An die Schöpfung

November 1, 2008

Hier sitze ich nun. Es ist Samstagabend. Ein wunderschöner, friedlicher, harmonischer Abend – herrlicher Abschluss eines wunderschönen Wochenendes. Nichts Störendes kam auf – wir haben unser Leben in vollen Zügen genossen. Wunderbare Gespräche hatte ich mit zwei wunderbaren Frauen. Reiner Hochgenuss…Eine warme Email, deren Schreiber mir bei ihrem Lesen den Arm um die Schulter legte und mit mir zusammen die Bilder ansah, die er mir geschickt hatte. Und ich spürte die Wärme, die von ihm ausging und mich umgab…

Wunderbare Schöpfung – wie viel habe ich dir zu verdanken…. Deine so unglaublich reiche Liebe, mit der du mich beschenkt hast – mit der du mich fortlaufend beschenkst…. Diese unglaublich unendliche Geduld die du mit mir hast… ich liege dir zu Füssen.

Du hast mich kräftig getreten – damit ich endlich anfange, mein Leben zu leben, die Aufgabe, die ich habe, zu erfüllen. Ziemlich hart war es, das muss ich zugeben – ich bin lange nicht mehr so dickhäutig… meine Nerven vibrieren, wenn ich mit Schicksalsschlägen Krebserkrankter konfrontiert werde – da merke ich, es war doch nicht alles so leicht, wie ich es mir über 20 Monate jede Sekunde eingehämmert und eingeredet habe. So hingebungsvoll und liebevoll, du wunderbare Schöpfung, dass du diese ganze Zeit einen gnädigen Schleier über mein Bewusstsein gelegt hast… dass mir die ganze Zeit nicht klar wurde, w i e schlimm und grausam es war!

Sicherlich, mir ist nie in den Sinn gekommen, dass ich daran sterben könnte…. Durchgedreht bin ich letztlich, als mir mein damaliger Onkologe prophezeite, dass ich Hirnmetastasen haben würde. Das konnte ich nicht verstehen! Das war so verdammt ungerecht! Jetzt, wo ich gekämpft hatte, wo ich alles so wunderbar überstanden hatte… die vielen Operationen, die Chemo- die Bestrahlung… j e t z t sollte das alles umsonst gewesen sein??? Entsetzt war ich damals, dass mein Gefühl mich so schmählich im Stich gelassen haben sollte – gerade dieses eine, so wichtige Mal??? Aber es war dem ja nicht so – ein Schlaganfall ( von dem jetzt kaum noch etwas zu merken ist ). Was haben wir uns damals zu Hause über den Schlaganfall gefreut – aumann…

Das alles musste ich durchmachen, um endlich meine Augen zu öffnen und zu erkennen, was das Leben ist…. Wer ich bin… warum ich hier bin – ich muss allerdings gestehen, dass ich mit den letzten beiden Punkten doch arge Schwierigkeiten habe. Mein ganzer, auf Rationalität und Vernunft ausgebildeter Verstand weigert sich mit Händen und Füssen, das zu akzeptieren, was er nicht erklären kann. Das macht die Sache nicht unbedingt leichter. Wohl erfahre ich Dinge, von denen klar ist, dass es kein Zufall sein kann – und geheilt worden bin ich eindeutig. Meine Onkologen dokumentieren jetzt, was sie bei mir erleben. Das haben sie mir gesagt. Sie erleben, wie eine unheilbar, schwersterkrankte Frau allen medizinischen Erfahrungen zum Trotz eine Heilung erlebt, die es in dieser Form eigentlich gar nicht gibt. Ich höre es jedes Mal, wenn ich mit Ärzten darüber rede – und mein Verstand sucht nach Erklärungen, warum es so geschieht, wie es geschieht. Was für ein Wahnsinn. Und so rede ich mit Menschen, spreche mit ihnen über das, was passiert – höre mir ihre Erklärungsversuche an ( wenn sie überhaupt bereit sind, darüber zu reden )… und letztlich kommen wir immer zu dem gleichen Schluss : Das, was sich alle erhoffen und erwünschen – ein Wunder – mir ist es passiert. Meine Haare – sogar meine grauen Haare verschwinden!!! Das fällt auch meinem Lebensgefährten auf – bis auf ein – zwei graue Haare ist nichts mehr da…. Was für ein Geschenk!!

Ich hoffe, dass ich es zu würdigen weiß – ich hoffe, dass ich meine Leben endlich lebenswert leben werde, dass ich mich aus tiefstem Inneren heraus so lieben werde, wie ich bin – mich lieben werde für das, was ich bin, dass ich endlich begreife, dass die Dinge, die ich fühle und glaube, die wahren Dinge sind, die das Leben lebenswert und reich machen. Unser Verstand – herrliche Fähigkeit, wenn er richtig eingesetzt wird – er dient doch letztendlich nur dazu, Entwicklungen und Veränderungen zu verstehen – Zusammenhänge zu erkennen – Probleme zu lösen…. Aber die Schöpfung – die erfahren wir durch unser Gefühl – durch unsere Seele, die tief in uns all das sammelt, was wir an Erfahrungen durchleben. Sie ist es, die leidet, sie ist es, die unseren Körper erkranken lässt. Meine Seele, meine liebe Seele – von jetzt ab werde ich lernen, mit deinen Augen zu sehen und aus dir heraus zu handeln – damit ich endlich wieder als Teil der Gesamtheit zur Schöpfung zurückkehren werde.

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