Die Wechseljahre

November 17, 2008

Was für ein Leben… da haben wir gelernt – haben einen Beruf – naja… hoffentlich (oder wenigsten einen Job)…haben die so genannten wilden Jahre hinter uns gelassen…. sollten mit beiden Beinen mitten im Leben stehen – und da erwischt es uns – die Wechseljahre – diese Zeit, in der uns plötzlich klar wird, dass wir unser Leben nicht wirklich gelebt haben – dass da noch etwas fehlt. Wir wissen nicht, was es ist, aber wir fangen an, zu suchen – nach dem Sinn.

Und statt in der Gegenwart zu suchen blättern wir in unserer Vergangenheit. War das nicht schön, damals? Da waren wir jung, da haben wir gelebt – und es war früher viel besser – viel besser…

Aber was ist denn dann falsch gelaufen in diesem Leben – wenn die Jungend so schön war? Haben wir die Schönheit nicht erhalten? Und wenn sie schrecklich war – warum haben wir dann nicht dafür gesorgt, dass es besser wurde? Denn das haben wir nicht – sonst wären sie nicht da… die Wechseljahre mit all ihren Zweifeln – mit ihren Irrungen. Irgendwie sieht es fast so aus, als ob wir nichts in unserem Leben gemacht haben, was wir eigentlich hätten tun können… aber was?

Meine allererste Kundin – eine gestandene Frau Ende 50 – sie war faszinierend…Sie hatte keinerlei soziale Absicherung, verdiente sich als Scheinselbständige ihr Geld. Genauer gesagt, sie war Verkäuferin in einem großen Kaufhof. Der Umsatz wurde vorgegeben – natürlich so hoch, dass er nie erreicht werden konnte – das gab Ende des Jahres Abzüge von der Pauschale, die monatlich ausgezahlt wurde – die Krankenversicherung musste von ihr selbst getragen werden… es gab keinen bezahlten Urlaub… Alle 2 Jahre zog sie um, weil die Wohnung zu teuer wurde… und trotzdem – sie war zufrieden mit ihrem Leben. Wechseljahre – klar, sagte sie, musste sie wohl schon gehabt haben. Aber Schweißausbrüche, Depressionen, Stimmungsschwankungen… das Gefühl, etwas verpasst zu haben – nein, das hatte sie nie gehabt. Stundenlang konnte ich ihr zuhören, wenn sie erzählte – von ihrer Vergangenheit, in der sie umhergewandert war… ruhelos – dachte ich damals – aber nein, sie war nicht ruhelos. Sie hörte auf ihre innere Stimme – auf ihren Bauch – und ging ihren Bedürfnissen nach – so, wie sie kamen. Sie trägt den gleichen Vornamen wie ich – wer weiß…

Als mein Onkel von diesen Wechseljahren erwischt wurde kam ihm der geniale Gedanke, dass Vogelfutter, sprich Körner die einzig wahre Nahrungsquelle seien. Mit Sicherheit hatte er irgendeinen wissenschaftlichen Beitrag gefunden, der ihn in seiner Meinung bestärkte… Die gesamte Familie legte immer sehr viel wert auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Das merkte ich immer daran, dass sich irgendetwas im Haus grundlegend änderte. Naja…. Jedenfalls war mein Onkel konsequent. Er mümmelte die Körner solange, bis seine Gesichtszüge wirklich fatalerweise an einen Geier erinnerten. Da mein Onkel aber ein entschiedener Frauenheld war und die Damen dieses Äußere nicht wirklich attraktiv fanden, entschied er sich, diesen wissenschaftlichen Beitrag aus seinem Leben zu streichen – kramte nach einer neuen Erkenntnis und fing an, seinen Bedarf mit Müsli (und einem Hund – der wahrer Mann hat einen wahren großen Hund)zu decken. Ok , wenn es ihn glücklich gemacht hat…

Damals, als ich von der Intensivstation auf die normale Krankenstation kam, das sagte ein Arzt zu mir: „Wir haben Sie in die Wechseljahre geschickt“. Aha… ich war gespannt, was kommen würde – es kam nichts… einfach nichts… keine Hitzerwallungen, keine Stimmungsschwankungen – und schon gar nicht der Wunsch, noch einmal jung zu sein – es noch einmal versuchen zu dürfen. Nein – warum? Diese Zeit ist nicht meine Zeit, nicht die Zeit, in der ich aufgewachsen bin – die ich niemals so verstehen könnte, wie ich sie früher verstanden habe. Ich habe sie gehabt – ich habe sie voll ausgekostet – in guten Zeiten wie in schlechten, und das tut gut. Diese Erfahrungen möchte ich im Leben nicht missen – in diesem Leben – das mich zu dem gemacht hat, was ich bin. Ich bin zufrieden damit, ich habe daraus lernen dürfen – und es war nicht wenig…

Mein Leben – dieses eine Leben, es ist so unendlich kostbar – so kostbar wie jedes andere Leben auch – ich liebe mein Leben und ich werde die 30 Jahre, die ich noch vor mir habe mit allen Sinnen genießen – jeden Tag werde ich etwas neues sehen, etwas neues lernen, etwas neues fühlen, etwas neues erkennen, und darauf freue ich mich. Es ist mein Leben – nur für mich – nicht um anderen zu zeigen, wie großartig ich bin – dass könnten wir alle sein… nicht, um Gleicher unter Gleichen zu werden… ich weiß nicht mehr, wer es gesagt hat:

Der Mensch ist bei der Geburt ein Unikum und am Ende seines Lebens eine Kopie

Nein, Nein… ich bin ein Mensch, aber niemals werde ich eine Kopie werden! Niemals wird es jemanden geben, der auch nur annähernd so ist wie ich! So, wie ich bin, das ist einmalig – so, wie jeder Mensch sein könnte, wenn er wollte… einmalig – unverwechselbar… liebenswert. Wir alle haben unsere Chance, unser Leben nach unseren Wünschen zu leben – nehmt sie wahr!

horcht mal:

http://de.youtube.com/watch?v=sEbgB6X6S5c

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http://www.oekosophie.de/index.html

Mit freundlicher Erlaubnis – nochmals herzlichen Dank

Wenn ein Mensch etwas vollbringt, das alle in Erstaunen versetzt, dann sagt man, es ist wunderbar; aber wenn wir den Wechsel von Tag und Nacht beobachten, die Sonne, den Mond und die Sterne am Himmel und die Abfolge der Jahreszeiten auf der Erde verfolgen, die die Früchte reifen lässt, dann muss jedem klar werden, dass dies das Werk eines Wesens ist, das größer ist als der Mensch.

Mourning Dove, Salish

An die Schöpfung

November 1, 2008

Hier sitze ich nun. Es ist Samstagabend. Ein wunderschöner, friedlicher, harmonischer Abend – herrlicher Abschluss eines wunderschönen Wochenendes. Nichts Störendes kam auf – wir haben unser Leben in vollen Zügen genossen. Wunderbare Gespräche hatte ich mit zwei wunderbaren Frauen. Reiner Hochgenuss…Eine warme Email, deren Schreiber mir bei ihrem Lesen den Arm um die Schulter legte und mit mir zusammen die Bilder ansah, die er mir geschickt hatte. Und ich spürte die Wärme, die von ihm ausging und mich umgab…

Wunderbare Schöpfung – wie viel habe ich dir zu verdanken…. Deine so unglaublich reiche Liebe, mit der du mich beschenkt hast – mit der du mich fortlaufend beschenkst…. Diese unglaublich unendliche Geduld die du mit mir hast… ich liege dir zu Füssen.

Du hast mich kräftig getreten – damit ich endlich anfange, mein Leben zu leben, die Aufgabe, die ich habe, zu erfüllen. Ziemlich hart war es, das muss ich zugeben – ich bin lange nicht mehr so dickhäutig… meine Nerven vibrieren, wenn ich mit Schicksalsschlägen Krebserkrankter konfrontiert werde – da merke ich, es war doch nicht alles so leicht, wie ich es mir über 20 Monate jede Sekunde eingehämmert und eingeredet habe. So hingebungsvoll und liebevoll, du wunderbare Schöpfung, dass du diese ganze Zeit einen gnädigen Schleier über mein Bewusstsein gelegt hast… dass mir die ganze Zeit nicht klar wurde, w i e schlimm und grausam es war!

Sicherlich, mir ist nie in den Sinn gekommen, dass ich daran sterben könnte…. Durchgedreht bin ich letztlich, als mir mein damaliger Onkologe prophezeite, dass ich Hirnmetastasen haben würde. Das konnte ich nicht verstehen! Das war so verdammt ungerecht! Jetzt, wo ich gekämpft hatte, wo ich alles so wunderbar überstanden hatte… die vielen Operationen, die Chemo- die Bestrahlung… j e t z t sollte das alles umsonst gewesen sein??? Entsetzt war ich damals, dass mein Gefühl mich so schmählich im Stich gelassen haben sollte – gerade dieses eine, so wichtige Mal??? Aber es war dem ja nicht so – ein Schlaganfall ( von dem jetzt kaum noch etwas zu merken ist ). Was haben wir uns damals zu Hause über den Schlaganfall gefreut – aumann…

Das alles musste ich durchmachen, um endlich meine Augen zu öffnen und zu erkennen, was das Leben ist…. Wer ich bin… warum ich hier bin – ich muss allerdings gestehen, dass ich mit den letzten beiden Punkten doch arge Schwierigkeiten habe. Mein ganzer, auf Rationalität und Vernunft ausgebildeter Verstand weigert sich mit Händen und Füssen, das zu akzeptieren, was er nicht erklären kann. Das macht die Sache nicht unbedingt leichter. Wohl erfahre ich Dinge, von denen klar ist, dass es kein Zufall sein kann – und geheilt worden bin ich eindeutig. Meine Onkologen dokumentieren jetzt, was sie bei mir erleben. Das haben sie mir gesagt. Sie erleben, wie eine unheilbar, schwersterkrankte Frau allen medizinischen Erfahrungen zum Trotz eine Heilung erlebt, die es in dieser Form eigentlich gar nicht gibt. Ich höre es jedes Mal, wenn ich mit Ärzten darüber rede – und mein Verstand sucht nach Erklärungen, warum es so geschieht, wie es geschieht. Was für ein Wahnsinn. Und so rede ich mit Menschen, spreche mit ihnen über das, was passiert – höre mir ihre Erklärungsversuche an ( wenn sie überhaupt bereit sind, darüber zu reden )… und letztlich kommen wir immer zu dem gleichen Schluss : Das, was sich alle erhoffen und erwünschen – ein Wunder – mir ist es passiert. Meine Haare – sogar meine grauen Haare verschwinden!!! Das fällt auch meinem Lebensgefährten auf – bis auf ein – zwei graue Haare ist nichts mehr da…. Was für ein Geschenk!!

Ich hoffe, dass ich es zu würdigen weiß – ich hoffe, dass ich meine Leben endlich lebenswert leben werde, dass ich mich aus tiefstem Inneren heraus so lieben werde, wie ich bin – mich lieben werde für das, was ich bin, dass ich endlich begreife, dass die Dinge, die ich fühle und glaube, die wahren Dinge sind, die das Leben lebenswert und reich machen. Unser Verstand – herrliche Fähigkeit, wenn er richtig eingesetzt wird – er dient doch letztendlich nur dazu, Entwicklungen und Veränderungen zu verstehen – Zusammenhänge zu erkennen – Probleme zu lösen…. Aber die Schöpfung – die erfahren wir durch unser Gefühl – durch unsere Seele, die tief in uns all das sammelt, was wir an Erfahrungen durchleben. Sie ist es, die leidet, sie ist es, die unseren Körper erkranken lässt. Meine Seele, meine liebe Seele – von jetzt ab werde ich lernen, mit deinen Augen zu sehen und aus dir heraus zu handeln – damit ich endlich wieder als Teil der Gesamtheit zur Schöpfung zurückkehren werde.

Und weiter gehts…

Oktober 13, 2008

So, jetzt habe ich auch die  Knochenszintigrafie hinter mir.Etwas entmutigt war ich – aber nicht imVorwege, sondern, als ich während der Aufnahme  zusehen  konnte, wie sich die Darstellung entwickelte.. ach.. igitt, war da viel schwarz.. Aber es sollte wohl so sein, dass mir der Kopf wieder etwas zurecht gerückt wurde – ich hatte einfach zuviel erwartet – gehofft, dass ich mit diesem Ergebnis direkt zu meinem Onkologen gehen könnte – ihm sagen, dass ich keine Therapie mehr brauche.. au..au…

Als mich der Radiologe jedoch hinein rief zum Gespräch, mit einem kleinen Lächeln, als er mir – in weiser Vorausschau – im Vergleich die vorhergehenden Aufnahmen zeigte – aumann, was hab ich mich gefreut! Und er hat es bestätigt: sie ziehen sich zurück, diese monströsen Auswüchse meiner Erkrankung! Es ist geschafft. Ich schließe meine Augen und danke der Schöpfung für diese wunderbare Hilfe, die mir zuteil wurde. Dieser Rausch der Freude – er geht und geht nicht vorbei.. wie die Wellen, die sich am Strand auslaufen… in sanftem Wogen kommen sie aus der Unendlichkeit heran gerauscht – überschwemmen mich – und wenn sie sich zurück ziehen, dann bleibt das wunderschöne Glitzern, da, wo Sonnenstrahlen auf die Tropfen treffen…

Was ist nur passiert?
Wenn ich das, was ich geschrieben habe noch einmal lese, dann fällt mir verschiedenes auf- es fällt mir auf, dass ich geschrieben habe: Ich weiss, dass noch nicht sterben werde… dass ich noch vieles sehen werde – dass ich begreifen würde.
Es stimmt..

Es fällt mir auf, dass ich ruhiger geworden bin, dass die Bitterkeit völlig verschwunden ist….

Und ich habe geschrieben, dass Arroganz nicht der beste Lehrmeister ist… tscha….

Ich muss gestehen, dass Stolz nicht unbedingt eine meiner geringeren Eigenschaften ist….das mußte ich vor kurzem bitter am eigenen Leib erfahren – als ich mich.. wenn es auch nicht für immer ist… von einem Menschen getrennt habe, der für mich alles ist…. warum nur???

Ich merke, dass ich noch viel zu lernen habe…sehr viel….

Ihr alle, die ihr hier lest, wie sieht es bei euch aus? Glaubt ihr das, was ihr hier lest? Oder haltet ihr mich für verrückt? Alles nur billige Mache?

Ich möchte euch eins sagen: !!! Ich bin weder hysterisch noch leichtgläubig –ein Herdentier bin ich nie gewesen und werde es auch nicht sein! Und glaubt nicht, dass ich zu denen gehöre, der IQ unter 120 ist – bei weitem nicht! Aber Intelligenz, mein Lieben, Intelligenz hat nichts damit zu tun, wissenschaftliche Abhandlungen lesen zu können, oder sie auszuwerten! Intelligenz ist die Fähigkeit,  A L L E S ; wirklich alles, was wir erleben, sehen oder hören, begreifen zu können, umsetzen zu können, es als Triebfeder für unser eigenes Leben weiter zu nutzen – und dazu gehört auch, dass wir bereit sind, unseren Gefühlen, unserem Fühlen den Platz zuzugestehen, der ihm gebührt! So viele Entscheidungen treffen wir aus reinem Gefühl heraus – es sind nicht die unwichtigsten Entscheidungen. Ihr trefft diese Entscheidungen, aber ihr würdet niemals öffentlich zugeben, dass etwas in eurem Inneren euch dazu getrieben hat. Warum nicht? Geht es nur noch über logische Erklärungen? Was ist denn Logik für euch? Die Fähigkeit der Wissenschaftler, euch mit immer neueren Ergebnissen vor zu predigen, was und wie ihr denken und handeln sollt?
Glaubt ihr denn wirklich, dass die Wissenschaftler alles wissen? Nein, sie wissen nichts! Die Erkenntnisse, die sie jetzt haben, dass sind die Ergebnisse der Forschung in dem Wissensrahmen, den sie jetzt haben! Mit diesen begrenzten Möglichkeiten, die uns hier zur Verfügung stehen, versuchen sie zu verstehen, wie die Schöpfung funktioniert. In etwas vergleichbar mit einem Kind auf der Grundschule, das die Zahl unendlich erklären soll. Wie kann es das, wo ihm ja noch nicht einmal klar ist, dass das Zeichen für Unendlich aussieht wie eine liegende Acht und ein mathematisches Symbol ist?
Erinnert euch – vor noch nicht allzu langer Zeit war die Erde noch eine Scheibe… und sogar heute gibt es noch Menschen, die fest daran glauben, dass sich die Sonne um die Erde dreht! Ich sage euch, hättet ihr zu dieser Zeit gelebt, auch ihr hättet daran geglaubt, dass unsere Erde flach ist! Weil ihr eigentlich überhaupt nicht versteht, was da oben auf den Bühnen aufgeführt wird… dass dieses Stück nicht wirklich ausschließlich dazu genutzt wird, den Menschen zu helfen – das mit fast jeder positiven Nachricht negative Ereignisse kaschiert werden… Warum hört ihr nicht auf eure Gefühle???
Warum habt ihr nicht die Zivilcourage, zu sagen, ja ich kann es glauben? Da wird nach Wundern geschrien – und wenn sie passieren überseht ihr sie.. ignoriert sie…
Was ist los mit euch????

Naha?

Oktober 1, 2008

Eins, zwei, drei – im Sauseschritt fliegt die Zeit… doch nicht für mich…

Natürlich, es ist wieder Zeit vergangen – einige Zeit, die uns sooo ewig vorkommt – naja.. ist ja auch kein Wunder, bei der Vielzahl an Informationen, mit denen wir vollgestopft werden, mit den Terminen, mit denen wir uns selbst vollstopfen… huch???.. wech isse.. die Zeit….

Wie geht es mir? Das läßt sich jetzt nicht mehr so einfach mit dem Wort „gut“ umschreiben. Es ist besser – viel besser – ich bin mir sicher, dass es mir in meinem gesamten Leben noch nie so gut gegangen ist!
Letzten Donnerstag, als ich aufwachte und wirklich nicht einmal mehr die Ahnung eines Schmerzes da war, da habe ich geweint vor Freude – wirklich geweint… und dann  mußte ich es hinaus schreien, das unfaßbare Glück, das mich übermannte – es war wie ein Rausch.. ich ging nicht, ich bin geschwebt – nicht gelaufen, sondern geflogen – geflogen  mit einer unglaublichen Leichtigkeit, die mich all das vergessen lies, was jemals schlimmes passiert war…. und der Rausch hört nicht auf…

Ich habe begriffen, verstanden, und mit viel liebevoller Hilfe gelernt, meinen Körper, m i c h  zu lieben – so, wie ich bin – zu lieben, was ich bin.. wer ich bin….

… Das Leben zu genießen… jede einzelne Minute zu genießen, jedes Erlebnis ausreichend zu würdigen und zu begreifen – ich nehme mir Zeit – Zeit für alles , und was nicht paßt.. es wird schon wiederkommen.. ich verpasse nichts – im Gegenteil ! Es gab so unglaublich schönen Momente, die mich so völlig sanft und langsam, aber bestimmt überrannten.. ein Oxymoron .. hört sich so an.. ist es aber nicht…
Ihr kennt es doch alle, diese wunderbare Gefühl, wenn ihr verliebt seid.. na? Wo ihr glaubt zu schweben, während die Zeit dahin rast….
Ich fühle es – so unbegreiflich tief und innig, dieses Gefühl – das Gefühl, das verhindert, dass sich jemals wieder böses in mir regen könnte. Keine Chance…
Das, was ich vorher alles hier nieder geschrieben habe ist erledigt… nichts dunkles ist mehr in mir. Der Schmerz, der damals entstand – ich habe ihn angenommen, so wie er ist, weil er immer bleiben wird. Aber jetzt tut er nicht mehr weh. Jetzt ist er nur noch Erinnerung.. ein Teil meines Körpers.

Ein Teil, dass mich liebevoll anmahnt, nichts mehr so leichtfertig machen- mit Bedacht zu handeln… aber es verspricht mir auch unglaublich viel…. w e n n  die Zeit gekommen ist.. sie wird kommen.. und ich freue mich, ich sehne sie herbei…. Geduld.. hab Geduld…

Mein kleines Kind – mein Kind in mir, das bis vor kurzem noch verschreckt und verängstigt in seiner Höhle bleiben wollte – in dieser vor getrocknetem Blut starrenden Höhle… es läuft jetzt lachend und singend draußen herum im weichen Strahl der Liebe und des Geborgenseins…

Und ich! Ich spüre Gefühle, von denen ich lange Zeit überhaupt nicht ahnte, dass ich sie jemals spüren würde.. es zerreißt mich förmlich in tausend leuchtende Teile und setzt mich neu zusammen wie Phönix aus der Asche, so breite ich meine Arme aus und heiße das Leben willkommen.

die ct

September 11, 2008

So – ich hab das Ergebnis. Zusammengefasst: die Organe sind vollständig frei – keine neuen Metastasen – nur die Knochenmetas sind halt noch da. In welchem Umfang können sie nicht sagen – das muss durch eine Knochenszinti festgestellt werden.

Mein Onkolge sagte mit, dass die ein hervoragendes Ergebnis sein. In diesem fortgeschrittenen Stadium wäre ein Metastasierung eher wahrscheinlich gewesen. Okay…

Und meine Nekrose? Er meint, ich sähe so gut aus, er lässt es mich entscheiden – unter einer Bedingung, ich muss zum Kiefernchirurgen, damit er den Verlauf dokumentieren kann. Nekrosen sind wohl noch eher sehr geheimnisumwittert, sprich, noch nicht wirklich richtig erforscht.Okay…

Dann spreche ich jetzt mal einen Toast auf die nächsten 30 Jahre aus. Da schaff ich nämlich ohne jeden Zweifel.  🙂

Achja – so nebenbei… die metastasische Aktivität um meinen Schädel rum.. die is auch wech… 😉

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Eine Bitte

September 9, 2008

Mein wunderbarer Engel, mein Indianer, mein Halt, meine Stütze…. wie sehr möchte ich dich jetzt fühlen –in mir – um mich herum.
Einmal schwach sein dürfen, einmal dem Schmerz nachgeben, den ich spüre… es zerreißt meinen Körper, dieser Schmerz. – er geht durch und durch. Rast durch den Kopf, fast eisern den Nacken, schreit gellend im Kiefer, nimmt der Brust die Luft zum atmen, zerschneidet mir den Unterleib, zerquetscht meine Wirbelsäule, reißt das Fleisch von meiner Hüfte.
Kein Krebs – kein Krebs….

Nimm mich mit, mein Indianer- umarme mich mit  all  deinen Sinnen, und laß mich dich mit allen meinen Sinnen spüren. Laß mich unbefangen sein.. frei  sein… ohne Schmerzen sein.
Zu viel – es ist zuviel – ich habe sie erduldet… monatelang – jahrelang habe ich meine Gefühle und Schmerzen verborgen – habe ich mich selbst verleugnet. Laß mich mit dir leben – nimm mich auf diese Insel – laß uns neu anfangen – ich habe solche Sehnsucht nach Liebe, nach Geborgenheit, nach Vertrautheit… nach dir…..
Noch einmal neu anfangen möchte ich.. in d i e s e m Leben.

Ich möchte keine Schmerzen mehr erdulden müssen!!

Ich will nur leben

02.09.2008

September 2, 2008

Jetzt habe ich die CT hinter mir – und habe nur, wie immer die CD  mitgekriegt… Erkennen kann ich kaum was, nur eines, das erkenne ich mit Sicherheit, das hat mir mein Radiologe so gut erklärt… meine Lungenmetastasen….. sind wech…. einfach wech…..

Und meine Wirbelsäule ist nicht mehr so angegriffen – sie erholt sich.

Und der endgültige Bericht ist in einer Woche da 😉

Der Sinn des Wissens

August 23, 2008

Schon wieder ist viel Zeit vergangen, in denen ich nichts geschrieben habe – nichts schreiben konnte, denn vieles ist passiert – viel schönes, viel warmes, viel erkenntnisreiches.

Es geht mir gut – es geht mir unverschämt gut – ich habe keine Schmerzen mehr, ich muss mich nicht abends spätestens um 20.00 Uhr ins Bett legen, weil die Erschöpfung mich übermannt. Ich schlafe tief und fest und habe wunderbare Träume, Träume, die mir zeigen, dass ich mitten im Leben bin. Mitten drin….

Natürlich gehe ich noch wöchentlich zur Therapie – schon alleine, um zu sehen, wie gross mittlerweile der Abstand zwischen den Patienten, die dort sind, um ihre Therapie zu erhalten, und mir geworden ist. Eigentlich gehöre ich gar nicht mehr dazu…und eigentlich merken sie es auch. Nicht nur, dass die Frauen, neben denen bereits der Tod steht, mich zu sich holen, sich an mich drücken, damit ich ihnen ein bißchen Geborgenheit geben kann ( und ich tue es gerne ), nein, diejenigen, denen es nicht so schlecht geht, diejenigen, bei denen der Krebs nicht so hart und unerbittlich zugeschlagen hat, sie möchten mit mir in einem Raum sein -weil es schön mit mir ist, sagen sie – weil sie dann auch mal lachen können – weil sie dort den Krebs vergessen können – weil sie die Art bewundern, wie ich mit dieser Krankheit umgehe….
Und was sagte der Onkologe? „Wenn keine Metastasen mehr da sind, brauchen Sie keine Therapie mehr.“

Hmmm…

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich schummle, wenn ich sage: Ich habe Krebs…..
Habe ich ihn noch?

Gefühlt nicht mehr – dazu geht es mir zu gut. Sicher, es kommen die Schmerzen regelmäßig wieder – alle drei Wochen erhalte ich intravenös Bisphosphenate – damit sich meine Knochen regenerieren können .Demoliert genug sind sie ja. Und dann fangen die Bisphosphenate an, zu arbeiten….. jaul….. es ist ein irrer Schmerz – ein Schmerz, den ich regelmäßig überprüfe – ob sie tatsächlich überall da wirken, wo ich Metastasen habe… machen sie… brave Kerlchen…ok.. mein Gang ähnelt dann zwar eher dem Gang eines Gorillas… das aufrechte Gehen will halt wieder gelernt sein, aber im Zweifel fall ich ja nicht auf.. es ist ein Ärztehaus, und dort hat’s eh genug Patienten, die so vor sich hin humpeln.
Spätestens, wenn mir die Menschen in die Augen sehen, erkennen sie, wie stark und wie ungebrochen ich bin. Es stimmt…. wie der Phönix aus der Asche….

Als ich hier begann, zu schreiben…..im Leben hätte ich nicht geglaubt, was mir hier passiert.
Sicherlich war die Hoffnung in mir gross, als ich schrieb, mein Krebs sei nicht mehr heilbar… die Hoffnung, dass irgendwie – von irgendwo Hilfe kommen würde – und sei’s nur dadurch, d a s s ich schreibe. Aber nein – es wurde unglaublich viel mehr….

Ich habe endlich begriffen und verstanden. Zu glauben, das ist die unabdingbare Voraussetzung dafür, dass und wie wir leben können. Nein, ich rede nicht von einer bestimmten Glaubensrichtung. Um ehrlich zu sein- ich bin zwar konfirmiert , aber nicht aus innerer Überzeugung heraus. Eher, weil es eben so üblich war. Ich glaube daran, dass es eine wunderbare Schöpfung gibt, die uns die Möglichkeit gibt, uns hier ein Leben ein zu richten. Nennt sie Gott, nennt sie Allah, nennt sie wie ihr wollt, letztendlich kommt es alles aufs gleiche heraus – dass es etwas gibt, das um Strecken grösser, gewaltiger und besser ist, als wir. Das unsere Geschicke lenkt, uns hilft, wenn wir darum bitten – etwas, das ohne jeden Arg und Falsch ist. So ehrlich, dass es uns schon fast schmerzt, weil wir es nicht so richtig können, geschweige denn beherrschen – dieses Ehrlichsein…
Jetzt kann ich es – ich kann glauben – ohne wenn und aber. Glauben daran, dass alles, was ich hier erfahren durfte so gewollt war.. dass Henry mich geheilt hat….
Meine Lebensenergie ist unglaublich gewachsen – der Krebs ist kein Thema mehr bei uns. Die Familie – unglaublich, wie positiv es sich auswirkt – sie sind erleichtert, gelockert… eine wunderbare Fröhlichkeit kommt hier auf… und tut so unglaublich gut….
Wie sagte es mein Lebensgefährte so schön, als seine Kollegen ihn fragten, wie es mir ginge?:
„Sie ist aus einem 20monatigen bösen Traum aufgewacht…“

Es hatte einen Sinn, warum ich diese Krankheit erleiden musste – den Sinn, mich endlich zu öffnen.. die Vergangenheit Vergangenheit sein zu lassen und mit allen Sinnen mein Leben zu leben.

Ein Wunder?

Nein – kein Wunder… du musst nur glauben, dann kann dir nichts schlimmes passieren. Nur glauben…

Am 02.09. habe ich meine nächste Untersuchung. Eine CT – zur Disposition stehen neben diversen Knochenmetastasen auch ein paar kleine von diesen Biestern in meiner Lunge. Logisch, dass es länger dauert bis meine Knochenmetastasen restlos verschwunden sind. Aber rein theoretisch könnten sie ja auch gewachsen sein.. oder eben noch immer genauso gross sein, wie zuvor… ich werde euch davon berichten. Und ich werde nichts beschönigen oder verschweigen. Es wird die reine Wahrheit sein.

Nein – eigentlich wollte ich mich jetzt nicht mehr befassen mit dem Thema Tod. Da ich aber sehe, unter welchen Stichworten meine Seite erstaunlicherweise gefunden wird – und daran zu erkennen glaube, wie verzweifelt doch anscheinend einige Leser sind – möchte ich mich noch einmal mit diesem Thema auseinander setzen. Zumal der Tod endlich einmal enttabuisiert werden sollte. Ist er doch derjenige, der unser Leben abschliesst – unser eines Leben hier auf dieser Erde – endgültig – unausweichlich…

Wann fängt man an, zu sterben?

Ich höre Stimmen, die sagen, dass unser Sterben bereits mit der Geburt anfängt – geboren worden, um zu sterben…..nein – das kann ich nicht so stehen lassen – das ist mir zu trivial http://de.wiktionary.org/wiki/trivial – das ist eine typische Erklärung unserer Zeit – hoffnungslos – verständnislos – sinnlos…

Bedenken wir doch einmal das Wunder der Zeugung. Was passiert dort? Zwei Einzeller – der Samen und das Ei – treffen aufeinander. So hat es damals auch angefangen – das Leben auf unserer Erde.. Einzeller waren die ersten Bewohner hier. Irgendwann bekamen sie die Fähigkeit, sich zu teilen, sich zu vermehren. Wie großartig ist die Schöpfung, dass sie diese Option eröffnete – und das sie sich unendliche Male wiederholt – ihr zu Ehren – ohne Ende… Diese Wunder der Zeugung, wo sich aus zwei Zellen eine formt. Sie fängt an, sich zu teilen und zu teilen – und formt sich, ohne es lernen zu müssen, zu einem Geschöpf – zu einem Geschöpf, in dem das Wissen um diese Teilung lebt, ohne das wir es wissen, ohne dass wir es lernen müssen. Es ist einfach da. Und macht uns zu einem Teil dieses Lebens hier.
Aber sind wir geboren, um zu sterben? Was ist mit all den Geschöpfen, all den Pflanzen, die es hier gibt? Wurden sie alle nur geboren, um zu sterben? Nein, mit Sicherheit nicht! Sie alle hatten und haben eine Aufgabe zu erfüllen – die Aufgabe, dieses Leben hier im Sinne der Schöpfung fort zu führen.
Und wir? Was sollte uns unterscheiden von all diesem Leben um uns? Nichts?

Oh doch – es gibt einen Unterschied . wir haben die Fähigkeit, in die Zukunft zu denken – wenn es auch nicht immer der Wahrheit entspricht – wir haben die Fähigkeit zu abstrahieren http://de.wiktionary.org/wiki/abstrahieren wir haben die Fähigkeit zu begreifen, was wir warum tun. All diese Fähigkeiten sind in uns – wir nutzen sie nur nicht – wir mißbrauchen sie. Dies Fähigkeit, die uns von der Schöpfung zu treuen Händen gegeben wurde.

Der Wert eines Lebens ist unbezahlbar, einzigartig – sollte es zumindestens sein. Dessen sollten wir uns bewußt sein – niemand ist besser, niemand ist schlechter – und jeder ist einzigartig. Das haben wir vergessen – oder haben wir es nie gelernt? Wie kommt es, dass einige höher geschätzt werden? Wie kommt es, dass die Menschen immer in Gruppen in eine Richtung fluten? Woher entstammen unsere Vorbilder? Idole? Sind sie besser? Wirklich? Nein, heute mit Sicherheit nicht mehr.
Die Zeit heute ist zu schnelllebig- wir betrügen sie, die Zeit – wir haben sie benannt in Sekunden, Minuten, Stunden, Tage… und stopfen sie voll mit Ereignissen – Ereignissen, die nicht in dieser Geschwindigkeit ablaufen sollten , weil wir so einfach nicht begreifen können – denn dazu brauchen wir Zeit – Zeit, die wir nicht mehr haben. Es ist diese Kunst, die so beschrieben wird:
Mit allen Sinnen geniessen….
Wir haben verlernt, zu leben – verlernt, zu denken – zu begreifen….

Wir lassen uns von Reizen überfluten, die all unsere Fähigkeiten bremsen und verstümmeln. Die Medien haben uns völlig im Griff – die Medien, die bis zur Perfektion ausgebaut werden – entwickelt werden – die uns vorschreiben, was und wie wir denken und handeln sollen – was und wie wir sind. Der Wert unserer Leistung wird in Entgelten http://de.wikipedia.org/wiki/Entgelt festgelegt, die den Platz in der Gesellschaft bestimmen. Viel Entgelt, viel Wert – so definiert sich heute der Wert des Menschen.

Was hat das mit Leben zu tun ?? War das der Sinn der Schöpfung?

Es ist nicht wichtig, auf welchem Platz wir stehen – wichtig ist, wie wir diesen Platz ausfüllen!

Wir müssen anfangen zu lernen, dass Geld und Macht nicht unsere Götter sind , wir müssen begreifen, dass dies keine Entscheidung der Schöpfung gewesen sein kann! Wir müssen verstehen, dass wir hier auf Erden unser Paradies, das uns die Schöpfung zu treuen Händen gab, zerstören – dass wir gegen die Macht handeln, die uns das Leben geschenkt hat. Wir müssen begreifen, dass Gott uns das Leben geschenkt hat, und dass wir die Verantwortung dafür in uns tragen.
Sicher ist er mühselig, dieser Weg, denn wir müssen beginnen, zu überdenken, ob unser Verhalten wirklich im Einklang mit der Schöpfung ist, ob das, was wir tun – wie wir es tun, wirklich Sinn hat.
Doch wenn wir es schaffen, uns zu lösen von diesen Werten, die man uns übermächtig einhämmert – wenn wir begreifen, dass wir unsere Aufgabe hier zu erfüllen haben – wenn wir diesen Weg beschreiten, dann hat die Frage, wann wir anfangen zu sterben, keinen Platz mehr in uns, denn dann leben wir. Und dann ist der Tod der krönende Abschluss einen reichen Daseins auf unserer Erde.

Das Sterben beginnt, wenn wir nicht wahrhaftig leben.