Warum ich?

Oktober 20, 2009

Warum treffen diese Krankheiten immer die Guten?

Was ist mit den Giftspritzen, mit denen, die anscheinend  Gift in ihren Adern haben? Warum erkranken sie nicht?

Ja, warum…

Es trifft sie, die Guten, die Lieben, die Warmen, weil ihre Seele schreit, weil sie zuviel Schlimmes an sich heran gelassen haben, weil sie unter schlimmen Erfahrungen leiden – nicht nur unter ihren eigenen – auch unter denen anderer, die ihnen nahe stehen, die sie so sehr mögen, dass schlimme Erfahrungen sie treffen, wie ein Blitz…

…. Und die schönen Erfahrungen, sie gönnen sie den anderen, das gönnen sie ihnen – ungeteilt, damit die lieben auch etwas Schönes erleben… und fressen das schlechte in sich hinein, fast wie eine Beschwörung, mit der Hoffnung, dass es verschwindet – das es ungeschehen wird…keine Abgrenzung…

Sie stehen hinter allen anderen zurück, glauben nicht, dass sie es wert sind, dass sie einen Anspruch haben – den gleichen Anspruch wie alle anderen auch – das frisst die Seele auf, das alles macht krank, denn Krankheit ist der  Spiegel der Seele…

Sicher, es gibt auch Giftspritzen, die erkranken – eher selten, und nur dann, wenn sie von einem Ereignis zerfressen werden, dass sie in ihrem Innersten so zerreist, dass ihre Vorstellung von dem, wie die Menschen um sie herum sich verhalten sollten, so heftig ins wanken gebracht hat, dass all ihr Gift nichts hilft…Allerdings sind das auch diejenigen, die am wenigsten fürchten müssen, dass die Krankheit sie tötet – immer vorausgesetzt, sie wird rechtzeitig erkannt – und dass sie jemals wiederkommen wird. Denn sie merken sich, was ihnen wehgetan hat, und werden mit aller Macht dafür sorgen, dass es ihnen nicht mehr wehtun kann. Ihr blanker Egoismus sorgt dafür, dass ihre Seele Ruhe findet – auf eine sehr eigene Art Ruhe findet…

Und so ist es immer eine Interpretationssache, wenn gut gemeinte Ratschläge gegeben werden. Es liegt immer in der Person, wie sie den Rat auslegt, ob sie ihn überhaupt annimmt…Der wohl bekannteste Rat lautet:

Du musst jetzt an dich denken, alles andere ist unwichtig!

Stimmt… stimmt nicht… stimmt… Was denn nun? Wie kann man ihn denn falsch auslegen?

Ganz einfach:

Diejenigen, deren Seele erkrankt ist, weil sie (mit-) leiden, sie müssen sich klar machen, dass eben nicht nur die anderen wichtig sind – dass sie die gleichen Rechte haben wie alle anderen auch. Sie müssen lernen, ihre Bedürfnisse zu formulieren und auch durchzusetzen, ihr Selbstbewusstsein aufzubauen. Sie müssen begreifen, dass alle Menschen das gleiche Recht auf Liebe, auf Respekt haben – auch sie!

Die Verhärteten, diejenigen, die ich jetzt – weil ich den Ausdruck heute von einem lieben Menschen gehört habe – Giftspritzen nenne – sie haben ihr Leben ja schon immer nach ihrem Gusto gelebt, ohne zu fragen, ob und wie sehr sie andere mit ihrem Verhalten verletzen. Sie gehen davon aus, dass ihre Art die einzig wahre ist, dass sie alles richtig machen, und versuchen nur kleine Änderungen vorzunehmen, wenn sie annehmen, für sich einen Vorteil daraus ziehen zu können. Und da das leider nicht für lange Zeit halten kann, entweder, weil die anderen genauso sind wie sie und auch nur ihre Interessen durchsetzen wollen, oder eben, weil sie eben anders sind – anders im Verhalten und im Verständnis – weil sie eben nicht sicher sind, dass alles, was sie tun, richtig ist, weil sie durchaus bereit sind, Kritik anzunehmen und sich  zu ändern – positiv zu ändern. Und jede Änderung ist für diese Giftspritzen unverträgliches Gift. Denn dann müssten sie ihr eigenes Versagen erkennen und zugestehen, ihre wohl geschützte Welt würde wie ein Kartenhaus zusammenbrechen.

Sie nutzen diesen Rat, um noch deutlicher den anderen klar zu machen, dass nur sie wichtig sind, dann holen sie ihre Erkrankung hervor, um allen anderen ein schlechtes Gewiesen zu machen – sie ignorieren die Gefühle der anderen vollkommen – sie gehen im Zweifelsfall über Leichen. Knallhart eben…

Wir sollten uns schon fragen: warum ich? Warum musste ich erkranken? Was habe ich getan?

Denn wir brauchen die Antwort, um Frieden in uns zu finden, um zu verstehen, was unsere Seele so hat schreien lassen, dass der Krebs uns erwischen konnte.

Und ich wünsche von ganzem Herzen, dass alle Erkrankten die Antwort für sich finden, dass sie Frieden finden. Frieden in sich, Frieden für ihre geschundene Seele – egal, ob sie Krebs oder andere heftige Erkrankungen haben. Es wäre schön, wenn diese Krankheiten verschwinden würden, wenn wir alle unseren Frieden finden könnten. Ich wünsche es allen – ausnahmslos allen – von ganzem Herzen.

Advertisements

Wer den Wind sät…

Oktober 11, 2009

Es ist mal wieder geschafft… ich habe zu mir gefunden, der Alptraum, der mich seit September letzten Jahres begleitet hat, ich konnte ihn stoppen – aus eigener Kraft. Und aus eigener Kraft werde ich jetzt auch weiter machen.

Weil ich weiß, dass ich stark genug bin, weil ich weiß, dass nur ich dazu in der Lage bin, weil ich weiß, dass mir sonst niemand wirklich helfen kann… außer den Ärzten natürlich…aber das gilt eben nur für mich…

Ich habe ihn endlich, den Frieden, den ich so lange gesucht habe. Tief in mir ist er, alles ist verarbeitet, ist angenommen – nichts tut mir mehr weh – die Kindheit gibt mir keine schlechten Erinnerungen mehr, ab und zu blitzt etwas auf, aber es erinnert mich dann eher an freundliche Erinnerungen – mein kleiner Kater, ich höre ihn neben mir schnurren.. er ist da – und sonst nur tiefer Frieden…

Verabschiedet habe ich mich von allen und allem, was nicht gut für mich war und ist – von Menschen und Verhaltensweisen, die eher zermürben, als zu stützen. Was um mich herum ist, ist warm und offen und ehrlich und liebevoll – keine Forderungen von ihnen, keine Forderungen von mir – es ist nicht mehr notwendig, denn Menschen, die dich aus reinem Herzen so lieben, wie du bist, zu sagen, was sie tun sollen –  sie tun genau das, was gut für dich ist.

Ich habe um mich Liebe gesät… nur Liebe…

Reden wir von meinem Krebs – dem… hm… wie nenn ich ihn denn nun? … dem renitenten Teil meiner selbst – leider ein Stück von mir geworden, fest verankert, halb am Verzweifeln, weil er einfach nicht schafft, was er bei anderen mir links erledigt hat. Was habe ich denn nun genau? Das, was mich dazu gebracht hat, über mich, über mein Leben, über den Sinn meines Lebens nachzudenken, nennt sich schlicht und einfach:

Inflammatorischer, knochenmetastasierter  hormonpositiver Brustkrebs. Hoch aggressiv, giftiges Teil…

Nicht nur mein Onkologe hat es gesagt – auch mein Strahlentherapeut hat es bestätigt: Ich lebe bereits länger, als es die Statistiken, sozusagen, erlauben. Bisher stolze eineinhalb Jahre länger als es jemals ein anderer Patient geschafft hat! Erst habe ich geschluckt – und dann kam das Glücksgefühl und der Stolz in mir hoch: wenn ich das geschafft habe, dann geht’s auch noch weiter – jetzt erst recht!

Untersucht wurde ich – Knochenszintigrafie nennt sich das – wo überprüft wurde, ob sich die Metastasen vermehrt haben. Hätten sie eigentlich machen müssen, denn durch eine unglaubliche Anzahl von Entzündungen in meinem Körper konnte ich die neue Therapie nicht beginnen – die alte zeigte keine Wirkung mehr. Aber nichts! Es hat sich nichts verschlechtert! Ganz aktuell ist diese Nachricht! Junge 2 Tage alt!

Die neue Therapie kommt genauso dankbar, wie die anderen zuvor – keine Nebenwirkungen – es ist, als ob sich mein Körper wirklich nur das holt, was er zur Heilung braucht, und alles, was die Nebenwirkungen hervorruft, sofort rausschmeißt. Ich weiß, es hört sich beknackt an, aber es ist wirklich so. Und während sie um mich herum sterben und leiden ohne Ende, ich gehe durch – einfach durch, mit liebevoller Unterstützung meiner Familie, meiner Freunde, meiner Ärzte, die mich so sehr respektieren, dass sie einfach nicht über meinen Kopf entscheiden, dass sie alles en detail mit mir besprechen und durchaus akzeptieren, was ich ablehne. Es tut alles nur gut.

Sicher habe ich Schmerzen, aber sie werden durch Morphium gedämpft – und wenn die Bestrahlung, die nächste Woche beginnt, dann bin ich mir sehr sicher, dass, wie bisher, die Schmerzen innerhalb kürzester Zeit verschwinden werden, und ich das Morphium wieder absetzen kann. Neues Spiel, neues Glück.. lach… ach watt, ich weiß, dass es wieder bergauf geht, jetzt bin ich wieder da, wo ich im September letzten Jahres aufgehört habe. Weiter geht’s…

Um es noch einmal klar und deutlich zu sagen, a l l e s aber auch wirklich alles, was ich hier jemals geschrieben habe, entspricht der Wahrheit – ich habe niemals beschönigt, erfunden, hinzugefügt oder weggelassen, alles, was in diesem Blog steht, ist passiert, alles was ich jetzt noch schreiben werde, wird dann auch passiert sein – und ich weiß, dass es noch lange dauern wird, bis dieser Blog schweigen wird. Aber auch dann werde ich mich verabschieden – offen und ehrlich, denn anders kann und will ich nicht. Alles andere ist Selbstbetrug und zerstört das, was ich bin.

Es berührt mich immer sehr, wenn ich sehe, wie andere Menschen unter ihrer Erkrankung, unter ihrer Situation leiden, wenn ich sehe, wie schwer es für sie ist, mit sich ins reine zu kommen, um zu bewältigen, was vor ihnen ist.. Dieser Weg, den wir alle gehen.. dieser eine Weg, jeder für sich – sie kreuzen sich, gehen vielleicht eine Weile parallel… und  trennen sich wieder… irgendwann letztendlich doch, für den letzten Gang in diesem Leben, diesen Gang, den wir alle alleine gehen müssen – obwohl… wenn es bei mir soweit ist, dann möchte ich gerne, dass alle meine Freunde bei mir sind – meine Familie, so klein und so wertvoll… das es ein Abschied ohne Bitterkeit wird, ein Abschied in  liebevollem Respekt, sind es doch alles Menschen, die mich so lieben, wie ich bin, genauso – nicht einen Deut anders… so, wie ich sie respektiere, wie sie sind – genauso, nicht einen Deut anders…und doch muss ich alleine gehen…

Was stimmt mit mir nicht? Das fragte eine Frau im Forum – ich habe die Diagnose Brustkrebs erhalten, aber ich habe keine Angst… Was stimmt mit mir nicht? … Ach Mädel… alle stimmt mit dir, du musst dich nicht einreihen in eine  Gruppe von Menschen, die sich anders verhalten und nur wahrgenommen werden, weil sie eben lauter schreien als die anderen. Es sind immer die Lauten, die gehört werden, weißt du? Aber sie sind nicht die einzigen – und auch sie sind nicht alle gleich, sie rufen nur laut, aber jeder Mensch, Mädel, jeder Mensch ist ein Individuum – es gibt keinen Menschen zweimal, niemals, hörst du? Jeder ist geprägt durch seine Kindheit, durch sein Leben, jeder hat andere Erfahrungen, jeder reagiert anders. Das so zu sehen, zu erkennen, so anzunehmen, das ist der Respekt, den ich meine. Nimm die Menschen, wie sie sind, aber versuche niemals, dich ihnen anzupassen – sie kommen automatisch, die Menschen, die zu dir passen, an ihnen kannst du ermessen, wie weit du bist, wo du stehst. Akzeptiere dich so, wie du bist – liebe dich so wie du bist, du bist es wert – jeder Mensch ist es wert…. Und säe keinen Wind – denn wenn du Wind säst, wirst du Sturm ernten…

… Ich habe Liebe gesät… und die Ernte wird mich für die Ewigkeit satt machen…