Einmal Hölle und zurück…

November 20, 2009

Na, jetzt ist es ja bald vorbei – dieses Jahr. Es hat gereicht, was ich alles erleiden musste – satt bin ich von den ganzen Schmerzen – ziemlich schwach auf den Beinen – aber es geht bergauf. Das wurde aber auch Zeit, herrje!!

 

Eine erneute Bestrahlung hat verhindert, dass mein linkes Becken völlig zerfressen wurde. Ich sag ja, es geht bergauf. Meine Kiefernekrose konnte auch gestoppt werden – fragt mich nicht wie, aber es hat geklappt. Ich bin froh, dass ich noch rechtzeitig erkennen konnte, dass eine Fernheilung leider völlig ausgeschlossen ist – ich bin froh, dass ich damals so übelst von einer  – na, soll ich sagen: Anhängerin? – beschimpft wurde. Es hat mir die Augen geöffnet und mir gezeigt, wie falsch ich damals lag. Egal. Es ist eben doch nicht zu spät – ich kriege das alleine gebacken. Vielleicht nehme ich doch noch die Hilfe eines Heilers in Anspruch – nur, der Mann lindert vorhandene Schmerzen und Nebenwirkungen der Chemo. Krebs heilen, sagt er – als Fernheilung völlig ausgeschlossen – den Krebs heilen? Hat er noch nicht geschafft – es dauert einfach zu lange – aber er hat schon bei vielen die Schmerzen gelindert. Nicht nur die körperlichen – auch die seelischen. Er ist wenigstens ehrlich – keine falschen Versprechungen, keine falschen Hoffnungen.

 

Es wird mir immer klarer, wie sehr ich als Kranke vom Leben ausgeschlossen bin – sicher, ich habe Freunde – viele Freunde, die einfach nur da sind und gut tun. Aber das normale Leben? Den Alltag bewältigen, das ist für mich absolut illusorisch…. Leider.

Schlicht gesagt – zurzeit bin ich froh, wenn ich nicht im Bett liegen muss, weil die Erschöpfung mich umhaut. Aber ich bin froh, dass ich wieder essen kann, ohne gleich tierische Magen – und Darmkrämpfe zu bekommen. Ich bin froh, dass ich nicht mehr diesen heftigen Durchfall habe. Froh, dass es mich überhaupt noch gibt – in diesem doch guten Zustand. Ja, er ist wirklich gut – auch wenn es sich nicht so anhört.

 

Jedoch wird mir immer klarer, wie wenig Menschen bereit sind, verstehen zu wollen.

 

Entweder es kommen Hilfsangebote – auweia… sie wohnen zig Kilometer weit weg und bieten Hilfe an… Was für Hilfe bitte?? Einkaufen gehen, weil ich es nicht kann? Wohnung sauber machen? Oder was?  Zum Reden habe ich genug Menschen hier vor Ort – und sie gehen auch einkaufen für mich – sie fragen nicht, sie machen es, weil ich eben so völlig erschöpft bin…

oder es gibt mitfühlendes Beileid…. Aber Abstand bitte – nicht zuviel, das könnte sie ja selbst belasten…. Naja…

 

Wollte ich wirklich versuchen, sie zum Verstehen zu bringen, ich müsste vermutlich unentwegt jaulen und jammern – aber präsent sein müsste ich – und dankbar sein, dass sie sich das anhören. Tscha… tu ich nicht, und schon bin ich eine Aussätzige… Nein, nein, nein, nicht alle – ich bin froh, dass es doch einige mehr als nur wertvolle Menschen gibt, die selbst den Krebs erlitten haben – die nachfühlen können – die einfach da sind und zuhören – ohne etwas dafür zu erwarten – es gibt sie auch – aber sie sind selten – kostbare Perlen sind sie – und tun mir einfach gut.

 

Mein Sohn – auch um ihn wird sich jetzt intensiv gekümmert – er braucht es, er ist, so hoch gewachsen er ist, doch noch im Herzen klein und in den Gefühlen groß. Und er leidet wie verrückt, wenn er sieht, was mir alles passiert, fängt auch an, zu spucken, bekommt Durchfall, so, wie ich – weinte sich die Seele aus dem Leib und weigerte sich, zur Schule zu gehen – er hatte Angst, dass ich nicht mehr lebe, wenn er von der Schule kommt. Aumann…

 

 

Ich habe erfahren, dass unsere Kinder  anscheinend nicht wirklich wichtig sind. Hilfe wird allgemein nur für erwachsene Partner angeboten. Kinder sind nicht wichtig, die müssen da eben alleine durch…. Grosse Klasse! Nur durch Beziehungen habe ich für meinen Sohn die dringende Hilfe bekommen – und es hilft ihm und damit unserer Familie ungemein. Ich merke, dass er wieder anfängt, zu leben und sich selbst mindestens so wichtig zu nehmen, wie er mich wichtig nimmt. Er begreift, dass auch er ein Recht auf Unterstützung und Hilfe hat – und er genießt es.

 

Lieben wir unsere Kinder überhaupt? Vermutlich schon – aber wir respektieren sie nicht – nicht als eigenständige Wesen- sie sollen so werden, wie wir uns das vorgestellt haben – Unseren Anforderungen sollen sie entsprechen – nichts eigenes – um Gottes Willen!

 

Sie sind doch nicht unser Eigentum, unsere Kinder – sie sind eine Leihgabe des Lebens, der wir gegenüber verpflichte sind, sie als selbstbewusste, eigenständige Menschen ins Leben zu schicken. Nach bestem Wissen und Gewissen.

 

Ich hoffe, dass ich es bei meinem Sohn einigermaßen geschafft habe – und ich hoffe inständig, dass ich doch noch einige Zeit mit ihm verbringen  kann – glücklich – ohne Schmerzen – ohne diese grauenvolle Leiden, dass wir diese Jahr erleben mussten. Wünscht mir einfach Glück und die Kraft, es doch einmal zu schaffen.

 

 

 

Warum ich?

Oktober 20, 2009

Warum treffen diese Krankheiten immer die Guten?

Was ist mit den Giftspritzen, mit denen, die anscheinend  Gift in ihren Adern haben? Warum erkranken sie nicht?

Ja, warum…

Es trifft sie, die Guten, die Lieben, die Warmen, weil ihre Seele schreit, weil sie zuviel Schlimmes an sich heran gelassen haben, weil sie unter schlimmen Erfahrungen leiden – nicht nur unter ihren eigenen – auch unter denen anderer, die ihnen nahe stehen, die sie so sehr mögen, dass schlimme Erfahrungen sie treffen, wie ein Blitz…

…. Und die schönen Erfahrungen, sie gönnen sie den anderen, das gönnen sie ihnen – ungeteilt, damit die lieben auch etwas Schönes erleben… und fressen das schlechte in sich hinein, fast wie eine Beschwörung, mit der Hoffnung, dass es verschwindet – das es ungeschehen wird…keine Abgrenzung…

Sie stehen hinter allen anderen zurück, glauben nicht, dass sie es wert sind, dass sie einen Anspruch haben – den gleichen Anspruch wie alle anderen auch – das frisst die Seele auf, das alles macht krank, denn Krankheit ist der  Spiegel der Seele…

Sicher, es gibt auch Giftspritzen, die erkranken – eher selten, und nur dann, wenn sie von einem Ereignis zerfressen werden, dass sie in ihrem Innersten so zerreist, dass ihre Vorstellung von dem, wie die Menschen um sie herum sich verhalten sollten, so heftig ins wanken gebracht hat, dass all ihr Gift nichts hilft…Allerdings sind das auch diejenigen, die am wenigsten fürchten müssen, dass die Krankheit sie tötet – immer vorausgesetzt, sie wird rechtzeitig erkannt – und dass sie jemals wiederkommen wird. Denn sie merken sich, was ihnen wehgetan hat, und werden mit aller Macht dafür sorgen, dass es ihnen nicht mehr wehtun kann. Ihr blanker Egoismus sorgt dafür, dass ihre Seele Ruhe findet – auf eine sehr eigene Art Ruhe findet…

Und so ist es immer eine Interpretationssache, wenn gut gemeinte Ratschläge gegeben werden. Es liegt immer in der Person, wie sie den Rat auslegt, ob sie ihn überhaupt annimmt…Der wohl bekannteste Rat lautet:

Du musst jetzt an dich denken, alles andere ist unwichtig!

Stimmt… stimmt nicht… stimmt… Was denn nun? Wie kann man ihn denn falsch auslegen?

Ganz einfach:

Diejenigen, deren Seele erkrankt ist, weil sie (mit-) leiden, sie müssen sich klar machen, dass eben nicht nur die anderen wichtig sind – dass sie die gleichen Rechte haben wie alle anderen auch. Sie müssen lernen, ihre Bedürfnisse zu formulieren und auch durchzusetzen, ihr Selbstbewusstsein aufzubauen. Sie müssen begreifen, dass alle Menschen das gleiche Recht auf Liebe, auf Respekt haben – auch sie!

Die Verhärteten, diejenigen, die ich jetzt – weil ich den Ausdruck heute von einem lieben Menschen gehört habe – Giftspritzen nenne – sie haben ihr Leben ja schon immer nach ihrem Gusto gelebt, ohne zu fragen, ob und wie sehr sie andere mit ihrem Verhalten verletzen. Sie gehen davon aus, dass ihre Art die einzig wahre ist, dass sie alles richtig machen, und versuchen nur kleine Änderungen vorzunehmen, wenn sie annehmen, für sich einen Vorteil daraus ziehen zu können. Und da das leider nicht für lange Zeit halten kann, entweder, weil die anderen genauso sind wie sie und auch nur ihre Interessen durchsetzen wollen, oder eben, weil sie eben anders sind – anders im Verhalten und im Verständnis – weil sie eben nicht sicher sind, dass alles, was sie tun, richtig ist, weil sie durchaus bereit sind, Kritik anzunehmen und sich  zu ändern – positiv zu ändern. Und jede Änderung ist für diese Giftspritzen unverträgliches Gift. Denn dann müssten sie ihr eigenes Versagen erkennen und zugestehen, ihre wohl geschützte Welt würde wie ein Kartenhaus zusammenbrechen.

Sie nutzen diesen Rat, um noch deutlicher den anderen klar zu machen, dass nur sie wichtig sind, dann holen sie ihre Erkrankung hervor, um allen anderen ein schlechtes Gewiesen zu machen – sie ignorieren die Gefühle der anderen vollkommen – sie gehen im Zweifelsfall über Leichen. Knallhart eben…

Wir sollten uns schon fragen: warum ich? Warum musste ich erkranken? Was habe ich getan?

Denn wir brauchen die Antwort, um Frieden in uns zu finden, um zu verstehen, was unsere Seele so hat schreien lassen, dass der Krebs uns erwischen konnte.

Und ich wünsche von ganzem Herzen, dass alle Erkrankten die Antwort für sich finden, dass sie Frieden finden. Frieden in sich, Frieden für ihre geschundene Seele – egal, ob sie Krebs oder andere heftige Erkrankungen haben. Es wäre schön, wenn diese Krankheiten verschwinden würden, wenn wir alle unseren Frieden finden könnten. Ich wünsche es allen – ausnahmslos allen – von ganzem Herzen.

Wer den Wind sät…

Oktober 11, 2009

Es ist mal wieder geschafft… ich habe zu mir gefunden, der Alptraum, der mich seit September letzten Jahres begleitet hat, ich konnte ihn stoppen – aus eigener Kraft. Und aus eigener Kraft werde ich jetzt auch weiter machen.

Weil ich weiß, dass ich stark genug bin, weil ich weiß, dass nur ich dazu in der Lage bin, weil ich weiß, dass mir sonst niemand wirklich helfen kann… außer den Ärzten natürlich…aber das gilt eben nur für mich…

Ich habe ihn endlich, den Frieden, den ich so lange gesucht habe. Tief in mir ist er, alles ist verarbeitet, ist angenommen – nichts tut mir mehr weh – die Kindheit gibt mir keine schlechten Erinnerungen mehr, ab und zu blitzt etwas auf, aber es erinnert mich dann eher an freundliche Erinnerungen – mein kleiner Kater, ich höre ihn neben mir schnurren.. er ist da – und sonst nur tiefer Frieden…

Verabschiedet habe ich mich von allen und allem, was nicht gut für mich war und ist – von Menschen und Verhaltensweisen, die eher zermürben, als zu stützen. Was um mich herum ist, ist warm und offen und ehrlich und liebevoll – keine Forderungen von ihnen, keine Forderungen von mir – es ist nicht mehr notwendig, denn Menschen, die dich aus reinem Herzen so lieben, wie du bist, zu sagen, was sie tun sollen –  sie tun genau das, was gut für dich ist.

Ich habe um mich Liebe gesät… nur Liebe…

Reden wir von meinem Krebs – dem… hm… wie nenn ich ihn denn nun? … dem renitenten Teil meiner selbst – leider ein Stück von mir geworden, fest verankert, halb am Verzweifeln, weil er einfach nicht schafft, was er bei anderen mir links erledigt hat. Was habe ich denn nun genau? Das, was mich dazu gebracht hat, über mich, über mein Leben, über den Sinn meines Lebens nachzudenken, nennt sich schlicht und einfach:

Inflammatorischer, knochenmetastasierter  hormonpositiver Brustkrebs. Hoch aggressiv, giftiges Teil…

Nicht nur mein Onkologe hat es gesagt – auch mein Strahlentherapeut hat es bestätigt: Ich lebe bereits länger, als es die Statistiken, sozusagen, erlauben. Bisher stolze eineinhalb Jahre länger als es jemals ein anderer Patient geschafft hat! Erst habe ich geschluckt – und dann kam das Glücksgefühl und der Stolz in mir hoch: wenn ich das geschafft habe, dann geht’s auch noch weiter – jetzt erst recht!

Untersucht wurde ich – Knochenszintigrafie nennt sich das – wo überprüft wurde, ob sich die Metastasen vermehrt haben. Hätten sie eigentlich machen müssen, denn durch eine unglaubliche Anzahl von Entzündungen in meinem Körper konnte ich die neue Therapie nicht beginnen – die alte zeigte keine Wirkung mehr. Aber nichts! Es hat sich nichts verschlechtert! Ganz aktuell ist diese Nachricht! Junge 2 Tage alt!

Die neue Therapie kommt genauso dankbar, wie die anderen zuvor – keine Nebenwirkungen – es ist, als ob sich mein Körper wirklich nur das holt, was er zur Heilung braucht, und alles, was die Nebenwirkungen hervorruft, sofort rausschmeißt. Ich weiß, es hört sich beknackt an, aber es ist wirklich so. Und während sie um mich herum sterben und leiden ohne Ende, ich gehe durch – einfach durch, mit liebevoller Unterstützung meiner Familie, meiner Freunde, meiner Ärzte, die mich so sehr respektieren, dass sie einfach nicht über meinen Kopf entscheiden, dass sie alles en detail mit mir besprechen und durchaus akzeptieren, was ich ablehne. Es tut alles nur gut.

Sicher habe ich Schmerzen, aber sie werden durch Morphium gedämpft – und wenn die Bestrahlung, die nächste Woche beginnt, dann bin ich mir sehr sicher, dass, wie bisher, die Schmerzen innerhalb kürzester Zeit verschwinden werden, und ich das Morphium wieder absetzen kann. Neues Spiel, neues Glück.. lach… ach watt, ich weiß, dass es wieder bergauf geht, jetzt bin ich wieder da, wo ich im September letzten Jahres aufgehört habe. Weiter geht’s…

Um es noch einmal klar und deutlich zu sagen, a l l e s aber auch wirklich alles, was ich hier jemals geschrieben habe, entspricht der Wahrheit – ich habe niemals beschönigt, erfunden, hinzugefügt oder weggelassen, alles, was in diesem Blog steht, ist passiert, alles was ich jetzt noch schreiben werde, wird dann auch passiert sein – und ich weiß, dass es noch lange dauern wird, bis dieser Blog schweigen wird. Aber auch dann werde ich mich verabschieden – offen und ehrlich, denn anders kann und will ich nicht. Alles andere ist Selbstbetrug und zerstört das, was ich bin.

Es berührt mich immer sehr, wenn ich sehe, wie andere Menschen unter ihrer Erkrankung, unter ihrer Situation leiden, wenn ich sehe, wie schwer es für sie ist, mit sich ins reine zu kommen, um zu bewältigen, was vor ihnen ist.. Dieser Weg, den wir alle gehen.. dieser eine Weg, jeder für sich – sie kreuzen sich, gehen vielleicht eine Weile parallel… und  trennen sich wieder… irgendwann letztendlich doch, für den letzten Gang in diesem Leben, diesen Gang, den wir alle alleine gehen müssen – obwohl… wenn es bei mir soweit ist, dann möchte ich gerne, dass alle meine Freunde bei mir sind – meine Familie, so klein und so wertvoll… das es ein Abschied ohne Bitterkeit wird, ein Abschied in  liebevollem Respekt, sind es doch alles Menschen, die mich so lieben, wie ich bin, genauso – nicht einen Deut anders… so, wie ich sie respektiere, wie sie sind – genauso, nicht einen Deut anders…und doch muss ich alleine gehen…

Was stimmt mit mir nicht? Das fragte eine Frau im Forum – ich habe die Diagnose Brustkrebs erhalten, aber ich habe keine Angst… Was stimmt mit mir nicht? … Ach Mädel… alle stimmt mit dir, du musst dich nicht einreihen in eine  Gruppe von Menschen, die sich anders verhalten und nur wahrgenommen werden, weil sie eben lauter schreien als die anderen. Es sind immer die Lauten, die gehört werden, weißt du? Aber sie sind nicht die einzigen – und auch sie sind nicht alle gleich, sie rufen nur laut, aber jeder Mensch, Mädel, jeder Mensch ist ein Individuum – es gibt keinen Menschen zweimal, niemals, hörst du? Jeder ist geprägt durch seine Kindheit, durch sein Leben, jeder hat andere Erfahrungen, jeder reagiert anders. Das so zu sehen, zu erkennen, so anzunehmen, das ist der Respekt, den ich meine. Nimm die Menschen, wie sie sind, aber versuche niemals, dich ihnen anzupassen – sie kommen automatisch, die Menschen, die zu dir passen, an ihnen kannst du ermessen, wie weit du bist, wo du stehst. Akzeptiere dich so, wie du bist – liebe dich so wie du bist, du bist es wert – jeder Mensch ist es wert…. Und säe keinen Wind – denn wenn du Wind säst, wirst du Sturm ernten…

… Ich habe Liebe gesät… und die Ernte wird mich für die Ewigkeit satt machen…

Und ich werde es schaffen!

August 23, 2009

Jetzt kommt die nächste Phase – es geht weiter – weiter mit dem Versuch, mein Leben in lebenswerter Weise zu verlängern.

Xeloda werde ich schlucken – und Tyverb – und hoffen, dass die Therapie anschlägt.

Achwas hoffen! Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass es einwandfrei klappen wird. Was sagte mein Onkologe letzten Donnerstag zu mir:

Sie sind die erste, die diese aggressive Form des Brustkrebses so lange überlebt hat.

Erst habe ich geschluckt –aumann… so nahe dran… aber dann habe ich mich entschieden; das ist einfach einmalig – darauf  kann ich richtig stolz sein – und wenn ich das alles geschafft habe – ja, was hindert mich daran, noch viele Jahre leben zu können? Ich habe das bisher unschaffbare geschafft – na, dann schaffe ich den Rest ja wohl auch… wäre ja gelacht…

Und meinen Frieden habe ich gefunden – tief in mir ist er – fest verankert in meiner Seele – gibt mir die Kraft, zu sehen, zu erkennen, zu begreifen und alles, was an Zweifeln war, einfach ausräumen zu können.

Meine Lebensqualität hat sich deutlich erhöht – die Menschen, die sich in meinem Umfeld bewegen passen genau zu mir, zu meiner Art, zu leben. Keine Missverständnisse mehr – was wir uns mitteilen, wird genauso verstanden, wie es weiter gegeben werden sollte.

Es ist einfach geworden, die Menschen, sprich, ihr Verhalten zu verstehen – es ist mir klar geworden, dass ich es erkennen kann, nicht, um sie zu verurteilen oder zu beurteilen – nein, das steht mir nicht zu. Ich habe begriffen, dass jeder Mensch das Recht hat, so zu leben, wie  er es für richtig hält, dass alles, was er an die Umwelt abgibt, genauso zu ihm wiederkommt, in genau der gleichen Weise.

Spiegelbild nennt sich  das wohl…

Oder: So, wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus…

Es gibt eine  Menge an weisen Sprüchen, die uns zeigen können, wie wir leben sollen – nur – versehen müssen wir es auch – aber dann ist tiefer Frieden in uns – dann gibt es keinen Hass und keine Verachtung mehr: Nur noch Verständnis und Begreifen…

Und mit dieser Ruhe tief in mir werde ich es auch schaffen, den nächsten Abschnitt zu meistern – und mit den lieben Menschen um mich herum… mit all den guten Gedanken, die ich in mir habe schaffe ich Dinge, die andere eben nicht schaffen können… bisher nicht… jetzt bin ich doch ein bisschen neugierig, was mich noch alles erwarten wird, wie viele Menschen ich noch kennen lernen werde – wie viel  Neues ich noch erfahren darf. Es stimmt, was ich am Anfang schrieb: Wenn es soweit ist, werde ich bereit sein. Aber bereit bin ich noch lange nicht – dafür bin ich einfach viel zu neugierig. Dafür genieße ich das Leben einfach viel zu sehr – eben weil ich so vieles erkennen darf – verstehen darf… aumann..

ist das Leben nicht  einfach wunderbar?

Seltsame Blüten

Juli 27, 2009

Auweia… sieh einer an… da hat es mich nun doch erwischt…schon erstaunlich, was für merkwürdige Wege ich gehe…

Lange habe ich mir überlegt, ob ich überhaupt schreiben sollte, bevor ich nicht Klarheit in die Sache gebracht habe… denn Henry ist zur zeit in Deutschland – und damit nicht erreichbar… hmmm….und fair will ich bleiben, so wie ich es immer war, aber ich denke, ich habe diesen Blog alleine angefangen, ich führe ihn auch alleine weiter – so, wie es sein soll.

Was ist denn nun passiert? Eine ganze Menge – und, ehrlich gesagt, dass ich so heftig motiviert bin, dass es mir so gut geht – bleiben wir ehrlich – das habe ich zum großen Teil Henry zu verdanken – und ich danke ihm dafür aus ganzem Herzen, das ist einfach unbezahlbar….

Aber geheilt – oh nein… bin ich nicht und war ich niemals… da habe ich mich doch zu sehr hinein gesteigert… zu sehr? Naja.. geholfen hat´s mir schon, und wie!! Jedenfalls ist es mir leicht gefallen, das halbe Jahr ohne Therapie zu überstehen, weil eine Entzündung nach der anderen in meinem Körper herumschwirrte… weil nix mehr ging… was soll´s… jetzt muss ich eben doch alleine ran.. ist ja schließlich sowieso der Weg, den ich alleine gehen muss – und ich will ihn auch alleine gehen. Gereift bin ich in der Zeit… ohja – mit Sicherheit! Meinen Frieden habe ich gefunden – es gibt nichts mehr, was ich noch verarbeiten muss oder sollte. Ruhiger bin ich geworden, und konsequenter. Und das tut unendlich gut. Und, letztendlich, was mir gut tut, ist schlecht für den Krebs, gelle?

Du solltest darauf achten, wer es gut mit dir meint!  Das waren die letzten Worte, die mir eine Frau schrieb – aus dem Internet… jepp, hab ich gemacht – als ich zum letzten Mal ins Krankenhaus musste, da schrieb ich alle Frauen, von denen ich meinte, dass sie es gut mit mir meinen, an. Und – damit sich niemand benachteiligt fühlen konnte, kopierte ich mein Schreiben und setzte es bei allen rein. Gleiches recht für alle…. Aumann… was für tolle Frauen.. sie waren da für mich – Tag und Nacht – im wahrsten Sinne des Wortes. Egal, wo sie waren, sie meldeten sich bei mir – sofort – niemals in dieser Zeit war ich alleine… danke, danke, vielen, vielen Dank – Ich weiß es zu schätzen und zu genießen – wirklich – mein Herz schwillt über vor so viel Freundschaft, wirklich – und die Freunde hier? Was für eine Frage, auch sie waren immer da. Das konnte ich genießen, wirklich!

Alle? Wirklich alle?

Die eine, die mir diesen tollen Satz geschrieben hatte.. nein, sie nicht – sie hat sich überhaupt nicht gemeldet – niemals während der Zeit.  Nur – komisch, als ich entlassen wurde aus dem Krankenhaus – nach über 2 Wochen… da schrieb sie mich an… auf Icq: Biste da?  Melde dich doch mal…ja… antwortete ich später, als sie nicht mehr online war… ich bin da. Mehr nicht.. Und damit hatte es sich erledigt. War ein toller Tipp von ihr…

So, jetzt fange ich halt noch mal an – nicht wirklich von vorne, sondern eher nach dem bereinigenden Gewitter, wo ich auch einer Frau, die mir glatt unterstellte, ich würde den Krebs behalten wollen, weil ich sonst Angst hätte, ein Nichts zu sein, allein zu sein, verbal über den Mund gefahren bin. Was zuviel ist,  ist zuviel und wird direkt beantwortet… nicht aggressiv, nein, warum auch? Sie kann mir nur leid tun, mit dieser merkwürdigen Ansicht… herrje, wer hat denn schon freiwillig gerne Krebs? Entschuldigt, aber das ist blanker Schwachsinn, das kann sich nur ein krankes Hirn ausdenken!

Dann drückt mir mal die Daumen für den nächsten Abschnitt in diesem Spiel – und, nix für Ungut,  dass ich so restlos überzeugt war von meiner Heilung… ich hätte es eben so gerne gewollt…

Der Ruf des Meeres

Juni 16, 2009

Ich kann nicht mehr schlafen. Es reißt mich aus dem Bett mit einer unglaublichen Sehnsucht- der Sehnsucht nach dem  Glitzern, dem Rauschen – nach dem Meer… Es ruft mich – komm… komm…und ich taumle hoch, gehe ins Bad. Unter der Dusche – da fällt mir ein: wie? Wie willst du dort hinkommen? Es geht nicht. Nichts geht mehr…Die Sehnsucht zerreißt mich. Ich will nach Hause…

Was hast du gesagt, Henry? „DU MUSST LERNEN, DICH ZU LIEBEN!“

Ach Henry…

Ich habe ihn gestreichelt, meinen armen, geschundenen Körper – gezeichnet mit Narben vom Kopf bis zu den Beinen – habe ihn getröstet wie ein kleines Kind – mich entschuldigt  für  das, was ich ihm angetan habe, weil ich doch immer so ungeduldig war, so ärgerlich, wenn er nicht so funktionierte, wie ich es wollte. Habe seine Proteste einfach überhört – habe einfach geglaubt, dass mein Wille stärker ist als er…Es tut mir leid, mein armer Köper; es tut mir so leid… du bist am Ende…

Selbst als ich die Möglichkeit hatte – wo es so wunderbar bergauf ging… die Metastasen verschwanden… selbst da habe ich deine Bedürfnisse ignoriert – war so sehr auf das gesund werden fixiert, dass ich die Liebe einfach vergessen habe… Die Liebe zu mir.

Vergessen…?

Sie sind wiedergekommen, die Metastasen – gewaltiger als zuvor – explodiert sind sie in meinem Körper, meinem armen Köper, der so wenig Liebe erfuhr. Er ist müde, er ist traurig. Was habe ich ihm angetan…

Das Meer ruft – so laut…

Gib mir noch einmal, noch ein einziges Mal die Möglichkeit, mich lieben zu lernen. Denn wenn ich gehen muss, will ich in Frieden gehen – und mich in Liebe verabschieden von meinem Körper, der mich so wunderbar gestützt hat – begeleitet hat… einmal noch hole mich heraus aus diesem tiefen Loch und lass es mich versuchen. Aus ehrlichem tiefstem Herzen versuchen die Liebe zu mir zu finden.

Danach will ich gehen – dann bin ich bereit.


Es ist vorbei.

Barbara Rudnik hat ihr Leben – dieses Leben zu ende geführt. Und ich wünsche von Herzen, dass sie in Frieden und dass sie ohne Schmerzen gegangen ist.

Warum ist sie gestorben? Mit dieser Frage haben Menschen meine Seite gefunden.

Warum?

Sie hat gekämpft. Jeder Tag, so konnten wir lesen, war ein Tag des Überlebens, des Kampfes gegen die Krankheit. Er war stärker, der Krebs. Gnadenlos hat er sie zerstört, hat er ihrem Leben das Ende gesetzt. Darum ist sie gestorben. Einen Kampf ums Überleben, den kann man bei dieser Erkrankung nicht gewinnen.

Ich habe sie nicht gekannt – als Mensch – als Schauspielerin, ja – und ich habe sehr viel Sympathie für sie empfunden, so, wie sie sich darstellte. Aber dieses Leben ist vorbei – unwiderruflich vorbei. Sie ist diesen Weg gegangen; es sollte wohl so sein.

Nehmen wir Abschied von dieser Frau,  deren Leidensweg wir eine zeitlang mitverfolgen konnten. Sagen wir: Leb wohl, Barbara – gehe in Frieden.

Aber auch, wenn dein Körper jetzt den Weg allen irdischen geht, ich weiß es, deine Seele wird weiter unter uns sein.

Nimm Abschied von deinem Körper, liebe Seele, nimm noch einmal die Liebe auf, mit der du verabschiedet wirst, frei von Krankheit und Schmerz – gehe in Frieden.

Leb wohl

ein neues Jahr

Dezember 30, 2008

Es ist mal wieder soweit – das Jahr neigt sich dem Ende zu – unwiderruflich geht es den Weg allen irdischen – es wird gehen – uns in Erinnerung bleiben als gute oder schlechte Zeiten – und wenn nach eigenem Ermessen nichts besonderes passiert ist, dann hinterlässt es einen eher schalen Beigeschmack nach dem traurigen Nichts – dem schlechten Gewissen, dass wir schon wieder nicht getan haben, was wir hätten tun sollen oder wollen. Was auch immer – wir können es nicht wiederholen, nicht rückgängig machen – morgen Nacht wird das alte Jahr sterben und nur noch Erinnerung sein.

Und kaum, dass es gestorben ist, da feiern wir das Neue Jahr – frisch geboren und heftigst vorbelastet. Wir wünschen uns alles Gute und wissen doch tief in uns, dass nichts mehr gut werden kann. Zu tief stecken wir im Moder – der ganze Globus brodelt und kann doch nur noch notdürftig geflickt werden. Was machen wir uns denn eigentlich vor? Was soll denn noch gut werden? Für den Einzelnen – klar – da kann es Einschneidendes geben – ob positiv oder negativ, das sei dahin gestellt.

Aber die Welt in der wir leben, die Welt, der wir verpflichtet sind, sorgsam mit ihr um zu gehen – diese Welt geht sang und klanglos – wie sagen wir so schön? Den Bach runter geht sie, durch Umweltverschmutzungen – durch Raubbau – durch Kriege…

Und wenn noch so viele Wissenschaftler neue Erkenntnisse produzieren, es ist nur die Hoffnung, uns zum Stillhalten zu bringen – wo unser Leben doch so danach ausgerichtet ist, immer nach den neuesten Erkenntnissen zu leben – klar – das ja „in“…

Und wenn auch so viele Menschen sich biologisch gesund ernähren wollen – ja, wie denn? Wo unser Boden, unsere Luft und unser Wasser unter dauernder Vergiftung zu leiden haben? Und selbst, wenn es ginge – wenn! – so könnten doch bei weitem nicht alle Menschen ausreichend ernährt werden können – biologisch gesund ernährt werden können…Aber das ist uns ja eigentlich auch egal, nicht wahr? Hauptsache wir können es uns leisten.

Komisch – diese Denkstruktur durchzieht eigentlich alle Köpfe… diese Sankt Florians Prinzip… egal, wen es trifft… Hauptsache nicht mich…Ahso.. deshalb regen wir uns auch nicht über die Politiker auf, die schon lange nicht mehr in unserem Interesse regieren – deren einziges Interesse ihr Machterhalt ist – ungefähr so, wie bei allen anderen so genannten Grossen, Reichen – Prominenten – ihr Leben ist zu einer einzigen großen Orgie geworden – mit uns als Zuschauern, die hin und wieder versuchen, einen Bissen zu ergattern – deren einziger Traum es ist, an dieser Orgie teilnehmen zu dürfen.. irgendwann einmal.. vielleicht…

Ist es das, was wir uns wünschen mit dem Ausspruch: alles Gute fürs Neue Jahr? Wünschen wir uns, mitfeiern zu können, während die Welt um uns herum zerbricht?

Dann macht so weiter – feiert euren eigenen Untergang – die großen, alten Kulturen haben es uns ja erfolgreich vorgemacht – die Chinesen – die Ägypter – die Römer… die Geschichte wiederholt sich eben. Lasst uns unseren Untergang feiern – lasst uns feiern, dass wir uns erfolgreich selbst zerstören. Und glaubt bloß nicht daran, dass ich geheilt wurde – sowatt gibbet nich… schaut euch diese Seite an und wartet darauf, dass ich sterben werde – werde ich mit Sicherheit – wie jeder andere Mensch auch – und in vielen, vielen Jahren, wenn ich dann tatsächlich diese Leben beende, dann könnt ihr triumphierend sagen: ha! Ich hab’s doch gewusst!

Wenn die Welt dann noch so ist, wie sie jetzt ist…

Na, denn – 2009 – ich heiße dich willkommen.

Weihnachten

Dezember 11, 2008

Was für ein wunderbarer Nachmittag ist das heute…

…wenn ich ehrlich bin… die ganze letzte Zeit war schön – kein Streit, kein Gequake, kein Stress – ich lasse mich einfach nicht mehr stressen…

Ich lasse mich auch nicht mehr ärgern – warum auch – es ist ja alles nur ein Spiel, was hier läuft – ein recht eigenartiges Spiel, zugegeben, aber so soll es ja sein. Hier zuhause genießen wir einfach die schöne Zeit. Es ist Adventszeit. Und zum ersten Mal in meinem Leben freue ich mich auf Weihnachten – zum ersten Mal in meinem Leben schenke ich mit Freuden. Ich genieße diese Zeit und ich wünsche mir, dass es so weitergehen wird, dass sich meine Wünsche erfüllen werden, dass ich meinen Weg gehen werde, so, wie ich ihn gehen sollte.

Ich spüre die Hektik um mich herum – sie haben alle keine Zeit, sie müssen schmücken, kaufen, feiern… müssen sie wohl… wir selbst haben nicht geschmückt. Wir wollen es alle nicht. Das friedliche Gefühl in uns ist so überwältigend stark, dass wir nichts mehr benötigen, um uns auf den Heiligen Abend vorzubereiten. Ich freue mich unglaublich darüber, dass alles so gekommen ist, wie es gekommen ist – dass ich wegen einer Portentzündung seit 4 Wochen keine Therapie mache – die Entzündung ist jetzt weg, aber einen Termin bei meinem Onkologen zu bekommen.. auweia.. ach, was soll’s, mir geht es gut – die anderen brauchen ihn notwendiger. Er ist ein feiner Mensch, mein Onkologe – schön, dass es solche Menschen wie ihn auch gibt – so einfühlsam und doch so voller Leben. Ein Mensch, der seine Schultern zum Anlehnen anbietet – sie brauchen ihn mehr als ich – ich habe ja eine Schulter – achwatt, viele Schultern hab ich, an die ich mich anlehnen darf, wenn ich will. Ich muss nicht mehr die Starke spielen, ich bin sie jetzt – mit dem sicheren Hintergrund, geborgen zu sein, weinen zu dürfen, wenn mir nach weinen zumute ist, schwach sein zu dürfen, wenn ich schwach bin – ja, da ist es so einfach, wirklich stark zu sein. Ich bin aufgestanden, erwacht aus einem langen Schlaf. Ich darf noch einmal von vorne anfangen….

Am ersten Weihnachtstag werde ich, ganz für mich alleine, eine Kerze anzünden und meine Wiedergeburt feiern – mein zweites Leben, ich darf es in diesem ersten Leben erleben…

Was passiert mir? Es ist so unfassbar schön und friedlich – und das wünsche ich euch auch, euch allen, die ihr hier lest – ich wünsche euch aus ganzem Herzen, dass Weihnachten das für euch wird, was es sein sollte – die Erinnerung an den einen, der damals geboren wurde, um uns zu zeigen, wie schön das Leben sein kann. Holt sie hoch, die Erinnerung – sie steckt in euch, weitergegeben über Generationen, tief in euren Herzen.

und auch für meinen wunderbaren Schutzengel, für meinen Indianer

Frohe Weihnachten

Die Wechseljahre

November 17, 2008

Was für ein Leben… da haben wir gelernt – haben einen Beruf – naja… hoffentlich (oder wenigsten einen Job)…haben die so genannten wilden Jahre hinter uns gelassen…. sollten mit beiden Beinen mitten im Leben stehen – und da erwischt es uns – die Wechseljahre – diese Zeit, in der uns plötzlich klar wird, dass wir unser Leben nicht wirklich gelebt haben – dass da noch etwas fehlt. Wir wissen nicht, was es ist, aber wir fangen an, zu suchen – nach dem Sinn.

Und statt in der Gegenwart zu suchen blättern wir in unserer Vergangenheit. War das nicht schön, damals? Da waren wir jung, da haben wir gelebt – und es war früher viel besser – viel besser…

Aber was ist denn dann falsch gelaufen in diesem Leben – wenn die Jungend so schön war? Haben wir die Schönheit nicht erhalten? Und wenn sie schrecklich war – warum haben wir dann nicht dafür gesorgt, dass es besser wurde? Denn das haben wir nicht – sonst wären sie nicht da… die Wechseljahre mit all ihren Zweifeln – mit ihren Irrungen. Irgendwie sieht es fast so aus, als ob wir nichts in unserem Leben gemacht haben, was wir eigentlich hätten tun können… aber was?

Meine allererste Kundin – eine gestandene Frau Ende 50 – sie war faszinierend…Sie hatte keinerlei soziale Absicherung, verdiente sich als Scheinselbständige ihr Geld. Genauer gesagt, sie war Verkäuferin in einem großen Kaufhof. Der Umsatz wurde vorgegeben – natürlich so hoch, dass er nie erreicht werden konnte – das gab Ende des Jahres Abzüge von der Pauschale, die monatlich ausgezahlt wurde – die Krankenversicherung musste von ihr selbst getragen werden… es gab keinen bezahlten Urlaub… Alle 2 Jahre zog sie um, weil die Wohnung zu teuer wurde… und trotzdem – sie war zufrieden mit ihrem Leben. Wechseljahre – klar, sagte sie, musste sie wohl schon gehabt haben. Aber Schweißausbrüche, Depressionen, Stimmungsschwankungen… das Gefühl, etwas verpasst zu haben – nein, das hatte sie nie gehabt. Stundenlang konnte ich ihr zuhören, wenn sie erzählte – von ihrer Vergangenheit, in der sie umhergewandert war… ruhelos – dachte ich damals – aber nein, sie war nicht ruhelos. Sie hörte auf ihre innere Stimme – auf ihren Bauch – und ging ihren Bedürfnissen nach – so, wie sie kamen. Sie trägt den gleichen Vornamen wie ich – wer weiß…

Als mein Onkel von diesen Wechseljahren erwischt wurde kam ihm der geniale Gedanke, dass Vogelfutter, sprich Körner die einzig wahre Nahrungsquelle seien. Mit Sicherheit hatte er irgendeinen wissenschaftlichen Beitrag gefunden, der ihn in seiner Meinung bestärkte… Die gesamte Familie legte immer sehr viel wert auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Das merkte ich immer daran, dass sich irgendetwas im Haus grundlegend änderte. Naja…. Jedenfalls war mein Onkel konsequent. Er mümmelte die Körner solange, bis seine Gesichtszüge wirklich fatalerweise an einen Geier erinnerten. Da mein Onkel aber ein entschiedener Frauenheld war und die Damen dieses Äußere nicht wirklich attraktiv fanden, entschied er sich, diesen wissenschaftlichen Beitrag aus seinem Leben zu streichen – kramte nach einer neuen Erkenntnis und fing an, seinen Bedarf mit Müsli (und einem Hund – der wahrer Mann hat einen wahren großen Hund)zu decken. Ok , wenn es ihn glücklich gemacht hat…

Damals, als ich von der Intensivstation auf die normale Krankenstation kam, das sagte ein Arzt zu mir: „Wir haben Sie in die Wechseljahre geschickt“. Aha… ich war gespannt, was kommen würde – es kam nichts… einfach nichts… keine Hitzerwallungen, keine Stimmungsschwankungen – und schon gar nicht der Wunsch, noch einmal jung zu sein – es noch einmal versuchen zu dürfen. Nein – warum? Diese Zeit ist nicht meine Zeit, nicht die Zeit, in der ich aufgewachsen bin – die ich niemals so verstehen könnte, wie ich sie früher verstanden habe. Ich habe sie gehabt – ich habe sie voll ausgekostet – in guten Zeiten wie in schlechten, und das tut gut. Diese Erfahrungen möchte ich im Leben nicht missen – in diesem Leben – das mich zu dem gemacht hat, was ich bin. Ich bin zufrieden damit, ich habe daraus lernen dürfen – und es war nicht wenig…

Mein Leben – dieses eine Leben, es ist so unendlich kostbar – so kostbar wie jedes andere Leben auch – ich liebe mein Leben und ich werde die 30 Jahre, die ich noch vor mir habe mit allen Sinnen genießen – jeden Tag werde ich etwas neues sehen, etwas neues lernen, etwas neues fühlen, etwas neues erkennen, und darauf freue ich mich. Es ist mein Leben – nur für mich – nicht um anderen zu zeigen, wie großartig ich bin – dass könnten wir alle sein… nicht, um Gleicher unter Gleichen zu werden… ich weiß nicht mehr, wer es gesagt hat:

Der Mensch ist bei der Geburt ein Unikum und am Ende seines Lebens eine Kopie

Nein, Nein… ich bin ein Mensch, aber niemals werde ich eine Kopie werden! Niemals wird es jemanden geben, der auch nur annähernd so ist wie ich! So, wie ich bin, das ist einmalig – so, wie jeder Mensch sein könnte, wenn er wollte… einmalig – unverwechselbar… liebenswert. Wir alle haben unsere Chance, unser Leben nach unseren Wünschen zu leben – nehmt sie wahr!

horcht mal:

http://de.youtube.com/watch?v=sEbgB6X6S5c