Respekt für die Würde des Menschen

September 21, 2007

Wie heißt es so schön? Die Würde des Menschen ist unantastbar… auweia…Dabei machen wir doch Tag für Tag nichts anderes, als die Würde, das Leben unsere Mitmenschen zu bemängeln, ihre Art zu leben anzuzweifeln, ausgehend von der merkwürdigen Sicherheit, dass unsere Art, zu leben, die wirklich einzig wahre ist !!!!- Ich bin nun mal so…-

Was für eine Arroganz.

 

„Warum regst du dich so über deinen Lebensgefährten auf?“ fragt mich ein Freund „Wie lange seid ihr schon zusammen? Und immer wieder die gleichen Probleme.. Nimm ihn doch einfach so, wie er ist, so, wie du ihn kennen gelernt hast. Er hat seine Art, du hast deine Art.. Lerne, ihn zu respektieren!! Er ist, wie er ist, nicht, wie du ihn haben willst! Schließlich nimmt er dich ja auch so, wie du bist.“

Das war es. Der richtige Satz zum richtigen Zeitpunkt. Da habe ich verstanden, was es bedeutet, einen Menschen wirklich zu respektieren. Wir alle wachsen in unserer ureigenen Umgebung mit ureigenen Einflüssen auf und werden dadurch geprägt, ausnahmslos alle.

 

Und wenn wir das Alter erreichen, wo wir unseren Partner suchen, dann doch eher unbewusst jemanden, der in etwa unserer Lebensart entspricht.. aber weil er ja nicht wirklich so ist, wie wir ihn uns wünschen.. kann er ja auch nicht sein, weil er auch ein Individuum ist, wie wir selber, versuchen wir ständig, ihn zu ändern. Er soll so sein, wie wir ihn haben wollen, nicht, wie er ist. Komisch.. dabei bestehen wir immer darauf, dass wir so bleiben, wie wir sind, weil wir ja ( aus unsere Sicht ) schon vollkommen sind. ( Ich bin nun mal so… )

Wirklich wahre Partnerschaft kann nur dann entstehen, wenn beide Teile bereit sind, sich in einigen Dingen zu ändern, und das ist schwer..sehr schwer…

 

Aber diese Schwierigkeit, wirklich zu respektieren, gibt es nicht nur in der Partnerschaft. Sie findet sich überall, wo Menschen aufeinander treffen, wo sie engeren Kontakt finden, wo sie mit anderen Nationalitäten und anderen Lebensweisen konfrontiert werden. Das Unverständnis für die andere Lebensweise, das Unvermögen, sich in diese Art einfühlen zu können, eben, weil wir nicht in diesem Lebensraum groß geworden sind, stößt uns ab, und, allzu menschlich, stellen wir uns auf den Standpunkt, dass es nicht gut sein kann, anders zu sein als wir selber. Das Miteinander wäre um Strecken leichter, würden wir uns endlich eingestehen, dass unsere Art, zu leben nur eine Art unter vielen ist, nicht besser, nicht schlechter, sondern nur eine Variante aus dem reichhaltigen Fundus des Zusammenlebens der Menschen.

Wir müssen sie nicht lieben, sie nicht verstehen, aber wir sollten lernen, sie zu respektieren, als etwas völlig normales auf dieser unserer Erde.

 

Besonders heftig aber wird es, wenn Menschen aus der gleichen Gesellschaft aufeinander treffen. Gerade hier drängt sich bei vielen die irrige Annahme auf, dass das Verhalten des anderen so ist, wie sie sich bei einem selber im Laufe der Zeit aus Erfahrung und Erziehung aufgebaut hat. Was sich gravierend vom eigenen Verhalten unterscheidet wird sofort abqualifiziert in die Schublade der unerwünschten Personen abgelegt, sozusagen, als persona non grata, im schlimmsten Falle läuft diese Person dann unter der Bezeichnung „asozial“.. was, wenn man es genau interpretiert, nichts anderes bedeutet, als : nicht in die Gesellschaft passend. Hmm…..trifft teilweise zu, in sehr markanten Fällen mit Sicherheit.. aber mit ebenso großer Sicherheit sind eben diese Menschen auch der Meinung, dass ihre Art, zu leben die einzig wahre Art ist. Ein Dilemma ohne Ende…

 

Was ich persönlich aber als besonders schlimm empfinde ist, wenn, der Bildungsstand einer Person so hoch ist, dass diese Person vom Intellekt her eigentlich in der Lage sein müsste, zu erkennen, dass jeder Mensch ein sehr eigenes Individuum mit sehr eigenen Verhaltensweisen ist, und trotzdem nicht fähig ist, ein anderes Verhalten zu tolerieren, geschweige denn , zu respektieren.

Die uns allen allzu bekannten kritischen Situationen, in denen das so genannte wahre Gesicht zum Vorschein kommt, wo so viel Stress aufgebaut wird, dass die Person nicht mehr eigenständig agieren, sondern nur noch auf die Situation reagieren kann, in der Weise, in der sie erzogen worden ist.

Ich hatte schon einige Erfahrungen in dieser Art, die letzte ergab sich erst vor kurzem, als mein Onkologe der Meinung war, dass der Schlaganfall, den ich erlitten hatte wohl eher durch Metastasen als durch ein Blutgerinnsel hervor gerufen wurde.

Ich dachte ja, dass ich die Erfahrung der Todesangst bereits gemacht hätte, aber seit dieser fatalen Bemerkung. .zumal bis jetzt noch nicht geklärt wurde, ob tatsächlich Metastasen im Kopf sind, da der Radiologe darauf beharrte, dass Metastasen von ihnen einwandfrei erkannt worden wären, löst jedes noch so geringes Wehwehchen, das vom Kopf kommt in mir, meinem Sohn und meinem Lebensgefährten eine rasende Panik aus. Der Tod ist bei uns Gast geworden… bedrohlich und hartnäckig….

Um diese Panik am Anfang zu mindest etwas unterdrücken zu können, unterrichtete ich vier Menschen, von denen ich annahm, dass sie mich verstehen würden, von dem Gespräch, und bat, explizit, niemanden, schon gar nicht zweien, die mir doch gefühlsmäßig nahe standen, und denen ich nicht weh tun wollte, zumal ich zu dieser Zeit niemals die Kraft gehabt hätte, darüber mit ihnen zu reden, davon zu erzählen.

Die Reaktion war erschreckend:

Meiner Bitte wurde nicht entsprochen, es gab keinen Respekt für mich, nicht das geringste Verständnis für mein Verhalten, die Nachricht wurde weitergeleitet, und die eine Person, die es nicht erfahren sollte, ist war sofort mehr als nur heftigste beleidigt, weil ich sie nicht unterrichtete.

Nicht ich bin wichtig, nicht die Tatsache, dass ich den Tod vor Augen hatte und noch immer habe, nicht mein fürchterliches Dilemma, allein, dass ich eigenständig eine Entscheidung traf, die insbesondere für mich in dieser Situation mehr als nur überlebenswichtig war, ist für sie störend. Es hat sie getroffen, dass sie nicht unterrichtet wurde. Und seitdem steigert sie sich in eine sagenhafte Wut und Verachtung hinein, die ich beim besten Willen nicht nachvollziehen kann.

So weit, so gut, eine von mir abgegeben Erklärung hat nichts mehr gebracht, ich respektiere es. Ich kann mich ja schlecht in sie hinein versetzen.

Und das ist eine Form des Respekts, den ich meine. Wir müssen sie nicht lieben, diejenigen, die sich gravierend von uns unterscheiden, wir können ja Abstand halten. Aber wir sollten sie respektieren. So, wie sie sind… weil sie Menschen sind, wie wir auch.. weil auch wir Dinge machen, die anderen nicht gefallen. Wenn wir das endlich lernen, dann sind wir einen gewaltigen Schritt weiter in Sachen Menschenrechte, im Umgang mit denen, die sich mit uns zusammen diesen Erdball teilen.

10 Antworten zu “Respekt für die Würde des Menschen”

  1. bilderbattleblog said

    Bin ich wirklich der einzige der sich traut hier mal was zu kommentieren?

    Sehr gut analysiert finde ich was du schreibst!

  2. Dahms-Behrendt said

    Hallo,
    danke für diese klaren Worte, sie sprechen mir aus dem Herzen.Ich beschäftige mich gerade mit dem Thema Respekt

  3. marc said

    also wer da beleidigt ist, hat eines wohl nicht: einfühlungsvermögen.
    aber auch diese person ist vielleicht nicht nur beleidigt, sondern besorgt. das sollte man als mögliche antwort nicht übersehen. nicht alle menschen können so gut artikulieren, was sie wirklich meinen. wenn jemand sagt, er sei beleidigt, dann ist er möglicherweise zutiefst beunruhigt.

  4. hispace said

    irgendwie, fände ich es toll, wenn du mir privat schreiben würdest…ich hatte mit Sonja eine ähnliche Situation…Lg Hispace

  5. 1leben said

    Schick mir deine email. hispace

  6. hispace said

    ich habe dir schon eine mail geschickt

  7. Astrid said

    Den Mensch respektieren und akzeptieren, so wie er ist, ihm nicht die eigene Meinung aufzwingen – ich gebe zu – nicht immer einfach, aber jeder ist lernfähig.
    Vielen Dank für deine Ausführung und die treffenden Worte.

  8. gustavstaedtler said

    WAS IST DIE WUERDE DES MENSCHEN
    OHNE DEN DAUERHAFTEN WILLEN ZUR WAHRHEIT.?
    Gustav Staedtler

  9. 1leben said

    Wahrheit, mein Lieber, ist meist etwas sehr subjektives. Und sie ist ein Gut, mit dem viele nicht umzugehen wissen, da vieles – auch in der Geschichte – auf Unwahrheiten, Halbwahrheiten oder schlicht Lügen aufgebaut wurde und wird.
    Der Wille zur Wahrheit, er ist löblich, aber ich denke einfach zu unrealistsich – leider
    Karin

  10. meto said

    Die Wahrheit leidet oft Not,niemals aber kann sie vernichtet werden.

    Die Wahrheit ist,in der letzten Instanz,doch immer aus der Quelle der eigenen Entscheidungen.
    Wenn ich mich entscheide einem Durstigen das Wassrer zu reichen,dann ist der Durst des Durstigen eine Wahrheit,und das Wasser die Meinige.
    Die Seele ist immer Durstig,und will immer gestillt werden aus dem Wasser der Glückseligkeit.

    Nur,wer hat noch nie aus einer Lache der Lüge getrunken.?

    Meto

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