedreht bin ich letztlich, als mir mein damaliger Onkologe prophezeite, dass ich Hirnmetastasen haben würde. Das konnte ich nicht verstehen! Das war so verdammt ungerecht! Jetzt, wo ich gekämpft hatte, wo ich alles so wunderbar überstanden hatte… die vielen Operationen, die Chemo- die Bestrahlung… j e t z t sollte das alles umsonst gewesen sein??? Entsetzt war ich damals, dass mein Gefühl mich so schmählich im Stich gelassen haben sollte – gerade dieses eine, so wichtige Mal??? Aber es war dem ja nicht so – ein Schlaganfall ( von dem jetzt kaum noch etwas zu merken ist ). Was haben wir uns damals zu Hause über den Schlaganfall gefreut – aumann…

Das alles musste ich durchmachen, um endlich meine Augen zu öffnen und zu erkennen, was das Leben ist…. Wer ich bin… warum ich hier bin – ich muss allerdings gestehen, dass ich mit den letzten beiden Punkten doch arge Schwierigkeiten habe. Mein ganzer, auf Rationalität und Vernunft ausgebildeter Verstand weigert sich mit Händen und Füssen, das zu akzeptieren, was er nicht erklären kann. Das macht die Sache nicht unbedingt leichter. Wohl erfahre ich Dinge, von denen klar ist, dass es kein Zufall sein kann – und geheilt worden bin ich eindeutig. Meine Onkologen dokumentieren jetzt, was sie bei mir erleben. Das haben sie mir gesagt. Sie erleben, wie eine unheilbar, schwersterkrankte Frau allen medizinischen Erfahrungen zum Trotz eine Heilung erlebt, die es in dieser Form eigentlich gar nicht gibt. Ich höre es jedes Mal, wenn ich mit Ärzten darüber rede – und mein Verstand sucht nach Erklärungen, warum es so geschieht, wie es geschieht. Was für ein Wahnsinn. Und so rede ich mit Menschen, spreche mit ihnen über das, was passiert – höre mir ihre Erklärungsversuche an ( wenn sie überhaupt bereit sind, darüber zu reden )… und letztlich kommen wir immer zu dem gleichen Schluss : Das, was sich alle erhoffen und erwünschen – ein Wunder – mir ist es passiert. Meine Haare – sogar meine grauen Haare verschwinden!!! Das fällt auch meinem Lebensgefährten auf – bis auf ein – zwei graue Haare ist nichts mehr da…. Was für ein Geschenk!!

Ich hoffe, dass ich es zu würdigen weiß – ich hoffe, dass ich meine Leben endlich lebenswert leben werde, dass ich mich aus tiefstem Inneren heraus so lieben werde, wie ich bin – mich lieben werde für das, was ich bin, dass ich endlich begreife, dass die Dinge, die ich fühle und glaube, die wahren Dinge sind, die das Leben lebenswert und reich machen. Unser Verstand – herrliche Fähigkeit, wenn er richtig eingesetzt wird – er dient doch letztendlich nur dazu, Entwicklungen und Veränderungen zu verstehen – Zusammenhänge zu erkennen – Probleme zu lösen…. Aber die Schöpfung – die erfahren wir durch unser Gefühl – durch unsere Seele, die tief in uns all das sammelt, was wir an Erfahrungen durchleben. Sie ist es, die leidet, sie ist es, die unseren Körper erkranken lässt. Meine Seele, meine liebe Seele – von jetzt ab werde ich lernen, mit deinen Augen zu sehen und aus dir heraus zu handeln – damit ich endlich wieder als Teil der Gesamtheit zur Schöpfung zurückkehren werde.