Der Ruf des Meeres

Juni 16, 2009

Ich kann nicht mehr schlafen. Es reißt mich aus dem Bett mit einer unglaublichen Sehnsucht- der Sehnsucht nach dem  Glitzern, dem Rauschen – nach dem Meer… Es ruft mich – komm… komm…und ich taumle hoch, gehe ins Bad. Unter der Dusche – da fällt mir ein: wie? Wie willst du dort hinkommen? Es geht nicht. Nichts geht mehr…Die Sehnsucht zerreißt mich. Ich will nach Hause…

Was hast du gesagt, Henry? „DU MUSST LERNEN, DICH ZU LIEBEN!“

Ach Henry…

Ich habe ihn gestreichelt, meinen armen, geschundenen Körper – gezeichnet mit Narben vom Kopf bis zu den Beinen – habe ihn getröstet wie ein kleines Kind – mich entschuldigt  für  das, was ich ihm angetan habe, weil ich doch immer so ungeduldig war, so ärgerlich, wenn er nicht so funktionierte, wie ich es wollte. Habe seine Proteste einfach überhört – habe einfach geglaubt, dass mein Wille stärker ist als er…Es tut mir leid, mein armer Köper; es tut mir so leid… du bist am Ende…

Selbst als ich die Möglichkeit hatte – wo es so wunderbar bergauf ging… die Metastasen verschwanden… selbst da habe ich deine Bedürfnisse ignoriert – war so sehr auf das gesund werden fixiert, dass ich die Liebe einfach vergessen habe… Die Liebe zu mir.

Vergessen…?

Sie sind wiedergekommen, die Metastasen – gewaltiger als zuvor – explodiert sind sie in meinem Körper, meinem armen Köper, der so wenig Liebe erfuhr. Er ist müde, er ist traurig. Was habe ich ihm angetan…

Das Meer ruft – so laut…

Gib mir noch einmal, noch ein einziges Mal die Möglichkeit, mich lieben zu lernen. Denn wenn ich gehen muss, will ich in Frieden gehen – und mich in Liebe verabschieden von meinem Körper, der mich so wunderbar gestützt hat – begeleitet hat… einmal noch hole mich heraus aus diesem tiefen Loch und lass es mich versuchen. Aus ehrlichem tiefstem Herzen versuchen die Liebe zu mir zu finden.

Danach will ich gehen – dann bin ich bereit.